Norderstedt
Mülltrennung

Die Biotonnen im Kreis Segeberg werden kontrolliert

Abfallberater Holger Kraski vom Wege-Zweckverband: „Unser Ziel ist es, möglichst plastikfreie Biotonnen zu erreichen.“

Abfallberater Holger Kraski vom Wege-Zweckverband: „Unser Ziel ist es, möglichst plastikfreie Biotonnen zu erreichen.“

Foto: Burkhard Fuchs / fuchs

Der Wege-Zweckverband startet in Kaltenkirchen ein Modellversuch, um den Plastikanteil im Abfall zu senken. Die Details zum Projekt.

Kreis Segeberg.  Die Biomülltonnen an der Straße Wulfskamp in der Stadt Kaltenkirchen werden in den nächsten Monaten die wohl bestüberwachten Mülltonnen im Kreis Segeberg sein. Der Wege-Zweckverband (WZV), der mit Ausnahme von Norderstedt den gesamten Bioabfall im Kreis Segeberg entsorgt, hat sich – wie auch die Stadt Norderstedt – der bundesweit laufenden Kampagne der Entsorgungsgesellschaften „Wir für Bio“ angeschlossen und jetzt einen Aktionsplan gestartet.

So werden ab sofort alle zwei Wochen die 60 Bioabfall-Tonnen der 525 Haushalte in der genannten Straße in Kaltenkirchen genau inspiziert, um festzustellen, ob sich in ihnen tatsächlich nur kompostierbarer organischer Abfall befindet. Dies geschieht jeweils mittwochs, einen Tag vor der eigentlichen Entleerung, kündigte Holger Kraski, Abfallberater beim WZV, an.

Sogar Sondermüll landet in den Biotonnen

Hintergrund dieser Kontroll-Aktion sei es, dass immer noch zu viele Fremdstoffe in den Bioabfall geworfen werden, erklärt WZV-Bereichsleiterin Julia Hobohm. So landeten jede Menge Kunststoffe, Metalle, Styropor, Rest- oder sogar Sondermüll in den braunen Bioabfalltonnen. Gerade bei Plastik sei dies besonders schlimm, da es dazu führe, dass diese Stoffe bei der Sortierung in der Anlage in Schmalfeld so zerkleinert würden, dass sie nachher kaum noch von dem Bioabfall zu trennen seien. Später würde dann dieser angebliche Biokompost, der mit Mikroplastik und anderen Fremdstoffen verunreinigt sei, auf die Äcker und Weiden der Landwirte im Kreis Segeberg verteilt, an die er zur Düngung der Felder kostenlos abgegeben werde. Das soll künftig anders, nämlich sauberer werden, hoffen die Abfallexperten vom WZV. „Unser Ziel ist es, möglichst plastikfreie Biotonnen zu erreichen“, sagt Julia Hobohm.

Kaltenkirchen sei als Modellkommune für dieses Pilotprojekt ausgesucht worden, weil sich der Bauverein als Eigentümer der Wohnungen dort dazu bereiterklärt habe mitzumachen, erläutert Projektleiter Kraski. Eine Reihen- oder Einzelhaussiedlung habe man bewusst dafür nicht ausgewählt, weil sich die Bewohner dort meist „mit ihrem Müll identifizierten“, erklärt Julia Hobohm. In Mehrfamilienhäusern sei dies oft anders. Da lebten die Menschen eher anonym, achteten weniger auf die korrekte Müllentsorgung – jeder verließe sich auf den anderen, so die Ausgangsthese des Modellversuchs, der nun bis Ende März das Mülltrennverhalten und den Lerneffekt der dortigen Bewohner auf den Prüfstand stellt.

Norderstedt sammelt im Jahr bis zu 120 Tonnen Störstoffe

Dieses Verhalten kann auch Norderstedts Betriebsamtsleiter Martin Sandhof bestätigen. In Mehrfamilienhäusern seien manche Leute bei der Mülltrennung offenbar „schmerzfrei“ und schmissen alle möglichen Abfälle in die Biotonnen. „Ich nehme zum Beispiel immer ein Sieb mit einem Flies darin, um meine Küchenabfälle zu entsorgen“, geht Sandhof mit gutem Beispiel voran. Zwar seien es nur ein bis zwei Prozent am Bioabfall in Norderstedt, der aus Fremdstoffen besteht. Das seien aber bei 6000 Tonnen Gesamtmenge im Jahr auch schon wieder 60 bis 120 Tonnen. „Diese Störstoffe auszusortieren, das ist nicht mehr zu bezahlen.“

Im Kreis Segeberg beträgt nach Angaben des WZV der Anteil an Störstoffen im Biomüll sogar drei bis fünf Prozent. Bei 23.000 Tonnen Bioabfall, die pro Jahr aus den 56.000 Bio-Tonnen der Privathaushalte im Kreis Segeberg entsorgt werden, kommen demnach 690 bis 1150 Tonnen zusammen.

Es beteiligen sich 30 Abfallentsorgungsunternehmen

Darum wird diese Biomüll-Aktion des WZV von einer Aufklärungskampagne begleitet. So wurden und werden Handzettel in die Briefkästen mit der Aufschrift verteilt: „Kein Bock auf Plastik im Bioabfall – Mithelfen, Plastik vermeiden, Umwelt schonen“, sagt Abfallberater Kraski. Auf diese Weise solle untersucht werden, ob die Bürger bereit sind, hierbei mitzumachen und das Ergebnis im Laufe der Zeit tatsächlich besser wird. Gerade die Weihnachtszeit sei dazu gut geeignet, weil sehr viel mehr Abfall als sonst anfalle, so Julia Hobohm. Flankiert wird die Aktion mit kompostierbaren Papiertüten, die in den Supermärkten ausgelegt werden, damit die Bürger ihre Küchenabfälle darin sauber und biologisch einwandfrei entsorgen können.

Insgesamt beteiligen sich an der Aktion „Wir für Bio“ inzwischen mit dem Betriebsamt Norderstedt und dem WZV aus dem Kreis Segeberg 30 Abfallentsorgungsunternehmen von Flensburg bis Tuttlingen, darunter ein Dutzend Entsorger aus Schleswig-Holstein.