Norderstedt
Schackendorf

Mordprozess: „Am Ende gab es nur noch Streit“

Der 48 Jahre alte Angeklagte sitzt beim Auftakt des Mordprozesses im Schwurgerichtssaal. Der Mann soll am 1. November 2017 mit seiner Frau in Streit geraten und im Beisein des Sohnes in Rage auf sie eingeschlagen haben. Danach meldete er die 34-Jährige aus Schackendorf bei der Polizei als vermisst.

Der 48 Jahre alte Angeklagte sitzt beim Auftakt des Mordprozesses im Schwurgerichtssaal. Der Mann soll am 1. November 2017 mit seiner Frau in Streit geraten und im Beisein des Sohnes in Rage auf sie eingeschlagen haben. Danach meldete er die 34-Jährige aus Schackendorf bei der Polizei als vermisst.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Prozess um mutmaßlichen Mord von Schackendorf: Die Mutter des Opfers Nadine L. sagte aus.

Kiel/Schackendorf.  Während der wegen Mordes angeklagte Volker L. (48) vor dem Kieler Landgericht schweigt, spricht die Mutter des Opfers: Am dritten Prozesstag um die Tötung von Nadine L. (34), die Anfang November vergangenen Jahres grausam zugerichtet und halb entkleidet in der Feldmark bei Schackendorf aufgefunden worden war, schilderte die 55-Jährige, wie sie die Beziehung ihrer Tochter mit dem Angeklagten erlebte.

Als Schwiegermutter des Angeklagten, der den Tatvorwurf bestreitet, braucht Marina L. (55) vor Gericht nicht auszusagen. Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Jörg Brommann, belehrt sie über ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Doch die Mutter der Getöteten, die den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter in der Untersuchungshaft besuchte, um sich „selber ein Bild zu machen, was ich von ihm zu halten habe“, möchte aussagen.

Wie entwickelte sich die Beziehung, wie verlief die Ehe? Mit solchen Fragen eröffnet das Gericht die dreistündige Vernehmung der Zeugin, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Nach ihren Worten lernte sich das Paar beim Fußballspielen zu einer Zeit kennen, als Nadine L. kaum Kontakt zur Mutter hatte. „Sie hat nichts über die neue Beziehung erzählt“, sagt die 55-Jährige, „wahrscheinlich weil er verheiratet war.“

Später habe sie Volker L. als „eigentlich ganz netten Mann“ kennengelernt. Auch seine damalige Ehefrau sei ihr vorgestellt worden. Dann sei ihre Tochter bei dem Ehepaar eingezogen – offenbar in einer Dreiecksbeziehung. Die Ehefrau sei später mit dem gemeinsamen Kind ins Frauenhaus gezogen, Volker und Nadine hätten heimlich geheiratet. „Wir haben über Facebook erfahren, dass unser Schwiegersohn unseren Nachnamen angenommen hat.“

Im Urlaub verschwand das Handy auf mysteriöse Weise

Als der heute vierjährige Enkelsohn geboren wurde, hätten sich die Kontakte erfreulicherweise intensiviert, so die Zeugin weiter. „Sie waren zwei- bis dreimal die Woche bei mir.“ Die übrige Familie sei dagegen „mit der Art des Angeklagten nicht klargekommen“. Ihm habe stets etwas nicht gepasst. Zwei Monate vor ihrem Tod habe ihr die Tochter auf einem Spaziergang anvertraut, es gebe „nur noch Streit“, und das sei sehr schlimm für das Kind. Entweder sei es um das knappe Geld gegangen oder um die Erziehung. Volker L. habe seiner Frau vorgeworfen, sie arbeite zu viel, treibe zu viel Sport und sei zu wenig zu Hause. Um sie an die Wohnung zu binden, habe er ihr sogar ein Medikament ins Getränk gemischt, das einen Kreislaufkollaps auslöste: „Sie ist zusammengeklappt und hat gespuckt.“

Nach Darstellung der Mutter konnten die Ehepartner unterschiedlicher kaum sein: Er litt schwer an mehreren chronischen Krankheiten und igelte sich zu Hause ein. Sie war topfit und radelte täglich zehn Kilometer zur Arbeit. Als Betreuerin von Psychiatriepatienten in Rickling sei Nadine gerne eingesprungen, wenn andere nicht mehr konnten. Zweimal die Woche habe Nadine Kampfsport trainiert, sich kurz vor ihrem Tod noch intensiv auf die Prüfung für den gelben Gürtel vorbereitet. Doch dann habe Volker L. sie kurzfristig „mit einem Urlaub im Harz überrascht“, wo auf mysteriöse Weise ihr Handy verschwand. Sie soll darauf mit ihrem Trainer gechattet haben. Volker L. sei eifersüchtig gewesen, sagt die 55-Jährige.

Dass Eifersucht ein Thema war, bestätigte gestern auch eine Schwester (29) des Opfers. Einmal seien sie nach dem Volleyball zu McDonald’s gefahren. „Er rief sie an. Kein Empfang“. Da habe er sofort unterstellt, sie treffe sich mit einem anderen. Auf Nachfrage von Strafverteidiger Jonas Hennig räumten beide Zeuginnen ein, von Nadine L. trotz aller Spannungen nie etwas über körperliche Gewalt gehört zu haben.

Beide Zeuginnen hatten jedoch von einvernehmlichen Sado-Maso-Sexspielen erfahren, bei denen Volker L. den devoten Part einnahm. „Wenn er sie mal wieder dauernd schlecht gemacht hatte, war es an der Zeit, dass er bestraft werden musste“, erklärte die Mutter des Opfers. Gleichzeitig habe der Mann auf Anregung ihrer Tochter ein Antigewalt-Training mitgemacht.

Der Prozess wird am 27. November fortgesetzt.