Norderstedt
Kiel/Schackendorf

Gewaltfantasien gegenüber Ehefrau geäußert

Der 48 Jahre alte Angeklagte (vorn) sitzt im Schwurgerichtssaal neben seinem Anwalt.

Der 48 Jahre alte Angeklagte (vorn) sitzt im Schwurgerichtssaal neben seinem Anwalt.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Prozess um Mord in Schackendorf: Verteidigung widerspricht der Verwertung belastender Aussagen des Angeklagten Volker L.

Schackendorf/Kiel.  Der wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagte Volker L. (48) räumte im November 2017 am Rande polizeilicher Vernehmungen ein, tödliche Gewaltfantasien gegen Nadine L. (34) gehegt zu haben: Nach Aussage einer am Dienstag im Kieler Landgericht vernommenen Kripobeamtin erklärte dieser von sich aus, er sei „total wütend“ gewesen, „dass er sie am liebsten erschlagen hätte“.

Die Verteidigung widersprach der Verwertung der brisanten Aussagen: Volker L. sei damals nicht über sein Schweigerecht belehrt worden. Wie berichtet, wurde Nadine L. in der Feldmark bei Schackendorf mit einem Zaunpfahl erschlagen. Der Angeklagte bestreitet die Tat.

Volker L. war ein hochgradig eifersüchtiger „Kontrollfreak“, der die Arbeits- und Freizeitaktivitäten seiner Ehefrau auf Schritt und Tritt überwachte. Diesen Eindruck vermittelten am Dienstag Zeugen. Demnach war der chronisch kranke Mann nicht nur auf die Kampfsporttrainer seiner Ehefrau und auf ihre männlichen Arbeitskollegen notorisch eifersüchtig. Auch der langjährige Hund Molly, den Nadine L. „abgöttisch geliebt“ haben soll, war dem Angeklagten ein Dorn im Auge: Er entsorgte das Tier, indem er es über Ebay-Kleinanzeigen anbot. Der Zeugin, die Molly kaufte, erklärte er, sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um den Hund kümmern zu können. Der Angeklagte bat die Käuferin ausdrücklich, nie wieder bei ihm anzurufen. Jeglicher Kontakt der Zeugin mit der um ihren Hund trauernden Nadine L. hätte die Legende zerstören können, mit der Volker L. der Familie das Verschwinden des Hundes erklärte. Dort glaubten alle, Molly sei überfahren worden.

Zwei Kampfsport-Trainer, die Nadine L. bis kurz vor ihrem Tod auf eine erste Prüfung – die Lizenz zum Tragen des gelben Gürtels – vorbereiteten, bestritten jegliche private Beziehung zum Opfer. Die als Psychiatrie-Pflegerin in Rickling beschäftigte Frau hatte sich zwei Arbeitskolleginnen anvertraut, mit denen sie hin und wieder essen ging.

Nach Aussage einer Pflegehelferin hatte Nadine („Sie war eine wirklich hübsche Frau“) lange um ihre Ehe gekämpft. „Sie liebte ihren Mann.“ Das habe sie immer wieder erklärt und ihren krankhaft eifersüchtigen Mann gegen Kritik von außen verteidigt. Ihren Kolleginnen erklärte das spätere Opfer, sie werde sich ihren Lieblingssport als „perfekten Ausgleich zum Job“ von ihrem Mann nicht madig machen lassen. Doch zehn Tage vor ihrem Tod meldete sie sich von der Kampfsportschule ab. „Ich möchte meine Ehe nicht gefährden“, schrieb sie dem Inhaber (55). Der berichtete, Volker L. habe seine Frau beim Trainieren regelrecht beobachtet und durch seine Körpersprache so deutlich seine Missbilligung zum Ausdruck gebracht, dass er ihn schließlich vor die Tür gesetzt habe.