Norderstedt
Kiel/Bad Segeberg

Viereinhalb Jahre Haft für Messerstecher

Der Fall wurde vor dem Landgericht in Kiel verhandelt.

Der Fall wurde vor dem Landgericht in Kiel verhandelt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Axel Heimken / picture alliance / dpa

30 Jahre alter Segeberger hatte im April vor einer Diskothek zwei Männer am Hals verletzt. Nun stand er in Kiel vor Gericht.

Kiel/Bad Segeberg.  Mit 2,7 Promille Alkohol im Blut hatte der Angeklagte auf dem Parkplatz der Bad Segeberger Diskothek Que Danceclub sein Teppichmesser gezogen und zwei jungen Männern den Hals aufgeschnitten. Die scharfe, aber kurze Klinge verfehlte zum Glück Luftröhren und Schlagadern der Opfer und verursachte nur leichte Verletzungen. Wegen der potenziellen Lebensgefahr warf die 35. Strafkammer des Kieler Landgerichts dem 30-Jährigen jetzt versuchten Totschlag in zwei Fällen vor. Das Urteil: viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Eine Gutachterin hatte dem Drogenabhängigen für die Tatzeit im April dieses Jahres eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit bescheinigt. Schuldunfähig war der einschlägig vorbestrafte Zimmermann jedoch nicht, urteilte das Gericht. Schon vor zehn Jahren hatte der Handwerker einen Kontrahenten mit einem Teppichmesser im Gesicht verletzt. Damals verhängte das Jugendgericht eine Woche Arrest. Vor fünf Jahren verurteilte ihn das Kieler Landgericht zu zwei Jahren Haft, nachdem er mit einem Butterflymesser auf mehrere Personen losgegangen war.

In der U-Haft wurde der Angeklagte Vater

Nach dem nun gesprochenen Urteil bekommt der Angeklagte die Möglichkeit, in einer geschlossenen Entziehungsanstalt von seiner Sucht loszukommen. Zuletzt hatte er Arbeit und lebte bei seiner Freundin, einer Psychiatrie-Mitarbeiterin. In der U-Haft wurde er Vater. Laut Urteil befand er sich zur Tatzeit in einer Ausnahmesituation. Nachdem er bereits seinen Alkohol- und Tablettenkonsum mithilfe der Freundin stark reduziert hatte, besuchte ihn ein alter Zechkumpan aus Berlin.

Während die Lebensgefährtin des Angeklagten Nachtdienst hatte, leerten die beiden „Brüder“ drei Flaschen Hochprozentiges. Möglicherweise erhöhten Ego-Shooter-Spiele am Computer die Aggressionsbereitschaft. Gegen 2 Uhr morgens sahen Zeugen den Angeklagten allein im Bereich der Diskothek, wo er nach kurzem Wortwechsel das erste Opfer anrempelte und mit dem Teppichmesser quer über den Hals schnitt.

Ein Rettungswagen war schon unterwegs, als der Angeklagte von einem Freund des Opfers zur Rede gestellt wurde. Als der Täter nun gegen den Kopf des am Boden liegenden Verletzten tritt, zieht ihn der Zeuge zurück. Und bekommt dann ebenfalls einen langen Schnitt quer über den Hals. „Ich steche euch ab!“, ruft der Täter den Flüchtenden noch hinterher, die sich vor ihm in einem Gebüsch verstecken.

Aufgrund von Beschreibungen wird der Angeklagte bereits wenig später in Tatortnähe festgenommen. Neben den belastenden Zeugenaussagen überführten ihn auch Blutspuren der Opfer an seinem Cuttermesser. Eine Notwehrsituation schloss die Kammer ebenso aus wie einen psychotischen Schub des ehemaligen Psychiatriepatienten, der unter Drogen und Alkohol Stimmen gehört haben will. Der Angeklagte habe mit provozierendem Anrempeln und Äußerungen wie „Was ist dein Problem?“ einfach nur Streit gesucht.