Norderstedt
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„Die zwingen uns ja, dagegen zu klagen“

Der Kunstrasenplatz im Moorbekpark: Die festen Spielzeiten nehmen viele Sportler nicht ernst - vor allem die Erwachsenen

Der Kunstrasenplatz im Moorbekpark: Die festen Spielzeiten nehmen viele Sportler nicht ernst - vor allem die Erwachsenen

Foto: Andreas Burgmayer

Anwohner im Moorbekpark beschweren sich über Freizeitlärm und wollen jetzt vor Gericht ziehen – weil die Stadt Norderstedt nicht helfe.

Norderstedt.  Es scheint so, als müsse der Konflikt zwischen Anwohnern des Moorbekparks und der Stadtverwaltung demnächst vor Gericht ausgetragen werden. „Wir warten jetzt noch auf Antworten der Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und aus der Politik. Aber wenn das dann alles nichts bringt, beschreiten wir den Klageweg. Die zwingen uns ja geradewegs dazu“, sagt einer der Anwohner – aus Angst vor Repressalien möchten er und seine Mitstreiter lieber anonym bleiben.

Die Norderstedter leben seit 2015 in einem neuen Mehrfamilienhaus am Buckhörner Moor, in direkter Nachbarschaft zur Heidberg-Grundschule und den davor liegenden Spielfeldern für Fuß- und Basketball sowie Beachvolleyball. Gespielt werden darf montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und sonn- und feiertags von 9 bis 13 und von 15 bis 20 Uhr. Feuer, Zigaretten, Hunde, Fahrräder, Alkohol und Musik sind verboten. „Im Interesse der Anlieger sind diese Zeiten strikt einzuhalten“, steht auf mehrsprachigen Schildern, die von der Stadtverwaltung an den Spielflächen angebracht wurden. Doch die Anwohner haben per Lärmprotokoll dokumentiert, dass sich daran viele nicht halten. Das Problem seien nicht die Schulkinder, sondern besonders Gruppen von Erwachsenen, die bis tief in die Abendstunden hinein spielen würden. Hinzu kämen feiernde Jugendliche, die teilweise bis in die frühen Morgenstunden Party machen.

FDP-Fraktion stellte eine Anfrage bei der Verwaltung

Nach einem Bericht über die Lärm-Probleme im Hamburger Abendblatt am 23. Juni hat sich laut der Betroffenen nicht viel verändert. „Aber es wird jetzt wieder früher dunkel. Deswegen hören die Gruppen früher auf zu spielen. Aber gerade am Wochenende ist es so extrem wie zuvor“, sagt der Anwohner. Die Norderstedter FDP-Fraktion hatte im Hauptausschuss in der Sache nachgehakt. Fraktionschef Tobias Mährlein wollte von der Stadt wissen, wie sie die Einhaltung der Benutzungszeiten auf den Sportanlagen gewährleisten und die Belästigungen von Anwohnern reduzieren wolle.

Schriftlich hat die Stadt nun die FDP-Anfrage beantwortet. Die Verwaltung spricht darin von „vereinzelten Beschwerden von Anwohnern“. Doch allein im Haus am Buckhörner Moor haben 25 Anwohner, die unter dem Lärm leiden, ihre Unterschrift auf eine Protest-Liste geschrieben. In der Nachbarschaft leben Bürger, die schon vor Jahren die Lärmprobleme im Moorbekpark in öffentlichen Internet-Blogs thematisierten – mit Beweisfotos und Lärm-Aufnahmen.

Anwohner klagt: „Keiner fühlt sich zuständig“

Die Stadt sagt, die Nutzungszeiten würden vom Schulhausmeister der Grundschule während der Arbeitszeiten kontrolliert, außerdem würde das Ordnungsamt in unregelmäßigen Abständen vorbeischauen. Je nach Beschwerdeaufkommen würden diese Besuche intensiviert – sofern das nötige Personal vorhanden ist. Die Stadt macht unmissverständlich klar, dass Freizeitlärm außerhalb der erlaubten Zeiten nicht als vordringliches Problem gesehen wird: „Der Fokus der Kontrollen des kommunalen Ordnungsdienstes liegt primär auf der Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit (Vermeidung von Vermüllung oder strafbaren Handlungen), jedoch nicht auf der Durchsetzung der Nutzungseinschränkungen, da bei Verstößen hiergegen die öffentliche Sicherheit nicht zwingend gefährdet ist.“

Bei den Anwohnern kommt diese Einschätzung nicht gut an. „Keiner fühlt sich zuständig. Die Polizei verweist auf das Ordnungsamt, und das Ordnungsamt kümmert sich nur um Vandalismus“, sagt der Anwohner. „Die müssten doch nur jemanden regelmäßig vorbeischicken, der die Leute, die gegen die Regeln verstoßen, vergrämt. Wenn das oft genug passiert, kommen die irgendwann nicht wieder.“ Er und seine Frau hätten das schon mal selbst versucht. „Wir haben eine Gruppe von Männern angesprochen, die Beachvolleyball bis tief in den Abend spielten und sehr laut waren. Die haben das dann eingesehen und kamen nicht wieder.“

Sind Erwachsene oder Kinder das Problem?

Die Alternative zur Ansprache und zum Verbotsschild sind hohe Zäune um die Spielflächen. Teilweise, etwa an der Grundschule Müllerstraße, gebe es bereits zwei Meter hohe Zäune und abschließbare Tore. Doch die Erfahrung zeige, so die Stadt, dass diese sogar von Eltern und ihren Kindern überklettert werden, um trotzdem zu spielen. Entsprechend müssten also Zäune mit Überkletterschutz verbaut und ein Schließdienst eingerichtet werden. Die Stadt hält das für unangemessen. Außerdem stehe das im Widerspruch zu bestehenden politischen Beschlüssen, die Schulsportplätze Kindern und Jugendlichen immer zur freien Verfügung zu stellen. Das Prallen des Balls gegen diese Zäune verursache außerdem zusätzlichen Lärm.

Ein Stück weit zeigt die Antwort der Stadt, dass Verwaltung und Bürger nach wie vor aneinander vorbeireden. Während die Stadt ihren Fokus auf Schulkinder und junge Sportler setzt, scheinen für die Anwohner eher die Erwachsenen das Problem zu sein, die parallel zum Ballspiel noch laut Musik hören, grillen und trinken. Der Anwohner: „Wir wollen, dass die von der Stadt aufgestellten Regeln im Park eingehalten werden. Und wir werden klagen, wenn das nicht klappt.“