Norderstedt
Ausstellung

Die Lebensgewohnheiten der Ellerauer

Museumsvereins-Vorsitzender Rainer Schultheis zeigt die aktuelle Sonderausstellung über Poesiealben

Museumsvereins-Vorsitzender Rainer Schultheis zeigt die aktuelle Sonderausstellung über Poesiealben

Foto: Burkhard Fuchs

Zum 30. Geburtstag zeigt das Museum der Gemeinde eine Sonderausstellung mit 100 Jahre alten Poesiealben

Ellerau.  Das heimatgeschichtliche Vermächtnis haben die Ellerauer dem Drogisten Karl Rautenberg zu verdanken, der der Gemeinde in den 1980er Jahren seine Sammlung vermachte. Nun feiert das nach ihrem Gönner benannte Museum im Bürgerhaus Ellerau sein 30-jähriges Bestehen. Zum kleinen Jubiläum zeigt der Förderverein eine Sonderausstellung über Poesiealben und eine kleine Presseschau, die belegt, wie sich das 500 Quadratmeter große Museum im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat.

Poesiealben waren viele Jahrzehnte lang en vogue. Ältere Leser werden sich noch erinnern, wie diese in den Schulen herumgereicht wurden, damit sich darin die Schulkameraden aus der eigenen Klasse mit einem kleinen Sinnspruch, einer liebevollen Zeichnung oder einem bunten Aufkleber verewigen konnten. „Wir haben hier wieder wahre Schätze zusammengetragen“, sagt Rainer Schultheis, der von Anfang an der Vorsitzende des Ellerauer Museumsvereins ist. Eine Alltagskunst, die in der heutigen Zeit der alles beherrschenden sozialen Medien und elektronischen Smartphone-Botschaften wohl auszusterben scheint.

Aber genau das sei ja die Aufgabe dieses Heimatmuseums, erklärt Vorsitzender Schultheis: Die Lebensgewohnheiten der Ellerauer Landbevölkerung aus den vergangenen 150 Jahren zu dokumentieren. So wird hier gezeigt, wie die Menschen früher in ihrer guten Stube, wie sie ihr Wohnzimmer nannten, gelebt und in ihren Häusern gearbeitet haben. So steht hier eine Wäschemangel aus Holz aus dem Jahr 1850, die Elleraus Partnergemeinde Hoyer aus dem dänischen Südtondern gestiftet hat. Sie veranschaulicht, wie die Wäsche früher mit großen Steinen und Muskelkraft getrocknet wurde.

Es wird an den ersten Industriellen der alten Dorfgemeinde, Artur A. Erlhoff, erinnert, der nach dem Krieg eine Textilfabrik mit zeitweise bis zu 1700 Beschäftigten aufbaute, die später an Jil Sander verkauft wurde.

Unter den 2000 Ausstellungsstücken ist auch altes Handwerk zu sehen wie eine frühere Schusterwerkstatt oder eine Dosenverschlussmaschine, die noch funktioniert. Auch an die in früheren Zeiten so wichtige Hausschlachtung, bei der der Schlachter direkt ins Haus kam, um das Hausvieh fachgerecht zu zerlegen, wird hier erinnert.

Das Museum Ellerau im Bürgerhaus, Hojerweg 2, das pro Jahr 1000 Besucher zählt, ist an jedem ersten und dritten Sonnabend im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus bietet der Förderverein Führungen für Schulklassen und interessierte Gruppen nach Vereinbarung an.