Norderstedt
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Neue Plakataktion „Cool, danke“ in der Kritik

„Das Kleingedruckte kann man nur mit der Lupe lesen!": Peter Holle, CDU-Fraktionschef, mit einem der Plakate an der Rathausallee

„Das Kleingedruckte kann man nur mit der Lupe lesen!": Peter Holle, CDU-Fraktionschef, mit einem der Plakate an der Rathausallee

Foto: Andreas Burgmayer

CDU kritisiert die Plakataktion für mehr Rücksichtnahme im Verkehrs als reine Steuerverschwendung. Ansatz aus Fahrradforum.

Norderstedt.  So wie Peter Holle, dem Fraktionschef der CDU in Norderstedt, ging es am Wochenende wohl vielen Auto- und Radfahrern im Stadtgebiet. Überall entlang der Straße standen plötzlich diese Schilder mit dem grünen Schriftzug „Cool Danke“ auf orangem Hintergrund. „Was soll einem diese Botschaft nun sagen?“, fragte sich Holle. „Vielleicht handelt es sich um ein Dankeschön der Stadt für die vorbildliche Mülltrennung, eventuell wird ein Felix-Jaehn-Konzert beworben. Die Frage kann während der Autofahrt als Quiz fortgesetzt werden, denn es ist nicht gleich erkennbar, dass tatsächlich zwei Sätze zwischen den beiden Wörtern stehen.“

Wer also das Auto anhält und aussteigt oder vom Rad steigt und genau hinschaut, der liest: „Cool bleiben im Straßenverkehr. Norderstedt sagt Danke“ und begreift: Es geht um eine Kampagne der Stadt Norderstedt für mehr gegenseitige Rücksicht im Verkehr – nicht um Mülltrennung oder um Felix Jaehn. Holle zeigt sich fassungslos über die Aktion, in die Norderstedt an die 100.000 Euro an Steuergeld steckt: „Keiner kann die Plakate lesen und begreifen. Das ist ein 100.000-Euro-Sehtest. Wir müssen diesen Wahnsinn der Steuergeldverschwendung stoppen“, sagt der CDU-Chef. Wobei er selbstkritisch anmerkt, dass er ja selbst diese „Steuerverschwendung“ mitverursacht hat. Denn im Norderstedter Fahrradforum, das die Kampagne geplant und beschlossen hat, sitzt auch die CDU. „Ja, wir haben denen das Geld gegeben und gesagt: Macht mal. Jetzt haben sie gemacht.“

Plakate haben schnell für Aufmerksamkeit gesorgt

Und Holle und sein Fraktionskollege Patrick Pender würden die Plakate jetzt gerne wieder abhängen und die Aktion abwickeln. „Wir haben Vorhaben, die auch eine messbare und bleibende Verbesserung zur Sicherheit im Straßenverkehr bewirken würden. Dafür sollten wir das Geld der Bürger einsetzen und nicht für diese Aktionskunst“, sagt Pender.

Im Rathaus ist man über die Wortwahl „Steuerverschwendung“ nicht gerade erfreut, wohl aber über die offensichtliche Aufmerksamkeit, die die Plakataktion schon in den ersten Tagen erreicht hat. „Eine professionelle Werbeagentur hat uns für die Aktion beraten und uns vorgeschlagen, neue Wege zu gehen und ein ganz anderes Design zu verwenden als sonst bei städtischen Aktionen“, sagt der Verkehrsplaner des Rathauses, Mario Kröska. Die eingeschränkte Lesbarkeit der Plakate sei gewollt. Das „Cool Danke“ soll stutzig machen, Autofahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer sollen aufmerksam werden und über die angegebene Internet-Adresse cool-danke.de mehr über die Aktion in Erfahrung bringen.

Ansatz für Aktion entstand im Fahrradforum

„Dass das funktioniert, zeigen die Zahlen: Wir haben nach ein paar Tagen schon über 500 Aufrufe und 20 Einträge auf der Seite“, sagt Kröska. Der Ansatz für die Aktion entstand im Fahrradforum. „Es wurde angeregt, dass die Stadt auf die Probleme im Verkehr nicht immer nur mit Ordnungsamt und Bußgeld reagiert, sondern auch mit einer Kampagne versucht, mit den Bürgern ins Gespräch zukommen, quasi eine freundliche Verkehrserziehung versucht“, sagt Kröska. Die Plakataktion sei nur der Auftakt. Angelegt ist die Kampagne auf etwa eineinhalb Jahre. Aktions-Vertreter würden demnächst mit Infoständen bei größeren Veranstaltungen dabei sein, im Herold-Center oder auf den Wochenmärkten auftauchen. Der Bürger soll dort sagen, was er sich im Straßenverkehr der Stadt wünscht oder über wofür er „Cool, danke!“ sagen würde.

Auf cool-danke.de haben das etliche Norderstedter schon gemacht. „Radfahrer sollten nicht den Bürgersteig nutzen“, sagt Simone. „Wenn Kreuzungen dicht sind, bitte eine Gasse freilassen“, sagt Manfred. „Lächelt mal hinter dem Steuer! :)“, sagt Maike. „Leute, habt Geduld miteinander und lasst euch nicht so hetzen!“, sagt Diana.

„Wir wollen später auch das Gesicht der Kampagne küren, einen Bürger, der sich mit einer besondere Aktion im Verkehr hervor getan hat“, sagt Kröska. Alle Beiträge würden ausgewertet und flössen in die Norderstedter Verkehrsplanung ein. „Manchmal bekommen wir über solche Aktionen einen ganz neuen Blick auf Zusammenhänge“, sagt Kröska. Und das mit der Lesbarkeit der Plakate nimmt er gerne als Anregung auf. „Dann schreiben wir eben www.cool-danke.de etwas größer drauf. Hier finden die Bürger ja dann alle Infos.“