Norderstedt
NZ-Regional

Kommse mal mit, junge Frau

Was mir in letzter Zeit immer öfter auffällt: Männer nennen mich „junge Frau“. Neulich im Baumarkt zum Beispiel, als ich mich am Informationsschalter nach Ringschrauben erkundige, antwortet der muskulöse Mittdreißiger hinter dem Counter: „Also, junge Frau, da gehen Sie den Hauptgang runter und dann den dritten Gang links, da finden Sie Ihre Ringschrauben.“ „Danke.“

Der Typ nennt mich nicht „meine Dame“, das tut nur der freundliche Herr, bei dem ich auf dem Markt immer meine Oliven und die leckeren Cremes kaufe. Der Baumarkt-Mitarbeiter sagt auch nicht „große Frau“ – das wäre, zumindest äußerlich gesehen, passend. Nein, er flötet „junge Frau.“

Wie soll ich das verstehen? Immerhin neigt sich mein sechstes Lebensjahrzehnt bedenklich dem Ende zu. Und außerdem: Wenn ich meinerseits einen Mann als „jungen Mann“ titulieren würde, käme ich mir vor wie eine alte Schachtel. Das tue ich deswegen auch nicht. Aber „junge Frau“ – da schwingt aus dem Mund eines Mannes irgendwie immer gleich Inkompetenz, Unerfahrenheit mit, so wie „jung verheiratet“.

Oder soll es etwa tröstlich sein? (Du siehst gar nicht so alt aus, wie du wahrscheinlich bist.) Oder ironisch? (In deinem Alter sollte man sich aber wirklich beiger kleiden.) Das nächste Mal werde ich einfach fragen, was das soll. Wahrscheinlich bekomme ich dann zur Antwort: „Ach, Muttchen, nun regen Sie sich mal nicht so auf, das ist schlecht für den Blutdruck, in Ihrem Alter.“