Norderstedt
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FDP will Plastikhalme verbieten

Foto: Patrick Pleul / dpa

Einweggeschirr und -besteck sind schon verboten. In Henstedt-Ulzburg und Bad Bramstedt starten Initiativen. Händler sind sensibilisiert

Norderstedt. Christopher Herbst
Michael Schick

Trinkhalme aus Plastik sollen in Norderstedt von städtischen Veranstaltungen verbannt werden. Das fordert die örtliche FDP in einem Antrag für den Umweltausschuss am Mittwoch, 19. September. Das Verbot soll auch für Feste der Stadtwerke, des Arriba-Bads, der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt, der „TriBühne“ und des Kulturwerks gelten. „Bei der Grundsteinlegung für den Neubau der Stadtwerke sind gerade wieder Plastikhalme zum Einsatz gekommen“, sagt FDP-Fraktionschef Tobias Mährlein.

Der FDP-Vorstoß reiht sich ein in die Initiativen der großen Politik: Die EU-Kommission plant ein Verbot von Plastikgeschirr, ganz aktuell fordert Anton Hofreiter, Fraktionschef der Bundes-Grünen, eine Steuer auf Plastikprodukte. „Der massenhafte Anfall von Plastikmüll ist eines der globalen Umweltprobleme. Im Vorgriff auf eine EU-Regelung sollte die Norderstedter Verwaltung mit gutem Beispiel vorangehen und keine weiteren Plastik-Trinkhalme mehr einkaufen“, sagt FDP-Politiker Gerhard Nothhaft, der auch Vorsitzender des Umweltausschusses ist.

Doch was auf der großen politischen Bühne gefordert wird, ist in Norderstedt längst Realität: „Speisen und Getränke müssen in wiederverwendbaren Behältnissen ausgegeben werden“, sagt Hauke Borchardt, Sprecher der Stadtverwaltung. Dazu würden die Veranstalter verpflichtet, egal, ob es sich um städtische oder externe Organisatoren handelt. Für die Bratwurst oder den Crêpe ist der Pappteller in Ordnung. Ob Glas oder Hartplastik für die Getränke, das ist dem jeweiligen Veranstalter überlassen. Aber: „Das Pfand muss mindestens zwei Euro betragen.“

Im Norderstedter Stadtpark ist der Kampf gegen Plastikmüll elementar, um die Natur zu schützen. „Trinkgefäße sind bei unseren Veranstaltungen ausschließlich Mehrweg“, sagt Geschäftsführer Kai Jörg Evers. Gerne würde man noch mehr machen. „Wir arbeiten momentan an einer Lösung mit Coffee-to-go-Bechern.“ Der Umweltausschuss hatte sich schon vor mehr als zwei Jahren mit der Frage beschäftigt, wie sich die Wegwerfbecher, die sich zu riesigen Müllhaufen türmen, durch umweltfreundliche Mehrweggefäße ersetzen lassen. Michael Andresen, Mehrwegprofi aus der Region, der in Bad Segeberg „cup & more“ betreibt und Mehrwegbecher für Feste quer durch die Republik verleiht, hat sein Modell den Norderstedter Politikern präsentiert. Doch zurzeit ruht die Initiative, da die Händler zunehmend von sich aus Mehrwegbecher einsetzen.

Was in Norderstedt selbstverständlich ist, soll nun auch in Henstedt-Ulzburg Wirklichkeit werden. Die WHU fordert ein Verbot für Einweg-Plastikgeschirr für alle Veranstaltungen in der Großgemeinde. „Wenn wir das nicht hinbekommen, wird es schwer für künftige Klimaziele“, sagt Gemeindevertreterin Verena Grützbach. Vorerst wurde das Thema aber an den Hauptausschuss verwiesen – das Ordnungsamt wird den Politikern demnächst die Praxis der Nachbarkommunen vorstellen.

Doch schon jetzt gibt es Vorgaben. „Getränke und Speisen dürfen nur in wiederverwendbaren Behältnissen ausgegeben werden“, besagt die Satzung über die Benutzung des Rathauses und der Schulen. Im Bürgerhaus und im Naturbad Beckersberg mit dem Kiosk regelt ein Pachtvertrag die Praxis. „Grundsätzlich ist der WHU-Antrag lobenswert. Aber gewisse Dinge wie ein pauschales Verbot für Plastikgeschirr müssen die EU oder der Bund regeln“, sagt Bürgermeister Stefan Bauer.

