Norderstedt
Norderstedt

Landesregierung will Kita-Gebühren deckeln

Foto: dpa Picture-Alliance / Jan-Philipp Strobel / picture alliance / dpa

Mittelfristig sollen die Elternbeiträge ganz wegfallen. Die Qualität der Betreuung soll steigen. Norderstedt sieht sich gut aufgestellt.

Norderstedt.  Die Spanne der Kitagebühren in Schleswig-Holstein ist enorm. Sie reicht von unter 200 Euro für einen Ganztagsplatz im Monat bis zu mehr als 800 Euro. Schon zwischen den Nachbarn Norderstedt und Tangstedt offenbart sich eine enorme Differenz: Norderstedter Eltern zahlen 230 Euro, Väter und Mütter in Tangstedt 551 Euro (neun Stunden).

„Die Elternbeiträge wie die gesamte Kita-Finanzierung ist komplett intransparent“, sagt Katja Rathje-Hoffmann, Norderstedter CDU-Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion in Kiel. Und: In Schleswig-Holstein zahlen die Väter und Mütter laut Landesregierung mit durchschnittlich neun Prozent ihres Einkommens die höchsten Kita-Beiträge in Deutschland. Rathje-Hoffmann ist momentan besonders gefordert, sie arbeitet in vorderster Reihe an der Kita-Reform der Landesregierung mit.

Einheitliche Gebühren sollen von August 2020 an gelten

Die soll Anfang 2020 in Kraft treten. Ein Ziel ist, die Gebühren zu deckeln und zu vereinheitlichen, der landeseinheitliche Elternbeitrag soll von August 2020 an gelten. Genaue Zahlen gebe es noch nicht, aber: „Mein Wunsch wäre ein Betrag zwischen 200 und 250 Euro für einen Ganztagsplatz pro Monat“, sagt die Politikerin. Genaue Zahlen sollen Ende des Jahres vorliegen. Basis für die Berechnungen ist eine sogenannte Referenz-Kita mit allen vom Land gesetzten Personal- und Ausstattungsstandards sowie pädagogischen und administrativen Vorgaben.

Die wegbrechenden Einnahmen der Städte und Gemeinden will das Land durch Zuschüsse ausgleichen, denn die Kommunen sollen, so lautet ein weiteres Ziel der Reform, entlastet werden. Dafür will das Land bis 2022 zusätzlich 135 Millionen Euro bereitstellen. Mittelfristig sollen die Elternbeiträge ganz wegfallen. „Eine kostenlose Kita-Betreuung werden wir in dieser Wahlperiode nicht mehr einführen können, aber für die Zeit nach 2022 ist das eine durchaus realistische Perspektive“, sagt die Norderstedter Abgeordnete.

Mit weiteren 136 Millionen Euro sollen die geringeren Gebühren ausgeglichen werden, 210 Millionen Euro sind für eine bessere Qualität geplant. So sollen künftig nicht mehr nur 1,5 Erzieherinnen und sozialpädagogische Assistentinnen eine Gruppe mit 20 bis 22 Kindern betreuen, sondern zwei – ein Standard, der in Norderstedt schon eingeführt ist. Auch die Gebühren bewegen sich in dem von der Landesregierung angepeilten Bereich. Außerdem sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fünf Stunden Vor- und Nachbereitungszeit pro Woche bekommen. Kita-Leitungen wird mehr Zeit für Verwaltungstätigkeiten eingeräumt.

„Momentan lässt sich die geplante Kita-Reform noch schwer beurteilen, weil noch verlässliche Zahlen fehlen“, sagt Norderstedts Sozialdezernentin Anette Reinders, die die Stadt bei der Kita-Versorgung aber gut aufgestellt sieht. Die Gebühren seien im Landesvergleich niedrig, die Stadt statte die Träger finanziell so aus, dass sie auch Angebote über den normalen Kita-Alltag hinaus machen könnte. Die Dezernentin erwartet, dass der Haushalt durch die Kita-Reform entlastet wird. „Wofür wir das Geld dann einsetzen, wenn es denn tatsächlich kommt, werden wir dann entscheiden.“

Weiteres Ziel der Reform ist die freie Elternwahl. „Wenn jemand aus Nahe in Norderstedt arbeitet, kann es Sinn machen, das Kind dort betreuen zu lassen“, sagt Rathje-Hoffmann. Bisher musste eine externe Betreuung genehmigt werden. Allerdings sollen Kinder aus dem Wohnort Vorrang haben vor Kindern aus der Umgebung. „Dann wäre es schön und aus unserer Sicht nur konsequent, wenn Hamburg in die neuen Regelungen einbezogen würde, da Norderstedter dort arbeiten“, sagt Reinders. Für die Schulen gebe es schon ein solches Abkommen.

Weiter sieht die Reform vor, dass künftig alle Kitas ihre Plätze in eine einzige große Landes-Kita-Datenbank einstellen. Eltern melden sich dort ebenfalls zentral an, geben an, was für einen Betreuungsplatz sie für ihr Kind benötigen und wo und in welcher Einrichtung sie es am liebsten betreuen lassen würden. „Zwar gibt es auch jetzt schon das landesweite Kita-Portal, aber nur auf freiwilliger Basis. Deswegen ist es leider unvollständig“, sagt Rathje-Hofmann.

Kreise sollen das Geldaus Kiel weiterverteilen

Schließlich sollen die Kreise das Geld aus Kiel weiterverteilen an die Kommunen, die es bisher direkt bekommen. „Schon heute ist der Kreis zentraler Akteur für die Kindertagesbetreuung in der Region. Das Kreisjugendamt unterstützt die Kita-Träger, die Gemeinden und Eltern aktiv“, sagt Segebergs Landrat Jan Peter Schröder, der die Reform grundsätzlich begrüßt. Aber: Für das Gelingen sei das Engagement der Gemeinden für ihre Kitas vor Ort unerlässlich. Dieser Einsatz dürfe bei der landesweiten Kita-Reform keinesfalls unter die Räder geraten. Die Reform müsse zu Vereinfachungen führen, das könne auch Aufgabenverschiebungen beinhalten.