Norderstedt
Prozess

Hohe Strafen für falsche Paketzusteller gefordert

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit

Foto: Michael Rauhe

Prozess um Raubüberfall auf Norderstedter Unternehmerfamilie: Anklage will Haupttäter knapp acht Jahre hinter Gittern sehen.

Kiel/Norderstedt.  Ihre Beteiligung an dem brutalen Raubüberfall auf Mutter und Tochter einer Norderstedter Unternehmerfamilie hatten die falschen Paketzusteller zu Beginn ihres Prozesses gestanden (wir berichteten). Am gestrigen Montag nach Abschluss der dreitägigen Beweisaufnahme im Kieler Landgericht forderte der Staatsanwalt sieben Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe wegen schwerer Raubdelikte und Körperverletzung für den 39-jährigen Haupttäter.

Ein ebenfalls aus der ehemaligen Sowjetrepublik Moldawien stammender 21-Jähriger hatte kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres zwei Komplizen im Kleintransporter zum Einfamilienhaus der Opfer gefahren. Dafür soll er nach Forderung des Anklägers wegen versuchten Raubes für vier Jahre in Haft. Der nicht an der Tatplanung beteiligte Chauffeur der Männer sollte für seinen Einsatz 500 Euro erhalten.

Die Hausfrau brach sich beim Überfall einen Halswirbel

Von der hohen Beuteerwartung von bis zu einer Million Euro in einem Tresor will der 21-Jährige nichts gewusst haben. Weil er damals auf dem Weg zum Tatort jedoch beobachtet hatte, wie sich die anderen mit Kabelbindern ausrüsteten, habe er mit der Anwendung roher Gewalt rechnen müssen, warf ihm der Staatsanwalt vor.

Die Verteidiger forderten gestern deutlich mildere Freiheitsstrafen für die nicht vorbestraften Osteuropäer. Nach ihrer Rechnung soll der Ältere, der durch sein brutales Vorgehen der 50-jährigen Norderstedter Hausfrau einen Halswirbel gebrochen hatte, wegen schwerer räuberischer Erpressung für drei Jahre hinter Gitter. Für den Fahrer forderten die Anwälte maximal zwei Jahre mit Bewährung wegen Beihilfe.

Der 39-jährige Haupttäter will von dem untergetauchten Drahtzieher des Überfalls zu dem schweren Verbrechen überredet worden sein. Er bereue die Tat zutiefst, beteuerte er am Montag unter Tränen. Gemeinsam mit einem weiteren, ebenfalls flüchtigen Landsmann namens „Pawel“ hatte sich der Familienvater als Paketzusteller Einlass ins Haus verschafft.

Während er im Erdgeschoss die Mutter fesselte und knebelte, schloss sich oben die 18 Jahre alte Tochter ein und alarmierte die Polizei. „Pawel“ trat die Zimmertür der Schülerin ein und bedrohte sie mit einem Elektroschocker, während draußen die Polizei eintraf.

Am Ende beschränkte sich die Beute der Räuber auf ganze 50 Euro, die der 39-Jährige der geschockten Hausfrau abgepresst hatte. Die damals potenziell lebensgefährlich verletzte Zeugin leidet bis heute unter Angstzuständen. Ihre Wirbelbogenfraktur wurde per Notoperation versorgt. Neun Tage lag sie im Krankenhaus, litt einen Monat lang unter starken Schmerzen. Bis heute fürchtet sie sich allein im eigenen Haus.