Norderstedt
Personalnot

Norderstedt kämpft gegen Mangel an Pflegekräften

Elf Vietnamesen haben ihren Vorbereitungskurs zur Ausbildung als Altenpfleger am Institut für berufliche Aus- und Fortbildung beendet

Elf Vietnamesen haben ihren Vorbereitungskurs zur Ausbildung als Altenpfleger am Institut für berufliche Aus- und Fortbildung beendet

Foto: Annabell Behrmann

Vietnamenesen beginnen im Oktober ihre Ausbildung zum Altenpfleger. 200 Stunden wurden sie vorbereitet. Fachkraftmangel entgegenwirken.

Norderstedt.  Etwas holprig liest Gabriele Lengefeldt ihre handgeschriebene Begrüßung von einem Zettel ab. „Herzlich Willkommen. Wir freuen uns, dass ihr den Vorbereitungskursus beendet habt“, sagt die Schulleiterin des Instituts für berufliche Aus- und Fortbildung (IBAF) – wohlgemerkt auf Vietnamesisch. Eine Sprache, die sie eigentlich nicht spricht.

Vor Lengefeldt sitzen elf Schüler aus Südostasien. Als ihre kurze Rede endet, applaudieren sie. Die Vietnamesen kreuzen als Dank ihren Daumen mit dem Zeigefinger und strecken ihn Lengefeldt entgegen. So sieht in ihrem Heimatland das Zeichen für „Liebe“ aus.

In Vietnam finden viele Pflegekräfte keinen Job

Nach rund 200 Stunden haben die jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren ihren Vorbereitungskursus erfolgreich abgeschlossen und eine Urkunde erhalten. Damit dürfen sie ab Oktober eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. „Wir wollen dem Pflegefachkraftmangel begegnen“, sagt Katrin Zehl, Prokuristin der Pflegediakonie. Dabei sei es ihr besonders wichtig gewesen, fair aus dem Ausland zu rekrutieren. „Wir wollen keine Kräfte aus anderen europäischen Ländern holen, die dasselbe Problem haben wie wir.“

Denn: Deutschland leidet wie viele andere Nationen unter einem Mangel an Pflegekräften. Im Gegensatz zu Vietnam. Dort finden viele Menschen keinen Job. „Deswegen ist es eine Win-win-Situation für beide Seiten“, sagt Zehl. Während der Vorbereitung auf die Ausbildung lernten die Schüler die deutsche Kultur kennen – Geschichte, Werte und Religion. Mit erfahrenen Kollegen haben sie bereits pflegebedürftige Menschen besucht. Katrin Zehl: „Es sind sehr offene, herzliche Menschen. Ich würde sie alle adoptieren.“

Angehende Pflegekräfte wohnen in Pinneberg

Die Pflegediakonie und das IBAF arbeiten für das Projekt mit dem vietnamesischen Ausbildungsinstitut Lia zusammen. „Wir haben in Vietnam eine andere Kultur als in Deutschland. Ältere Menschen werden bei uns immer noch zu Hause gepflegt“, sagt Thi Van Anh Ohsieck, Managerin bei Lia.

Sie lebt selbst seit 13 Jahren in Deutschland, hat hier Maschinenbau studiert. „Die Vietnamesen haben keine Berührungsängste und sind sehr familienbezogen. Der Beruf passt einfach gut zu ihnen.“

Die angehenden elf Pflegekräfte aus Asien wohnen gemeinsam in Pinneberg, verteilt auf drei Wohnungen. Wenn sie Heimweh haben – und das kommt natürlich vor – singen sie ein Kinderlied aus ihrer Heimat über ihre Großeltern und klatschen dazu. Sogar bei der Urkundenvergabe unter der Anleitung von Gabriele Lengefeldt. „Aber ab Oktober beginnt der Ernst des Lebens“, sagt sie.