Dem Verein Henstedt-Ulzburg bewegt, der die meisten großen Veranstaltungen wie das Drachen- und das Oktoberfest, den XXL-Flohmarkt oder das Kino im Bürgerpark organisiert, kommt eine Schlüsselfunktion zu. Vorsitzender Maurice Bornhorst: „Die Wurst gibt’s auf Pappe. Und alles an Gläsern und Hartplastik ist mit Pfand. Auch der Maßkrug beim Oktoberfest.“

In Bad Bramstedt beginnt die Diskussion um ein Plastik-Verbot. Die Grünen haben einen Antrag für den Tourismus-Ausschuss gestellt, dass auf Veranstaltungen kein Einweggeschirr mehr benutzt werden darf. „Wir werden uns ab jetzt mehr mit dem Thema beschäftigen und haben eine erhöhte Sensibilität dafür bei den Bürgern festgestellt“, sagt Karsten Peters, Sprecher des Bürger- und Verkehrsvereins in Bad Bramstedt. „Wir legen je nach Veranstaltung fest, welche Art von Geschirr verwendet werden darf“, sagt Maike Wölffel von der Stadtverwaltung in Kaltenkirchen. Es könne aus Sicherheitsgründen erforderlich sein, Plastikgeschirr und -becher statt Glas und Porzellan zu verwenden.

Büroartikel bieten enormes Potenzial für den Klimaschutz

„Bei den Büroartikeln gibt es enormes Potenzial für umweltfreundliche Produkte“, sagt Heiko Birnbaum, Klimaschutzbeauftragter des Kreises Segeberg, der sich gerade mit dem „nachwachsenden Büro“ beschäftigt. Die PET-Kunststoffflaschen mit Limonade oder Säften sollen aus den Schulen verbannt und durch Wasserspender ersetzt werden – das sei nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Gesundheit.

Und wie sieht es mit dem Verzicht auf Plastik im Handel aus? „Wir widmen uns schon seit Langem der Vermeidung von Plastik“, sagt Kerstin Fähndrich vom Initiativkreis Ulzburger Straße. Die 51 Geschäftsleute, die sich dem Verbund angeschlossen haben, hätten in den vergangenen Jahren rund 20.000 umweltfreundliche Stoffbeutel an die Kunden verteilt. Die Beutel seien beliebt und viele Jahre im Einsatz. In vielen Geschäften würden die Waren ganz selbstverständlich in Papier verpackt. Beim autofreien Fest auf der Ulzburger Straße am 23. September mit rund 30.000 Gästen komme nur Mehrweggeschirr oder essbares Geschirr zum Einsatz. Stoffbeutel haben auch die Geschäftsleute in Norderstedt-Mitte an die Kunden ausgegeben, Mehrwegtaschen die Händler am Schmuggelstieg.

Kunden können zwischen Öko-Beutel und Papiertüte wählen

In den drei Norderstedter Edeka-Märkten von Hayunga können die Kunden wählen, ob sie Obst und Gemüse in Papier- oder grüne Öko-Kunststofftüten packen. „Wir wollen unseren Kunden nicht vorschreiben, wie sie ihre Waren transportieren“, sagt Jan Hayunga. Zudem sei die Ökobilanz der Papiertüten nicht besser als die der Ökobeutel. Die Beutel könnten mehrfach verwendet werden und reißen nicht, wenn das Obst feucht ist. „Am besten ist es, wenn die Kunden Mehrwegtaschen oder Körbe benutzen“, sagt der Kaufmann.

In Plastik verpackt werden Wurst, Fleisch und Käse an der Frischetheke. Vor Jahrzehnten hatten die Umweltschützer Tupperschale und Co propagiert, doch das ist heute aus hygienischen Gründen verboten. Wird die eigene Schale über den Tresen gereicht, könnte die Verkäuferin eventuelle Keime in der Frischetheke verteilen und über die Ware an andere weitergeben. Wegen der strengen Hygienevorschriften undenkbar, sagt Hayunga. Zurzeit würden Alternativen erprobt wie wiederverwendbare Gefäße, die der Einkaufsmarkt stellt und säubert. Diese Modelle seien jedoch noch nicht ausgereift.