Norderstedt
Wahl

Bad Bramstedt wählt Verena Jeske zur Bürgermeisterin

Besonders herzlich umarmte Verena Jeske den neuen Heider Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat, der vor wenigen Wochen mit demselben Coach die Wahl gewonnen hatte.

Besonders herzlich umarmte Verena Jeske den neuen Heider Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat, der vor wenigen Wochen mit demselben Coach die Wahl gewonnen hatte.

Foto: Wolfgang Klietz

Die 39-Jährige setzt sich mit 3449 zu 2499 Stimmen gegen Amtsinhaber Hans-Jürgen Kütbach durch. Am 1. Februar 2019 ist Amtsübergabe

Bad Bramstedt.  Die Bramstedter haben überraschend deutlich entschieden: Verena Jeske löst Hans-Jürgen Kütbach im Amt des Bürgermeisters ab. Die 39-Jährige errang in der Stichwahl 57,99 Prozent der Stimmen und ließ damit den Amtsinhaber deutlich hinter sich. Der 58-Jährige konnte nur 42,01 Prozent für sich verbuchen und wird das Amt am 1. Februar 2019 an seine Nachfolgerin übergeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,8 Prozent.

„Ich freue mich darauf, Bramstedterin zu werden!“, rief Verena Jeske den Bürgerinnen und Bürgern zu, die sich am Sonntagabend im Rathaus drängten, um vor Ort die Wahlergebnisse zu erfahren. Dort wurde sie mit großem Applaus begrüßt.

Der erste, der gratuliert hatte, war Kütbach gewesen. Er hatte bereits zehn Minuten zuvor Verena Jeske per Facebook zu ihrem Sieg beglückwünscht. Zwar waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle zwölf Wahlbezirke ausgezählt, doch die Niederlage hatte sich bereits abgezeichnet, als die ersten Auszählungen auf dem Monitor im Rathaus erschienen.

Der erste Wahlkreis, der ausgezählt worden war, zeigte bereits deutlich, wie klar der Vorsprung der Herausforderin werden würde. Die erste Schnellmeldung aus dem Wahlkreis 12 lag bei 58,07 Prozent für Jeske und bei 41,93 für Kütbach, der sichtbar geschockt reagierte. Danach ging es in allen Wahlkreisen mit vergleichbaren Ergebnissen weiter. Nach dem achten Wahlkreis rief jemand in den Raum: „Jetzt hilft nur noch ein Wunder!“ Doch kein einziger Wahlkreis fiel an Amtsinhaber Kütbach.

„Ich bin enttäuscht, aber nicht verzweifelt.“ Mit diesen Worten reagierte der Bürgermeister auf die Niederlage. Er versprach, seine Nachfolgerin einzuarbeiten und kündigte an, die Siegerin zu unterstützen. Seine berufliche Zukunft ließ Kütbach offen. Er könne wieder in seinen Beruf als Rechtsanwalt und Notar zurückkehren, deutete aber auch andere Optionen an.

Das Wahlergebnis bewertete Kütbach als Wunsch der Bramstedter, für ein klares Ergebnis zu sorgen. Die Deutlichkeit habe ihn jedoch überrascht. Die Gründe für seine Niederlage wolle er jetzt analysieren. Beim ersten Wahlgang am 23. September hatte Jeske mit nur 47 Stimmen vor Kütbach gelegen. Der dritte Kandidat, Serhat Yilmaz, war mit knapp vier Prozent ausgeschieden. Er kündigte am Wahlabend an, in die FDP einzutreten – Kütbachs Partei.

Thies Thiessen hatteVerena Jeske beraten

Jetzt stehe ihm das arbeitsreichste Quartal seiner fast 18-jährigen Amtszeit bevor, sagte der Bürgermeister. In Bad Bramstedt stünden wichtige Entscheidungen an, die er mit voller Kraft angehen werde.

Verena Jeske hatte den Tag mit ihrer Familie verbracht und betrat sichtlich gelöst das Rathaus. Als einen der ersten Besucher begrüßte sie den neuen Bürgermeister von Heide, Oliver Schmidt-Gutzat (SPD), der am 30. September gewählt worden war und ebenfalls einen langjährigen Amtsinhaber abgelöst hatte. Die von den Sozialdemokraten unterstützte parteilose Jeske und er hatten sich von dem Meldorfer Ex-Bürgermeister Thies Thiessen beraten lassen, der sich in Schleswig-Holstein den Ruf des Bürgermeister-Machers erarbeitet hat und ebenfalls in Bad Bramstedt zu Gast war. Von 34 Kampagnen, die er unterstützt habe, hätten 26 zum Sieg geführt, sagte er am Wahlabend. In allen Fällen habe er Kandidaten unterstützt, die der SPD angehörten oder von der Partei aufgestellt wurden.

„Sie ist sehr empathisch, dynamisch und entscheidungsstark“, sagte Thiessen über Verena Jeske, die ihren Coach mit einer herzlichen Umarmung begrüßte. „Sie wird Bad Bramstedt sehr gut tun“, fügte er hinzu.

Sein Beitrag an den Erfolgen liege jedoch nur bei zehn Prozent, sagte Thiessen. Weitere zehn Prozent lägen beim Ortsverein, ohne dessen Unterstützung kein Kandidat auskomme. „80 Prozent liegen beim Kandidaten“, sagte Thiessen.

Jeske kündigte an, gemeinsam mit ihrer Familie demnächst von Seevetal nach Bad Bramstedt umzuziehen. Mehrfach hatte sie betont, dass die Familie für den Fall eines Wahlsieges diese Entscheidung gemeinsam getroffen habe. Ihr Mann Thilo arbeitet als selbstständiger Unternehmer, Jeske ist als Regierungsamtsrätin beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie beschäftigt.