Norderstedt
Sicherheit

Einbrüche: Segebergs trauriger Negativrekord

Ein "Einbrecher" blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe (gestellte Szene)

Ein "Einbrecher" blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe (gestellte Szene)

Foto: Daniel Maurer / dpa

In der Kreisstadt ist die Zahl der Fälle explodiert. Henstedt-Ulzburg zählt zu den sichersten Kommunen in der Region.

Kreis Segeberg.  Gegensätzlicher könnte die Situation im Kreis Segeberg kaum sein: Bad Segeberg hat sich zur Hochburg der Einbrecher entwickelt, Henstedt-Ulzburg zählt zu den sichersten Städten und Gemeinden in Schleswig-Holstein. Das ergibt sich aus aktuellen Zahlen des Landeskriminalamtes, das die Entwicklung der Einbruchskriminalität in den letzten fünf Jahren ausgewertet hat. Danach hat die Zahl der Einbrüche in Bad Segeberg von 2016 auf 2017 von 18 auf 43 zugenommen, eine Steigerung von 139 Prozent – Spitzenwert im Norden.

Bürgermeister Dieter Schönfeld kann sich das nicht erklären: „Ich bekomme von unserem neuen Polizeichef, der vorher in Lübeck war, immer zu hören, wie sicher es bei uns ist.“ Auch die Polizei kann keine Ursachen für die Explosion in der Einbruchstatistik nennen: „Es kann sein, dass Banden gerade im betreffenden Jahr besonders aktiv in der Kreisstadt waren“, sagt Dirk Scheele, Sprecher der Polizeidirektion Segeberg/Pinneberg.

Tatsächlich relativiert sich der Ausreißer nach oben, denn: Zum einen steht Bad Segeberg im Vergleich zu den großen und anderen Mittelstädten im Norden noch ganz gut da. Zum anderen verrät der Blick auf die letzten fünf Jahre, dass 2016 ein Erfolgsjahr im Kampf gegen Einbrecher war: 2014 sind Diebe laut LKA-Statistik 45-mal in Häuser und Wohnungen eingestiegen, 2015 gab es 49 Einbrüche.

Eine Zunahme meldet das LKA auch für Bad Bramstedt: Hier stieg die Einbruchszahl von 35 im Jahr 2016 auf 36 im Folgejahr, ein Zunahme von drei Prozent. „Die aktuellen Zahlen zeigen bei allem gesunden Misstrauen gegenüber Statistiken, dass weitere Anstrengungen bei der Verhinderung solcher schweren Straftaten erforderlich sind“, sagt Bad Bramstedts Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Die Landespolizei stelle sich erfreulicherweise personell besser auf, auch der Umzug der Polizeistation in moderne Räume am Bleeck sei zu begrüßen.

Aufmerksamkeit der Bürger wichtig

Eine lückenlose Überwachung der Stadt sei weder machbar noch erstrebenswert. Umso wichtiger sei daher die Prävention und die Aufmerksamkeit der Bürger. Mit der Polizei sei bereits ein Neustart des Kriminalpräventiven Rats abgestimmt. In diesem Netzwerk könnten sich Stadt, Polizei und weitere Organisationen regelmäßig über die Verhinderung von Straftaten austauschen. „2012 sind wir privat selbst Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden, nicht nur deshalb kann ich gut nachvollziehen, wie schlecht sich Betroffene nach so einem Eingriff in das Privatleben fühlen“, sagt der Bürgermeister. Er rate allen, sich bei den örtlichen Handwerkern und dem Fachhandel über den technischen Schutz vor Einbrechern zu informieren.

Insgesamt ist die Zahl der Einbrüche im Kreis Segeberg aber deutlich gesunken, von 779 hat sie sich auf 460 fast halbiert – die Sonderkommission („Soko“) Wohnung hat erfolgreich gearbeitet. Die Polizeidirektion Segeberg/Pinneberg hatte die „Soko“ im Herbst 2017 gegründet, um gezielt Einbrecher zu schnappen und die hohe Einbruchskriminalität in den beiden Landkreisen zu senken. Pinneberg (950 Fälle) und Segeberg (779) verzeichneten vor zwei Jahren die höchsten Einbruchszahlen im Norden.

Die Erfolge spiegeln sich auch in den Zahlen der Städte und Gemeinden wider. So zählt Henstedt-Ulzburg zu den sichersten Kommunen im Norden. Meldeten Betroffene 2016 noch 67 Einbrüche, waren es ein Jahr später nur noch 19. Mit sieben Delikten pro 10.000 Einwohner belegt die Gemeinde Platz vier in der schleswig-holsteinischen Sicherheitstabelle.

Zahl der Einbrüche in Norderstedt halbiert

„Wir informieren in Präventionsveranstaltungen, sensibilisieren die Menschen adressatengerecht über den Seniorenbeirat und Facebook“, sagt Bürgermeister Stefan Bauer. Der ehemalige Polizist, der in unterschiedlichen Bereich gewirkt und Führungsaufgaben wahrgenommen hat, appelliert an die Henstedt-Ulzburger, die Augen in der Nachbarschaft offenzuhalten: „Das ist der stärkste Einbruchsschutz.“ Die Polizei in Henstedt-Ulzburg sei mit stärkerer Präsenz unterwegs – alles Faktoren, die dazu beitragen, dass „wir in unserer Gemeinde insgesamt sehr sicher leben können“.

Mehr als halbiert hat sich die Zahl der Einbrüche von 2016 auf 2017 auch in Kaltenkirchen (von 90 auf 40) und Norderstedt (von 315 auf 132). Den Erfolg erklärten Kripo-Chef Volker Willer und Revierleiter Thomas Weißenberg mit einer Doppelstrategie, als sie die Kriminalstatistik im Frühjahr präsentierten: intensive Ermittlung und verstärkte Präsenz, auch durch die „Soko“ Wohnung. Eine wesentliche Maßnahme im Kampf gegen Einbrecher waren und sind die verstärkten Verkehrskontrollen.