Norderstedt
Kreis Segeberg

Wenig Resonanz auf die Waffenamnestie

Ob Pistolen, Gewehre oder Messer – wie viele illegale Waffen in den Schränken der Schleswig-Holsteiner lagern, kann keiner genau beziffern

Ob Pistolen, Gewehre oder Messer – wie viele illegale Waffen in den Schränken der Schleswig-Holsteiner lagern, kann keiner genau beziffern

Foto: Friso Gentsch / dpa

Die straffreie Abgabe illegaler Gewehre und Pistolen war ein Jahr lang möglich – nur vier Bürger im Kreis Segeberg rüsteten ab.

Kreis Segeberg.  Ein Jahr lang konnten Schleswig-Holsteiner ganz straffrei abrüsten, falls sie im Besitz einer Waffe, aber nicht der dafür erforderlichen Waffenbesitzkarte waren. Zwischen Juli 2017 und Juli 2018 währte die Amnestie der Waffenbehörden, die Bürger ohne Strafe davonkommen ließ, die ihre illegalen Waffen freiwillig abgeben wollten. Doch im Kreis Segeberg nutzte das Angebot kaum ein Waffenbesitzer: Lediglich vier illegale Waffen wurden im genannten Zeitraum bei der Kreisverwaltung in Bad Segeberg abgegeben, zwei Lang- und zwei Kurzwaffen. Hinzu kamen fünf Waffen, die Bürger legal besaßen und trotzdem abgeben wollten.

Landesweit kamen 258 illegale Waffen ans Licht

In anderen Kreisen des Landes haben sich deutlich mehr Waffenbesitzer von Gewehren, Pistolen und anderen Waffen getrennt. Insgesamt wurden 1854 Lang- und Kurzwaffen abgegeben, davon waren 258 in illegalem Besitz. Jedoch: Bei der letzten vergleichbaren Waffenamnestie im Jahr 2009 waren insgesamt noch 6460 legale und illegale Waffen abgegeben worden.

Innenminister Hans-Joachim Grote zog in Kiel trotzdem eine positive Bilanz: „Jede abgegebene Waffe ist ein Erfolg. Insbesondere im zweiten Halbjahr stiegen die Abgabezahlen noch einmal an. Ende Dezember waren erst 679 Lang- und Kurzwaffen abgegeben worden.“ Das Problem mit den illegalen Waffen: Keiner weiß, wie viele davon in den Schränken der Schleswig-Holsteiner lagern. Ganz zu schweigen vom Dunkelfeld in der kriminellen Szene. Zu den Bürgern, die ihre Waffe brav bei der Behörde abgaben, zählten mutmaßlich in kaum einem Fall genau jene Verbrecher, die der Staat und die Gesellschaft entwaffnet sehen wollen. Grote betonte, dass eine Waffenamnestie das Problem nur in einem Teilbereich lösen könne. „Es wird weiterhin ein großes Dunkelfeld geben. Denn die kriminelle Szene wird ihre Waffen auch anlässlich einer Amnestie nicht freiwillig abgeben. Da hilft nur die Aufrechterhaltung des hohen Fahndungsdruckes durch die Polizei.“

Dass immer weniger illegale Waffen abgegeben werden, wertet Grote als Erfolg: „Wer ohne eigenes Verschulden beispielsweise aus Erbschaften illegale Waffen in seinem Besitz hatte, der hat sie mittlerweile abgegeben. Genau dafür gibt es ja diese Amnestien. Die Nachweispflicht über die ordnungsgemäße Aufbewahrung und drohende Kontrollen durch die Ordnungsbehörden tun ihr übriges und wirken“, so der Innenminister.

„Im Kreis Segeberg können wir bei den insgesamt neun abgegebenen Waffen nicht gerade von einem spektakulären Ergebnis reden“, sagt Christiane Schröder, Leiterin des Ordnungsamtes in der Kreisverwaltung. Es handelte sich hauptsächlich um alte und kaum mehr funktionsfähige Erbstücke. „Aber es meldeten sich auch Waffenbesitzer, die ihre legale Waffe einfach ordentlich entsorgt wissen wollten.“ Selbstredend ist es verboten, Waffen einfach in den Müll zu werfen. Vielmehr können sich Waffenbesitzer dazu vertrauensvoll an einen Waffenhändler oder die Waffenbehörde des Kreises wenden. „Wir übergeben diese Waffen dann dem Landeskriminalamt. Dort werden sie sachgerecht zerstört“, sagt Schröder.

Mit der Entsorgung der legalen Waffen habe die Waffenbehörde jedes Jahr am meisten zu tun. „Wir entsorgen jährlich zwischen 250 und 300 Waffen – die tauchen gar nicht in der Statistik zur Amnestie auf.“ Nach dem Ende der Amnestie droht Besitzern illegaler Waffen nun wieder die Bestrafung. Wer Schusswaffen, Messer, Wurfsterne und Ähnliches ohne Waffenbesitzkarte führt, dem drohen Bußgelder oder Freiheitsstrafen zwischen einem und fünf Jahren, wenn er erwischt wird. Wer Waffen erbt oder findet, muss diese sofort der Behörde anzeigen, sonst macht er sich des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig.

Bürger rüsten mit Kleinem Waffenschein auf

Doch in den Waffenbehörden sorgen illegale Waffen für weniger Sorgen als etwa die zur Selbstverteidigung eingesetzten Pfeffersprays und Elektroschocker, die bei den Bürgern im Kreis Segeberg immer gebräuchlicher werden. Für das Führen solcher Waffen muss man beim Kreis Segeberg den sogenannten Kleinen Waffenschein beantragen. Die Zahl der Anträge ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. „Allein im ersten Halbjahr 2018 haben wir jetzt schon 368 Anträge vorliegen“, sagt Christiane Schröder. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenem Jahr waren es 385 Anträge. 2015 waren es gerade 128 Anträge. „Und wenn man weiter zurückschaut, dann hatten wir höchstens 30 bis 40 Anträge im Jahr.“