Norderstedt
Schröters Wochenschau

Geld und Zeit – alles ist relativ

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Kolumnist Jan Schröter erzählt vom Ehepaar Schmidt, die seit 50 Jahren in ein und derselben Garstedter Mietwohnung wohnen.

Das Ehepaar Schmidt wohnt seit 50 Jahren in ein und derselben Garstedter Mietwohnung. Das Geschenk des Vermieter-Unternehmens Plambeck zur Feier dieses Jubiläums: Es wird einen Monat lang nur die Miete von 1968 berechnet. Die lag damals bei umgerechnet 105 Euro, auch heute sind es noch moderate 400 Euro. Plambeck hätte an HSV-Trainer vermieten sollen. Bei jedem Mieterwechsel 50 Euro Mieterhöhung, dann läge die teuerste Wohnung der Welt in Garstedt.

Falls Sie jetzt wehmütig berechnen, wie viel Geld Sie gespart hätten, wären Sie stets in Ihrer allerersten Wohnung geblieben und besäßen noch den Mietvertrag von damals, hier ein kleiner Trost: Sie hätten mit Sicherheit genug Möglichkeiten gefunden, dieses Geld zu verpulvern. Der HSV schafft das ja auch. Geld ist relativ, und Zeit ist es auch, das wusste schon Einstein. Norderstedts Plenarsaal im Rathaus soll zeitgemäß renoviert und ausgestattet werden. Die aktuellen Möbel und die Lautsprecheranlage stammen original aus dem Jahr 1984. Für jemanden, der damals schon ein paar Jahre erwachsen war, hört sich das zunächst gar nicht so alt an. 1984, wieso, das war doch gerade erst neulich? Man rechnet nach und: tatsächlich schon 34 Jahre. Da sind Sitzpolster, Rednerpulte und Tische schon etwas mitgenommen, und in Sachen Tontechnik hat sich auch einiges getan. Sein eigenes Wohnzimmer hat man in den letzten 34 Jahren wahrscheinlich schon mehr als einmal umgebaut – sogar, wenn man wie die Schmidts seit einem halben Jahrhundert nicht umgezogen ist. Und was lernen wir daraus?

Manchmal merkt man erst, wie alt man ist, wenn plötzlich ein methusalemisches Jubiläum ansteht oder irgendetwas ausrangiert wird, das einen eine Ewigkeit lang treu begleitet hat. Beides kann einem mit HSV-Trainern nicht passieren. So gesehen, ist dieser Verein ein wahrer Jungbrunnen, für den man als Fan nur dankbar sein kann.