Norderstedt
Kreis Segeberg

Bad Bramstedt: Ein Übergang ohne Brüche

Amtsinhaber Hans-Jürgen Kütbach bereitet die künftige Bürgermeisterin Verena Jeske schon jetzt auf die anstehenden Projekte der Kurstadt vor.

Amtsinhaber Hans-Jürgen Kütbach bereitet die künftige Bürgermeisterin Verena Jeske schon jetzt auf die anstehenden Projekte der Kurstadt vor.

Foto: Wolfgang Klietz

Bad Bramstedts amtierender Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach will sein Amt reibungslos an Nachfolgerin Verena Jeske übergeben.

Bad Bramstedt.  Die erste Sitzung mit den Amtsleitern im Rathaus von Bad Bramstedt hat Verena Jeske bereits hinter sich. Erst in zwei Monaten wird sie ihr Amt als neue Bürgermeisterin antreten und Hans-Jürgen Kütbach (FDP) nach 18 Jahren als Chef der Stadtverwaltung ablösen, doch schon jetzt arbeiten beide an einer reibungslosen Übergabe. „Ich will einlösen, was ich am Wahlabend angekündigt habe“, sagt der Amtsinhaber, der deutlich gegen die Herausforderin verloren hatte. „Ich möchte einen Übergang ohne Brüche und den gegenseitigen Austausch.“

Dazu gehört Jeskes Besuch bei der Amtsleiterbesprechung ebenso wie die Weitergabe diverser dienstlicher E-Mails aus dem Bürgermeisterbüro auf Jeskes Account. „Das klappt“, sagt sie anerkennend und betont, dass sie sich umfassend informiere und vorbereite, aber vor dem Amtsantritt am 1. Februar 2019 Prioritäten setze: bei ihrem Beruf im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und bei der Familie.

Die Amtsübergabe fällt in eine Zeit wichtiger Entscheidungen für die Stadt, die jetzt vorbereitet werden und die Jeske ab ihrem Amtsantritt umsetzen muss. Aktuell beschäftigen sich die politischen Themen mit dem städtischen Haushalt für das kommende Jahr, nahezu jeden Abend stehen Sitzungen auf dem Programm. Mindestens einmal pro Woche ist Jeske dabei.

Jeske hat Vertrag für neue Wohnung unterschrieben

Außerdem muss sie sich in die großen Projekte einarbeiten, die langfristig bedeutsam sind: Die Stadt braucht eine neue Feuerwehrwache und mehr Kita-Plätze, ein Ärztezentrum soll entstehen, die Sanierung von Straßen muss finanziert werden. Zudem wird sich die Stadt mit dem Thema Prädikatisierung im Tourismus beschäftigen. Der Status als Heilbad ist mit dem Aus für die Moorbehandlungen im Klinikum dahin, Kütbach favorisiert einen Wandel der Stadt zum Kneippkurort.

Wesentliche Meinungsunterschiede haben die beiden bislang nicht entdecken können. „Jedenfalls nicht nach dem 21. Oktober“, sagt Kütbach lachend und spielt damit auf das Ende des Wahlkampfes und diverser kontroverser Debatten an.

Dass sie als Wahlkämpferin klare Kante zeigen kann, hat Jeske bewiesen. Auf die Frage, ob sie das auch als Chefin könne, zögert sie keine Sekunde, um mit einem klaren Ja zu antworten. Gleichzeitig betont sie das kollegiale Miteinander, die Bedeutung attraktiver Arbeitsbedingungen bei der Stellenbesetzung und den Teamgeist. „Man muss Erfolge auch gemeinsam feiern können“, sagt sie.

Auch privat muss sie sich auf die neue Aufgabe vorbereiten. Mit Ehemann Thilo und den drei Söhnen wird sie demnächst von Seevetal nach Bad Bramstedt ziehen, den Mietvertrag für die neue Wohnung hat sie am Montag unterschrieben. Die Wochenenden verbringt die Familie fast immer in der neuen Heimat.

„Mein Mann hat mich schon während des Wahlkampfes großartig unterstützt“, sagt Jeske. Der Männerhaushalt der 39 Jahre alten Mutter soll schon bald weiteren Zuwachs bekommen – von einem männlichen Au-pair aus Kirgistan. „Wenn die Botschaft nichts dagegen hat, wird ein Junge meine Familie für ein Jahr begleiten.“

Als Kütbach sein Amt als Bürgermeister angetreten hat, war er nur ein Jahr älter als seine Nachfolgerin heute. „Ich kann gut nachvollziehen, wie es Frau Jeske geht“, sagt der 58-Jährige. Auch er musste erst in seine Rolle als Bürgermeister hineinwachsen. Wie es für ihn nach seinem Abschied aus dem Amt weitergeht, hält sich Kütbach noch immer offen. In seinen alten Beruf als Rechtsanwalt und Notar zurückzukehren, bleibt eine Option. „Aber zuerst möchte ich meinen Job im Rathaus vernünftig zu Ende bringen.“

Daran hindert Verena Jeske ihn nicht. Im Gegenteil. „Ich lasse Herrn Kütbach in Ruhe seine Arbeit als Bürgermeister erledigen. Bis zum 31. Januar ist das seine Spielwiese“, sagt sie. Die künftige Chefin von Bad Bramstedt ist froh darüber, schon vor ihrem Amtsantritt einen Einblick in die Projekte der Stadt zu bekommen. „Entscheiden kann ich aber noch nichts“, betont sie. Das darf Jeske erst ab Februar. Dann ist sie bei der Amtsleitersitzung auch keine Besucherin mehr.