Norderstedt
Vereinsleben

Frischer Wind für den SV Henstedt-Ulzburg

Das Bündnis „Frischer Wind für den SVHU" wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Von links: Rolf Laskowski, Henning Jungclaus, Wiebke Dauer, Timo Scholle und Bernd-Dieter Stoffer

Das Bündnis „Frischer Wind für den SVHU" wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Von links: Rolf Laskowski, Henning Jungclaus, Wiebke Dauer, Timo Scholle und Bernd-Dieter Stoffer

Foto: Jürgen Brumshagen

Auf einer turbulenten Versammlung werden fünf neue Mitglieder für den Aufsichtsrat des Vereins gewählt. Aufgeheizte Stimmung vor Ort.

Henstedt-Ulzburg.  Wiebke Dauer, Henning Jungclaus, Rolf Laskowski, Timo Scholle und Bernd-Dieter Stoffer, sind bei der Delegiertenversammlung des SV Henstedt-Ulzburg in den Aufsichtsrat des fünftgrößten Sportvereins Schleswig-Holsteins gewählt worden. Die Aufgabe dieses Gremiums besteht laut Vereinssatzung darin, den Vorstand in seiner Geschäftsführung und in der Wahrnehmung der Vereinsaufgaben zu überwachen.

Den turbulenten Abend im Bürgerhaus an der Beckersbergstraße dürften die 96 anwesenden stimmberechtigten Vereinsmitglieder so schnell nicht vergessen. Die mit Spannung erwartete Versammlung begann mit einem formalen Fehler, verlief phasenweise auf dem Niveau eines Karnevalsclubs, war garniert mit Äußerungen, die bisweilen unter die Gürtellinie gingen – und endete so, wie es sich das Bündnis „Frischer Wind für den SVHU“ erhofft hatte.

Geschürt wurde die eh schon aufgeheizte Stimmung ausgerechnet von Versammlungsleiter Michael Meschede. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende ließ jegliche Souveränität vermissen und brachte die Delegierten mit seiner herablassenden Art von der ersten Minute an gegen sich auf.

Viele Flops des erfahrenen Kommunalpolitikers

Flop Nummer eins leistete sich der erfahrene Kommunalpolitiker, der für die CDU in der Gemeindvertretung sitzt, gleich zu Beginn. Er wollte über eine Änderung der – in zwei unterschiedlichen Versionen vorliegenden – Tagesordnung abstimmen lassen, ohne zuvor die Beschlussfähigkeit der Versammlung festgestellt zu haben. Dass der hauptamtliche Vereinsvorstand Carsten Schittkowski bei der Delegiertenversammlung aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte, teilte Meschede den Anwesenden erst nach einer Stunde mit.

Er beschimpfte seinen zurückgetretenen Aufsichtsratskollegen Michael Büll, zitierte aus einer vertraulichen E-Mail, warf Politik sowie Gemeinde mangelnde Unterstützung des SVHU vor – und brachte so Kurt Göttsch von der WHU auf Zinne.

„Diese Aussage eines Gemeindevertreters ist inhaltlich nicht zu akzeptieren“, so Göttsch, „wir haben beispielsweise gerade erst den Übungsleiterzuschuss von 2,50 auf 3 Euro angehoben und beschlossen, dass diese Pauschale jetzt auch im Herren- und Seniorenbereich gezahlt wird. Das kostet die Gemeinde jährlich 90. 000 Euro.“

Kompletter Aufsichtsrat tritt zurück

Als Michael Meschede dann erklärte dass der Aufsichtsrat des
SV Henstedt-Ulzburg komplett zurücktreten würde, machte sich im großen Bürgersaal Erleichterung breit. In der ursprünglichen Konstellation hätte es für die fünf freien Plätze im Gremium sieben Bewerber gegeben – somit wäre eine Kampfabstimmung um die vakanten Posten erforderlich geworden.

Die fünf neuen Aufsichtsräte, die vom Versammlungsleiter übrigens nicht gefragt wurden, ob sie die Wahl annehmen wollen, wissen genau, was sie erwartet: viel Arbeit. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einen genauen Überblick verschaffen, analysieren, was aktuell im Verein abläuft“, sagt Bernd- Dieter Stoffer. Erst dann lasse sich die Wende zum Besseren – auf finanzieller, atmosphärischer und kommunikativer Ebene – einleiten. Doch es könnte sich als problematisch erweisen, an die erforderlichen Informationen zu gelangen. Carsten Schittkowski, der bei der Vorstandsarbeit aktuell von Kurt Wagner ehrenamtlich unterstützt wird, ist krankgeschrieben. Und in solchen Phasen fehlt beim SV Henstedt-Ulzburg – dafür gibt es in der Vergangenheit viele Beispiele – ein Ansprechpartner.

Wer will einen ehrenamtlichen Vorstandsposten übernehmen?

„Ich hätte mir einen geordneten Übergang gewünscht“, sagt Timo Scholle. Zwar gehören Tina Kantor und Christof Kunitzsch formal noch zwei Monate lang zum Aufsichtsrat und werden auch zu allen künftigen Sitzungen eingeladen. „Sie haben aber erklärt, dass sie mit uns nicht zusammenarbeiten wollen.“

Die wohl wichtigste Aufgabe des Quintetts ist, bis zur nächsten Delegiertenversammlung am 6. November Vereinsmitglieder zu finden, die über die entsprechende Qualifikation für einen ehrenamtlichen Vorstandsposten verfügen und im Führungsgremium mitarbeiten wollen.

Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand des SV Henstedt-Ulzburg besteht mindestens aus dem
1. und 2. Vorsitzenden, der Aufsichtsrat kann aber bis zu vier weitere Personen seiner Wahl installieren. „Wir haben immer betont, dass wir die Verantwortung für unseren Verein auf mehrere Schultern verteilen wollen“, sagt Henning Jungclaus, „und das muss und auch gelingen. Denn sonst können wird den Laden bald dichtmachen.“