Norderstedt
Krankheit

Das Usutu-Virus hat Norderstedt erreicht

Ralf Meincke zeigt die Reste der toten Amsel, die er in seinem Garten gefunden hat

Ralf Meincke zeigt die Reste der toten Amsel, die er in seinem Garten gefunden hat

Foto: Michael Schick

Viele Bürger haben schon tote Amseln gemeldet. Der Naturschutzbund rät, die toten Tiere nicht mit bloßen Händen anzufassen. Die Details.

Norderstedt.  Völlig unversehrt lag die Amsel auf dem Rasen und gab kein Lebenszeichen mehr von sich. „Wenn da eine Katze zugeschlagen hätte, wäre der Vogel zerfleddert“, sagt Ralf Meincke, der das tote Tier auf seinem Grundstück am Alten Heidberg in Norderstedt gefunden hat. Der Norderstedter vermutet, dass der Singvogel Opfer des Virus geworden ist, das jetzt auch Norderstedt erreicht hat. Auch bei den Spaziergängen mit seinen Hunden hat Meincke tote und unverletzte Amseln gesehen.

„Bei uns haben sich schon 70 Bürger gemeldet, die ebenfalls tote Amseln gefunden haben“, sagt Horst Bollmann vom Naturschutzbund (Nabu) in Norderstedt. Vor etwa drei Wochen habe das Usutu-Virus offenbar Norderstedt erreicht – der ursprünglich aus Afrika stammende Erreger wird durch Stechmücken übertragen und hat zu einem Massensterben von Amseln geführt. Bundesweit, so der Nabu, seien bisher 9000 Verdachtsfälle gemeldet worden. Ursache für das starke Auftreten von Usutu-Infektionen sei aber wohl nicht eine große Zahl an Stechmücken, denn die seien wegen der lang anhaltenden Dürre im Norden eher in kleinen Mengen aufgetreten, teilt der für die Norderstedter Nabu-Gruppe zuständige Landesverband Hamburg auf seiner Homepage mit. Das lasse vermuten, dass die für die Virenvermehrung innerhalb der Mücken wichtige Wärme ausschlaggebend war. „Hinzu kommt, dass die Vögel geschwächt sind, weil sie wegen des Insektensterbens nicht ausreichend Nahrung finden“, sagt Bollmann.

Kranke oder tote Vögel mit Usutu-Verdacht melden

Wer tote Amseln findet, sollte sie nicht mit bloßen Händen anfassen, sondern in einer Plastiktüte in den Hausmüll schmeißen oder an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg schicken.

Zudem ruft der Nabu dazu auf, kranke oder tote Vögel mit Usutu-Verdacht zu melden (www.nabu.de/usutu-melden) und die Info durch digitale Bilder des Tieres zu ergänzen. Die Vogelschützer stellen die Daten Wissen-schaftlern zur Verfügung.