Norderstedt
Flughafen Hamburg

Parkplatz für Fluggäste: Airport kooperiert mit Norderstedt

Reisende, die am Hamburger Flughafen in die Ferien starten, können ihr Auto in Norderstedt abstellen

Reisende, die am Hamburger Flughafen in die Ferien starten, können ihr Auto in Norderstedt abstellen

Foto: Andreas Burgmayer

Stadt und Flughafen schließen Drei-Jahres-Vertrag für mehr als 1800 Parkplätze im Nordport. Eine Million Euro für Fluglärmschutz.

Norderstedt.  Schon seit Jahren beginnt für Tausende von Urlaubern aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem benachbarten Ausland die Flugreise ab Hamburg in Norderstedt – beim Abstellen des Fahrzeugs auf einem der Saisonparkplätze, die von der Stadt an den Hamburger Flughafen vermietet werden. Doch mit dem jetzt zwischen Norderstedt und der Flughafenbetreibergesellschaft geschlossenen Drei-Jahres-Vertrag nimmt die Vermietung der Parkflächen neue Dimensionen an. Im vergangenen Jahr konnten auf Grundstücken der Stadt offiziell etwa 400 bis 500 Fahrzeuge von Fluggästen geparkt werden. Die Pacht, die der Flughafen Hamburg an die Stadt Norderstedt überwies, lag bei 100.000 Euro jährlich. Mit dem nun neu ausgebauten Saisonparkplatz an der Spelterstraße im Gewerbegebiet Nordport (neben Casio) wird die Kapazität mehr als verdoppelt. An der Spelterstraße können mindestens 800 Autos von Urlaubern geparkt werden. „Wenn man sie ganz eng parkt, können wir hier auch das doppelte an Fahrzeugen unterbringen“, sagt Flughafen-Sprecherin Janet Niemeyer. Bis zu 1600 Auto sind also möglich. Hinzu kommen bis zu 200 Stellplätze auf dem Saisonparkplatz am Südportal, neben dem Nordport Plaza Hotel. Die Pachteinnahmen der Stadt erhöhen sich deutlich auf insgesamt 500.000 Euro in den kommenden drei Jahren.

68.000 Passagiere fliegen an Spitzentage ab

Den Vertrag mit dem Flughafen hat die Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo) mit der Flughafen Hamburg GmbH geschlossen, die Laufzeit endet am 31. Mai 2021 – sofern die EgNo die Flächen in der Zwischenzeit nicht verkauft und Investoren neue Ansiedlungen auf den Gewerbegrundstücken planen. „Um unsere Spitzen abzudecken, sind wir dringend auf die Saisonparkplatze angewiesen“, sagt Janet Niemeyer. Außer in Norderstedt gebe es im Umfeld des Flughafens keine Möglichkeit, weiteren Parkraum anzumieten. „Wir nutzen schon jeden Zentimeter am Flughafen, um Parkplätze zu schaffen.“ Die Parkflächen in Norderstedt werden wohl die meiste Zeit im Jahr leer stehen. „Das ist der saure Apfel, in den wir beißen“, sagt Niemeyer. Der Flughafen muss die Parkflächen herrichten und ganzjährig betreiben, benötigt sie aber nur zu den Stoßzeiten im Sommer und im Herbst. „Dann haben wir Tage, an denen bis zu 68.000 Fluggäste an einem Tag abfliegen. Die kommen nach einer oder zwei Wochen zurück und fahren alle wieder weg.“

Das Vermieten von ungenutzten Gewerbeflächen als Parkplatz sorgte lange Jahre für willkommene Pachteinnahmen bei der städtischen EgNo. Bis sich 2016 eine politische Diskussion um die Vermietung entwickelte. Reimer Rathje von der aus dem Widerstand gegen den Fluglärm entstandenen Wählerinitiative Wir in Norderstedt (WiN) kritisierte, dass die Stadt Geschäfte mit dem Flughafen auf dem Rücken der vom Fluglärm geplagten Bürger in Garstedt mache. Daraus resultierte die Wiederbelebung des achten freiwilligen Lärmschutzprogramms von Flughafen und Stadt, bei dem von 2007 bis 2010 bereits über eine halbe Million Euro in Schallschutzmaßnahmen im Bereich Norderstedt investiert worden sind. In das Programm 8+ flossen seit 2016 die Einnahmen der Stadt Norderstedt aus der Parkplatzvermietung – und der Flughafen legte die gleiche Summe jährlich dazu. Und genau das haben die Vertragspartner nun wieder vor. Die 500.000 Euro der Stadt fließen drei Jahre lang in den Lärmschutz, 500.000 Euro schießt der Hamburger Flughafen dazu. Wer es noch nicht getan hat und im Geltungsbereich des Programms wohnt, kann sich von dem Geld passiven Schallschutz in seine Immobilie einbauen lassen. Dazu zählen zum Beispiel Schallschutzfenster und Lüfter. Die Stadt Norderstedt und der Hamburg Airport tragen je drei Siebtel der Kosten, das letzte Siebtel bezahlt der Eigentümer. Im August wollen Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Flughafengeschäftsführer Michael Eggenschwiler neue Details des Programms besprechen.

Fluglärm-Opfer wollen Ruhe

„Was weder Frau Roeder noch Herr Eggenschwiler begreifen: Wir brauchen keinen Lärmschutz“, sagt Reimer Rathje. „Ein kleines Kind im Sommer bei 30 Grad um 19 Uhr ins Bett legen, bei geschlossenem Fenster? Das ist unzumutbar!“ Erneut kritisiert Rathje die ungerechte Verteilung der Starts und Landungen des Hamburger Flughafens. „Wir haben 100 Prozent der Starts über Norderstedt, von 6 bis 7 Uhr morgens im Minutentakt. Wir brauchen eine gerechte Verteilung über beide Startbahnen und mehr Lärmpausen.“

Rathje sieht durch die Vermietung der Parkplätze die Bemühungen der Fluglärm-Gegner in Schleswig-Holstein und Hamburg unterwandert. „Wir bemühen uns wie nichts Gutes um mehr Ruhe. Dieser Deal mit dem Flughafen ist da wie ein Stich mit dem Messer ins Herz der Garstedter“, sagt Rathje.