Norderstedt
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Party feiern und Energie sparen

Das Dachgeschoss wird gedämmt – eine Maßnahme, um den Energieverlust zu mindern und Geld zu sparen

Das Dachgeschoss wird gedämmt – eine Maßnahme, um den Energieverlust zu mindern und Geld zu sparen

Foto: dpa Picture-Alliance / Kai Remmers / picture alliance / dpa Themendie

Die Verbraucherzentrale geht neue Wege, damit mehr Menschen Fassaden dämmen und Heizungen erneuern. Die Idee: eine Energiesparparty.

Norderstedt.  Tupperpartys, Dessouspartys, Avonpartys – erfolgreiche Verkaufsmodelle, die die Energieberater der Verbraucherzentrale nun auch einsetzen wollen, um das Klima vor dem schädlichen CO2 zu schützen. „Lust zu feiern? Laden Sie Ihre Nachbarn zu einer Energiesparparty ein“ steht auf dem Flyer, mit dem die Klimaschützer die Norderstedter dazu bringen wollen, ihre Häuser und Wohnungen vor Wärmeverlust zu schützen und Strom zu sparen. „Da gibt es noch jede Menge Luft nach oben“, sagt Carina Vogel, bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zuständig für die Energieberatung, die es seit 40 Jahren gibt – Anlass für sie, in Norderstedt Bilanz zu ziehen.

Mit im Boot war die Klimaschutzkoordinatorin der Stadt, Birgit Farnsteiner. Die Stadt hat 2009 ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. „Auch aus unserer Sicht gibt es Nachholbedarf.“ Ein Drittel der Häuser in Norderstedt sei vor der Ölkrise 1973 gebaut worden. „Da lassen sich mit relativ wenig finanziellem Aufwand mehr als 70 Prozent Heizenergie sparen“, sagt Farnsteiner.

Rund 80.000 Euro an Zuschüssen vergibt die Stadt jedes Jahr für die energetische Sanierung, für dieses Jahr sei noch Geld im Fördertopf. Seit dem Start hätten 230 Hausbesitzer die städtische Förderung in Anspruch genommen, nicht gerade viele bei rund 40.000 Haushalten in der Stadt. Deswegen appelliert die Klimaschutzkoordinatorin an die Norderstedter, die Energiebilanz ihrer Immobilie zu optimieren. „Es ist schwierig, die Menschen für eine energetische Sanierung zu gewinnen“, sagen Farnsteiner und Sascha Beetz, Energieberater der Verbraucherzentrale. Dach und Fassade dämmen, Heizung erneuern oder optimieren, alte Fenster ersetzen – das Thema sei komplex, viele wüssten nicht, was für ihr Haus sinnvoll sei und schreckten vor den Kosten zurück.

Die Tipps der Experten gibt es zu günstigen Preisen

Beim Weg durch den Dschungel von Maßnahmen und Förderprogrammen hilft die Verbraucherberatung in Norderstedt. Und das zu extrem günstigen Konditionen. Die Tipps der unabhängigen Experten kosten zwischen 7,50 und 40 Euro, je nach Aufwand. Für den Höchstbetrag überprüft der Energieberater beispielsweise an zwei aufeinanderfolgenden Tagen das gesamte Heizsystem oder nimmt die Solaranlage für die Wärmeerzeugung unter die Lupe. „Nur rund ein Zehntel der Beratungskosten entfallen auf diejenigen, die unsere Experten in Anspruch nehmen. Den Rest finanziert das Bundeswirtschaftsministerium“, sagt Carina Vogel.

Ihr Fazit nach 40 Jahren Energieberatung fällt positiv aus. So hätten im vorigen Jahr 101 Menschen in der Norderstedter Beratungsstelle, eine von 20 in Schleswig-Holstein, Rat gesucht und rund 2,9 Millionen Kilowattstunden Energie eingespart. „Das entspricht der Energiemenge von Steinkohle in einem 70 Meter langen Güterzug ohne Lokomotive“, sagt Energieberater Beetz. Die Zahlen haben Wirtschaftsprüfer des renommierten Unternehmens PricewaterhouseCoopers ermittelt, die die Effizienz der Energieberatung bundesweit analysiert hatten. Carina Vogel und Sascha Beetz haben die Zahlen auf Norderstedt runtergebrochen und herausgefunden, dass die Norderstedter durch energetische Sanierung 1081 Tonnen CO2 vermieden haben.

Statt der Tupperberaterin kommt der Energieberater

„Da ein Deutscher rein statistisch zehn Tonnen CO2 pro Jahr produziert, haben sich die Ratsuchenden quasi klimaneutral gestellt“, sagt Beetz – eine wichtige Erkenntnis, hat sich Norderstedt doch zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. „Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die Energieberatung der Verbraucherzentrale eine tolle Ergänzung zu unseren städtischen Klimaschutz-Aktivitäten ist, einen sehr wichtigen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz in den Haushalten und damit zur Erreichung unserer langfristigen Klimaziele leistet“, sagte Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder.

Mit den Energiesparpartys will die Verbraucherzentrale nun weitere Norderstedter dazu animieren, ihre Häuser energetisch zu verbessern. Statt der Avon- oder Tupperberaterin kommt dann der Energieberater ins Haus, führt Gastgeber und Gäste durch die Räume, weist auf Schwachstellen hin und erklärt anschließend in gemütlicher Runde, was sinnvoll ist. „Und das muss nicht immer teuer sein“, sagt Carina Vogel. So ließen sich leicht 10.000 Euro sparen, wenn der unabhängige Fachmann Angebote überprüft oder überflüssige Maßnahmen entdeckt. Gastgeber bekommen ein Geschenk der Verbraucherzentrale: einen Kurzbericht mit den Ergebnissen des Checks und individuellen Tipps. Weitere Informationen geben die Experten beim Aktionstag der Verbraucherzentrale am 29. November. Darüber wird die Einrichtung noch detailliert informieren.

Energieberatung der Verbraucherzentrale, Anmeldung und weitere Informationen unter 0800/809 80 24 00 oder unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de im Internet. Wer wenig Einkommen hat und das nachweist, kann die Beratung kostenlos nutzen.