Norderstedt
Schwerer Verdacht

Vier tote Rotmilane – starben die Vögel an einer Vergiftung?

Ein Rotmilan überlebte. Im Wildpark Eekholt wird versucht, das Tier aufzupäppeln

Ein Rotmilan überlebte. Im Wildpark Eekholt wird versucht, das Tier aufzupäppeln

Foto: dpa Picture-Alliance / M. Delpho / picture alliance / blickwinkel/M

Die Greifvögel sind streng geschützt. Naturschützer sehen Zusammenhang mit Windkraftprojekt bei Daldorf.

Kreis Segeberg.  Für Vogelschützer gibt es nichts Schlimmeres. In einem Forstgebiet bei Daldorf sind zwei tote Rotmilane entdeckt worden, ein dritter Jungvogel starb auf dem Weg in eine Tierklinik, ein Elterntier wurde verendet auf einer Wiese gefunden, weitere werden vermisst. Noch steht nicht fest, was mit den streng geschützten Greifvögeln passiert ist – die Symptome weisen aber auf eine Vergiftung hin.

Betroffen ist die 150 Hektar große Blunkerbach-Niederung. Dort findet ein Vogelerfassungsprojekt statt. Nils Kuhnert, Lars Lorenzen und Matthias Krause haben binnen eines Jahres knapp 2000 Beobachtungen in eine Datenbank (www.ornitho.de) eingepflegt. Anlass war, dass das Gebiet als Windkraftvorranggebiet für bis zu vier Anlagen deklariert worden war, es aber keine Daten gab über das Vogelaufkommen.

Heute weiß man: Es leben dort über 90 Arten. Darunter der streng geschützte Rotmilan. Die Naturschützer hatten die zwei Horststandorte geheim gehalten – dennoch wurden die Daten an die Landesplanung übermittelt. Der Grund: Ein Schutzradius von 1,5 Kilometern, der im Umkreis eines Horstes eingehalten werden muss.

„Die Bekanntgabe der sensiblen Daten stellte sich als dramatischer Wendepunkt heraus“, schreiben die Naturschützer. Sie sagen: „Die Indizien sprechen für eine gezielte oder zumindest in Kauf genommene Vergiftung.“ So etwa die Tatsache, dass im Schlund erwürgte Futterreste gefunden wurden, dass die Fänge verkrampft waren und die Jungvögel gut genährt schienen. Ein Jungvogel überlebte. Im Wildpark Eekholt wird versucht, das Tier aufzupäppeln.

Die Polizei ermittelt vorerst gegen Unbekannt

Aus Sicht von Lorenzen, Kuhnert und Krause gibt es mehrere Akteure, die einen „Konflikt mit der Anwesenheit der Vögel“ hätten: „Investoren und Begünstigte“ der Windkraftindustrie, Jäger oder Geflügelzüchter. Sie haben Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei in Bad Segeberg gestellt, dazu lobten sie 1000 Euro Belohnung aus. Wer im Zeitraum vom 18. bis 20. Juni etwas Verdächtiges gesehen hat, solle sich unter Telefon 04551/8840 melden.

Der Bundesverband für Windenergie (BWE) sagt, dass beim Bau von Windparks strenge Schutzvorgaben gelten. Eine Vertreibung von Tieren würde für die Bedeutung eines Horstes nichts ändern, es hätte also keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren. Die Belohnung für Hinweise hat der BWE auf 2000 Euro erhöht.