Norderstedt
Bad Segeberg

Eine Probefahrt auf zwei Rädern – ohne Führerschein

Polizeibeamte stoppten den Mann bei einer Probefahrt

Polizeibeamte stoppten den Mann bei einer Probefahrt

Foto: Frank May / picture alliance / dpa /Frank May

Familienvater konnte nicht abwarten, auf zwei Rädern unterwegs zu sein – sein Pech: Die Polizei kontrollierte ihn bei der Probefahrt.

Bad Segeberg.  Selten war ein Rechtsbruch so eindeutig. „Was soll ich groß dazu sagen“, stellte der Angeklagte im Amtsgericht Bad Segeberg eine eher rhetorische Frage. Es stimme alles, was die Staatsanwaltschaft sage, räumte der 34-Jährige kleinlaut ein. Vorgeworfen wurde ihm das vorsätzliche Fahren ohne Fahrerlaubnis, wie es in der sehr speziellen Juristensprache heißt. Auf Deutsch: Da ist jemand gefahren, ohne es zu dürfen. In diesem Fall mit einem Motorrad.

Auf zwei Rädern unterwegs zu sein – das war schon immer der Traum des angeklagten Familienvaters. Laut Statistik haben sich diesen Traum bundesweit viereinhalb Millionen Motorradfahrer erfüllt, davon rollen 150.000 durch Schleswig-Holstein. Für den Vater einer kleinen Tochter schien der eigene „Bock“ nur ein Herzenswunsch zu bleiben, bis ihm ein guter Bekannter eine gebrauchte Maschine anbot. „Fürn Appel und n’ Ei“, so umschrieb der Mann das „einmalig günstige“ Angebot. Selig unterschrieb der gelernte Schlosser den Kaufvertrag. Was ihm jetzt noch am mobilen Glück fehlte, war der entsprechende Führerschein. Deshalb hatte er sich damals schon wegen der Termine mit einem Fahrlehrer in Verbindung gesetzt, berichtete er.

Mehrere Wochen stand die begehrte Maschine im Schuppen – ungenutzt. Jeden Tag schlich der Mann um seine Neuerwerbung herum. Bis zum Motorrad-Führerschein, dass wusste er, war es noch ein langer Weg. „Es juckte mir in den Fingern“, erinnerte sich der Mann. Im Oktober 2017 hielt der Angeklagte das Warten nicht mehr aus. Er stieg auf die Maschine und bretterte los.

Das Ziel war eine Sandkuhle in Bornhöved. Sein Glücksgefühl, endlich unterwegs zu sein, währte aber nur kurz. Pech, dass ausgerechnet in diesem Augenblick die Polizei vorbeikam und die Probefahrt des Mannes interessiert beobachtete. Bald interessierten sich die Beamten auch für die Fahrzeugpapiere – es folgte ein Geständnis.

Der Verteidiger bat wegen geringer Schuld seines Mandanten um Einstellung des Verfahrens – bei Zahlung einer Geldstrafe. Amtsrichter Schmücker stimmte zu: In Sachen der normalerweise umstrittenen Führerscheindelikte sei dies ein atypischer Fall, meinte er. Deshalb kam der Angeklagte mit einer Geldstrafe von 300 Euro davon. Noch ärgerlicher für den Angeklagten war allerdings, dass er damals die Maschine nach dem Vorfall den ganzen Heimweg schieben musste...