Norderstedt
Leuchtturmprojekt

Altersarmut: Kirche baut für bedürftige Rentner

Foto: Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

Aktion der Norderstedter Emmaus-Gemeinde gegen Altersarmut – Symbol ist der rote Katenstein.

Norderstedt.  Das Beispiel von Karin A. steht stellvertretend für etwa 20 Prozent der älteren Menschen in der Metropolregion Hamburg. Sie ist 74 Jahre alt. Sie lebt allein. Sie hat bis zu ihrem 65. Geburtstag hart gearbeitet. Ihr Mann ist schon lange tot. Ihre drei Kinder leben weit entfernt. Ihre Rente ist gering und reicht nicht für die Miete. Aber andere Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt sind sogar noch teurer. Eine ausweglose Situation?

In Norderstedt spitzt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu. Geringverdiener und alte Menschen mit kleinen Renten zählen zu den Verlierern. Und die demographische Entwicklung prognostiziert ein zunehmendes Potenzial dieser Risikogruppe. Wer heute ein Bruttoeinkommen von etwa 3000 Euro monatlich erhält, hat später eine Rente von weniger als 1200 Euro monatlich zu erwarten. Oder mit anderen Worten: Armut.

„Und manche Menschen verdienen ja auch deutlich unter 3000 Euro Brutto im Monat“, sagt Gunnar Urbach. Der Norderstedter Pastor ist der Spendensammler für den Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein und unterstützt derzeit mit voller Kraft ein in Schleswig-Holstein bislang einzigartiges „Leuchtturmprojekt“ gegen Altersarmut: Auf einem freien Stück Land auf dem Grundstück der Emmaus-Kirchengemeinde Norderstedt wird in Nachbarschaft zur Paul-Gerhardt-Kirche ein Gebäude mit vier sogenannten Katenwohnungen entstehen. Ebenerdig und jeweils 29 Qua­dratmeter groß, eineinhalb Zimmer, inklusive Schlafbereich, Kochnische und Bad. Die Warmmiete soll zwischen 278 und 290 Euro liegen – dauerhaft. Einziehen sollen ausschließlich bedürftige Rentner wie Karin A.

Initiator der Idee in der Paul-Gerhardt-Kirche ist Rolf Beyer vom Kirchengemeinderat. „Wir denken bei dem Projekt auch an die vielen Aufstocker – also Rentner, die zur Rente noch Wohngeld beziehen, um über die Runden zu kommen“, sagt Beyer.

Die Finanzierung des Projektes ist bereits gesichert. 320.000 Euro wird das Gebäude kosten. Sie speisen sich aus Zuschüssen des Sozialen Wohnförderprogramms der Landesregierung. Und Spendensammler Urbach will 18.000 Euro über eine symbolhafte Aktion in die Projektkasse spülen. Symbol des Vorhabens ist der rote Katen-stein. Mit dem Logo der Norderstedter Kirche versehen können Unterstützer den Stein für 10 Euro bei der Gemeinde kaufen, 1800 Steine liegen bereit. Mit dem Geld soll am Ende die Inneneinrichtung der Wohnungen bezahlt werden.

Eigentlich hatten Beyer und Urbach vorgesehen, schon in diesem Mai mit dem Bau des Gebäudes zu beginnen. Geplant war auch, dass schon zum Weihnachtsfest 2018 die ersten Mieter einziehen können. Doch der Plan ist nicht zu halten. „Die Handwerker konnten uns einfach keine Termine anbieten. Die Auftragsbücher sind knallvoll“, sagt Rolf Beyer.

Jetzt rechnet die Norderstedter Kirchengemeinde frühestens im August oder September mit einem Baubeginn. Der mögliche Einzug der ersten Mieter verschiebt sich auf 2019.

„Wir haben die Werbung für das Projekt jetzt erstmal zurückgefahren“, sagt Urbach. Hoffnungen bei aktuell suchenden Rentnern sollen nicht enttäuscht werden. Die Liste der vom Einkommen her infrage kommenden Mieter wird so immer länger. „Ich habe von der Sozialdezernentin der Stadt, Anette Reinders, gehört, dass Norderstedt zwischen 30 und 40 potenzielle Mieter für die Wohnungen vermitteln könnte“, sagt Beyer.

Nachahmer des Projektes sind erwünscht, sagt Projektleiter Rolf Beyer. Wenn alle Kirchengemeinden im Großraum Hamburg beginnen würden, im kleinen Stil Senioren-Wohnungen zu bauen, würde das für Dynamik auf dem sozialen Wohnungsmarkt sorgen.

Derzeit bewirbt sich das Projekt um den Sparda-Award der Sparda Bank in Hamburg. In einer Publikumsabstimmung kann jeder Unterstützer des Norderstedter Projektes per Klick seine Stimme für die Katenwohnungen geben. Als erster Preis sind 5000 Euro ausgelobt.

Kräftig klicken für die Katenwohnungen unter sparda-award.de