Schröters Wochenschau

Zurück zu den elementaren Grundmechanismen

Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Die Räume werden gnadenlos zugestellt, unmotivierte Flankenwechsel sorgen für Verwirrung bei Freund und Feind.

Das Tempo ist nie so, wie es sein sollte. Kritik wird ignoriert, oder, schlimmer noch, aggressiv beantwortet. Manchmal möchte man ins Getöse rufen: „Leute, es ist nur Spaß an gesunder Bewegung. Kommt runter von der Palme. Die Welt geht nicht unter, wenn mal andere voranfahren.“

Analog zum WM-Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft haben Polizei und Verwaltung Norderstedts die erste Schwerpunktwoche zum Thema Radverkehr eingeleitet. Da sich die Beschwerden über Ruppigkeiten zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern häufen, muss die Polizei allen Beteiligten unbedingt wieder die elementaren Grundmechanismen einschleifen und kann dabei sehr anschaulich von den Erkenntnissen unseres Bundestrainers aus dem – aus deutscher Sicht – leider doch ziemlich missratenen WM-Turnier lernen. Ein Radler, der auf der falschen Seite unterwegs ist, wird von allen anderen so leicht übersehen wie der Ersatzverteidiger Marvin Plattenhardt im WM-Spiel gegen Mexiko. Wer nach dem Einparken die Wagentür öffnet, ohne zuvor in den Rückspiegel zu schauen, provoziert bei Radfahrern Nasentrümmerbrüche á la Sebastian Rudy. Und bei Geschwindigkeitsübertretungen helfen keine Ausreden – der Videobeweis lässt ein paar Tage auf sich warten, aber er kommt, ganz sicher. Manchmal findet man kaum Räume, und es geht enger zu als im Spiel gegen Südkorea. Zum Beispiel am Schmuggelstieg oder andernorts, wo sich Radler, Automobilisten und Fußgänger schmale Korridore teilen müssen. In der „Mixed Zone“ ist „Fairplay“ unerlässlich, soll es irgendwie vorangehen. Und das wollen wir doch. Auf den Straßen und bei der nächsten Weltmeisterschaft.

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