Norderstedt
Kaltenkirchen

Nostalgie auf zwei und drei Rädern im Kreis Segeberg

216 Veteranen-Motorräder knatterten am Sonnabend und Sonntag bei der 33. „Windmill-Motorrad-Rally“ durch die Lande

Kaltenkirchen.  „Es war sehr heiß, aber die Teilnehmer haben das gut überstanden und sind alle heil im Ziel angekommen“, sagte Heinz Kindler bei der Siegerehrung am Sonntag auf der Festwiese in Kaltenkirchen. Der Kfz-Ingenieur und Gutachter aus Schmalfeld hatte als Gesamtleiter der zehnten Internationalen Zwei-Tage-Veteranenfahrt Norddeutschland und der 33. „Internationalen Windmill-Motorrad- Rally“ (Ausrichter: VfV/ADAC und MSC Kaltenkirchen) alles im Griff.

216 Veteranen-Motorräder (bis Baujahr 1945) aus Polen, Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Schweiz, Nordirland, England, Tschechien, den Niederlanden und Deutschland knatterten am Sonnabend und Sonntag durch die Lande.

Die Pioniere der Landstraße, meistens stilgerecht angezogen, mussten sich streng an das Reglement halten: Sie durften nicht zu schnell fahren, sie mussten möglichst genau den von ihnen vor dem Start selbst gewählten Schnitt von 24, 30 oder 36 Kilometern pro Stunde einhalten. Wer schneller war oder zu langsam fuhr, kassierte Strafpunkte.

Der „Lumpensammler“ (Pannenhelfer) hatte auch nicht viel zu tun, denn viele Fahrer reparierten ihre Schäden selber – bis auf einen niederländischen Fahrer, dessen Motorrad wegen eines Vergaserschadens am Fährhaus „Kanal 33“ am Nord-Ostsee-Kanal kurz Feuer fing.

Mehr Glück hatten die Brüder An-dreas und Karsten Deuse aus Oranienburg. Bei einem ihrer Räder, Marke Württembergia (Baujahr 1928), riss der Kupplungs-Bowdenzug. Zum Glück hatten sie einen zweiten Bowdenzug mitgenommen. Bei der zweiten Zeitkontrolle in Schmalfeld stoppten sie und reparierten den Schaden selber. Von der Württembergia gibt es in Deutschland derzeit nur noch 61 registrierte Maschinen. Diese Zahl bestätigte Rüdiger Bollmann aus Wernigerode im Harz, der genau Buch über diese Maschinen führt.

Für die Deuses und alle anderen Teilnehmer ging es weiter – am Sonnabend über Hohenlockstedt, Hohenhorn am Nord-Ostsee-Kanal und Wilster zurück nach Kaltenkirchen (164 Kilometer), am Sonntag über Struvenhütten, Schloss Tremsbüttel und Itzstedt zum Ziel vor dem Rathaus Kaltenkirchen (134 Kilometer).

Die meisten Fahrer sind mittlerweile älter als 65 Jahre. Es fehlt der Nachwuchs bei diesen touristischen Touren. Die Ausnahme: Aus Mainz waren junge Motorradfans, alle Mitte 20, angereist: Florian Löchelt, Maximilian Sans und Marc Hirschbiegel (alle Zündapp) sowie Christopher Lapsit aus Wiesbaden (DKW KS200) vom Verein der Zwei-takt-Freunde Mainz. „Der Veteranen-Fahrzeugverband unterstützt uns finanziell“, freute sich Löchelt. „Er hat uns in seine Jugendförderung aufgenommen. Das Interesse, der Spaß und die Leidenschaft für Zweitakt-Motoren verbindet uns.“ Martin Schenker aus Hamburg ist Vorsitzender des Vereins.

Löchelts Zündapp stand viele Jahre in einem Keller. Der ehemaliger Eigner hatte die Maschine dort versteckt, nachdem er sich kurz vor Kriegsbeginn 1939 geweigert hatte, das Motorrad an die Wehrmacht abzugeben. 65 Jahre später war der Zweitakter immer noch topfit.

Blitzblank und makellos waren auch die ältesten Motorrad-Veteranen. Streckensprecher Egon Müller, Deutschlands einziger Speedway-Weltmeister und viermaliger Weltmeister, stellte vor dem Start auf der Festwiese mit großem Fachwissen jeden einzelnen Teilnehmer vor. Die ältesten Zweitakter wurden am meisten bestaunt: das Peugeot-Krad von Mathias Welle aus Neunkirchen-Seelscheid, die Maschine von Uwe Goedereis aus Löhne und die Achilles von Horst Klett aus Geretsried (alle Baujahr 1904) hatten die meisten Jahre auf dem Buckel.

Nicht ganz so alt waren die Veteranen-Motorräder aus dem Ausland. Diederik Nossent aus Lochem nimmt seit 1994 teil. Auch dieses Mal war der Motorrad-Fan mit seiner Royal Enfield (Baujahr 1921) dabei. Im Seitenwagen saßen Ehefrau Andrea und die neunjährige Hundedame Luna und hatten zwei Tage lang ihre Freude.