Norderstedt
Schröters Wochenschau

Glühwein-Pfandbecher zur Bescherung

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Warum die Welt zumindest in Norderstedt im kommenden Jahr ein bisschen besser wird.

Bevor der Glühwein die Sinne verwirrt, sinniert man gern darüber, wie die Welt zu verbessern sei. 2019 wird sie in Norderstedt besser, denn dann verbietet die Stadtverwaltung bei öffentlichen Veranstaltungen Teller, Besteck und Trinkhalme aus Plastik. Das ist sinnvoll, weil mittlerweile weite Bereiche der Weltmeere überwiegend aus Mikroplastik bestehen, das sich unter der Tropensonne erhitzt und zu einer zähen Masse gerinnt.

Deshalb bleiben jede Menge Schiffe auf dem Äquator kleben – eine Erklärung, die Sie vielleicht noch nicht kannten, jedoch wunderbar als Ausrede benutzen können, wenn Ihre Kinder zu Weihnachten herumheulen, weil sie nicht das sündhaft teure Smartphone unterm Baum finden. Sagen Sie: Das Schiff mit dem Technikkram aus Fernost ist leider auf dem Äquator kleben geblieben, weil frevelnde Teenager ihre Plastikbecher vom Burger-Restaurant in der Moorbek entsorgen. Selber schuld, quasi.

Leider müssen wir uns ab 2019 eine neue Argumentation ausdenken, weil ja die Stadtverwaltung die Grundlage der alten torpediert. Am Schönsten wäre natürlich, man hätte genug Geld für alles: für den Weihnachtsmarkt und auch noch für Geschenke. Genau das funktioniert, wenn die Plastikbecher durch pfandgebundene Porzellangefäße ersetzt werden!

Man feiert sich durch die Weihnachtsmärkte und nimmt alle geleerten Becher mit nach Hause. Zur Bescherung fädelt man zehn Meter rotes Seidenband durch sämtliche Henkel, bindet eine dekorative Schleife und beschenkt seine Brut damit. Das Kind kann die gesammelten Werke beim nächstjährigen Weihnachtsmarkt gegen Bargeld einlösen und sich dafür sein Wunschhandy vom Vorjahr kaufen – das ist dann unmodern und kostet bloß noch die Hälfte.