Norderstedt
Messerangriff

Handwerker aus Segeberg steht vor Gericht

Ein Handwerker muss sich vor dem Gericht in Kiel verantworten.

Ein Handwerker muss sich vor dem Gericht in Kiel verantworten.

Foto: Arne Dedert / dpa

Der Angeklagte hat zwei Discobesucher mit einem Messer am Hals verletzt. Nun steht er vor Gericht. Anklage fordert acht Jahre Haft.

Kiel/Bad Segeberg.  Der Angeklagte hatte zwei Discobesucher in der Nacht zum 15. April auf dem Parkplatz der Segeberger Diskothek „Que Danceclub“ mit einem Teppichmesser am Hals verletzt. Die bis zu 16 Zentimeter langen Schnitte seien potenziell lebensgefährlich gewesen, warf ihm die Staatsanwältin am Montag im Kieler Landgericht vor. Sie forderte acht Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen.

Nach vier Tagen Beweisaufnahme gegen den wegen Gewaltdelikten vielfach vorbestraften Handwerker rückte die Anklage vom Vorwurf des doppelten Mordversuchs ab. Beim Aufeinandertreffen von Täter und Opfern vor der Diskothek gegen 2 Uhr morgens habe eine aggressive Grundstimmung geherrscht. Deshalb seien die Geschädigten dem Angriff möglicherweise nicht mehr arg- und wehrlos ausgesetzt gewesen, sagte die Staatsanwältin.

Am Mordvorwurf hielt am Ende nur noch der Anwalt eines der beiden Verletzten fest, die als Nebenkläger am Prozess beteiligt sind. Der gelernte Zimmermann hatte die Tat nicht bestritten, berief sich jedoch auf eine Erinnerungslücke. Gestern beteuerte er, es tue ihm „schrecklich leid“. Seit fünf Jahren versuche er beim Blauen Kreuz vom Alkohol und den Drogen wegzukommen.

Angeklagter wurde von Türstehern abgewiesen

Offenbar vergeblich: Weil der Angeklagte im Rausch gerne ausrastet, befürwortete auch sein Verteidiger die Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt. An einer Langzeittherapie komme man nicht vorbei. Zuvor hatte eine Sachverständige die Persönlichkeit des in Heimen aufgewachsenen Mannes begutachtet.

Die Staatsanwältin leitete daraus eine eingeschränkte Schuldfähigkeit ab. Der Verteidiger sah bei den Opfern „nur oberflächliche Verletzungen“ und wollte eine Schuldunfähigkeit seines Mandanten nicht ausschließen. „Es wird nicht einfach sein, in dieser Sache ein Urteil zu fällen“, fasste der Vorsitzende zusammen. Am Freitag soll das Ergebnis verkündet werden.

Am Eingang des Clubs am Alten Bahnhof hatte der Angeklagte eine Abfuhr von den Türstehern bekommen, bevor er laut schimpfend eine junge Frau anrempelte und seinen ersten Kontrahenten provozierte. „Wodka und Bier, nicht zu knapp“, will auch der 29 Jahre alte Geschädigte konsumiert haben.

Täter droht dem Zeugen mit dem Tod

Er habe damals viel Blut verloren und sei bewusstlos zusammengebrochen, sagte er. Erst nach der Notoperation im Krankenhaus sei er zu sich gekommen. Seine linke Gesichtshälfte sei bis heute taub und fühle sich „total fremd an“.

Sein jüngerer Leidensgenosse (21) stand nach eigener Aussage am Eingang der Diskothek, als er seinen Kumpel bei einem Gerangel auf dem Parkplatz entdeckte. Als er den Tatort erreichte, lag dieser bereits am Boden. Lautstark habe er den Angeklagten zur Rede gestellt. Dieser habe dann seinem wehrlos daliegenden Bekannten mit dem Fuß wuchtig gegen den Kopf getreten – für die Anklage ein Fall von gefährlicher Körperverletzung.

„Wenn du mich anfasst, stirbst du!“, hatte der Täter dem Zeugen zugerufen. Trotzdem versuchte der 21-Jährige, den Mann von dem Verletzten wegzuziehen. „Da ist er mir dann gleich an den Hals gegangen.“ Später entdeckte er den Angeklagten auf Facebook und identifizierte ihn auf Polizeifotos. Auch im Gerichtssaal erkannte er ihn wieder.