Norderstedt

Stippvisite in einem Gartentraum in Grün

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Andreas Burgmayer
Unterm Apfelbaum in ihrem grünen Paradies am Friedrichsgaber Weg: Hobby-Gärtnerin Meike Heinatz

Unterm Apfelbaum in ihrem grünen Paradies am Friedrichsgaber Weg: Hobby-Gärtnerin Meike Heinatz

Foto: Andreas Burgmayer

Am Wochenende, 16. und 17. Juni, öffnen Hobbygärtner landesweit ihre Gärten: Meike Heinatz begrüßt Gäste in Norderstedt.

Norderstedt.  Der gute Heinrich steht da in seiner vollen Pracht – und Meike Heinatz wuschelt ihm sacht durch die Blätter. Heinrich ist einer, der beim Gemüsehändler oder im Supermarkt keine Chance mehr hat. Er steht sogar auf der Roten Liste gefährdeter Arten in ganz Deutschland, weil er kaum mehr irgendwo wächst. Aber im Garten von Meike Heinatz am Friedrichsgaber Weg. „Die zarten jungen Blätter kann man auch im Salat verwenden“, sagt Heinatz. Das auch als Wildspinat bekannte Fuchsschwanzgewächs ist vielfach verwertbar: Die Triebe können wie Spargel genossen werden, aus dem Wurzelstock lässt sich ein angeblich wie Erdnussbutter schmeckendes Konfekt herstellen, und die Blüten vom guten Heinrich kann man dünsten wie Brokkoli. Für die seltenen und vom Aussterben bedrohten Gemüsearten hat Meike Heinatz ein umzäuntes und vor Fressfeinden geschütztes Refugium inmitten ihres etwa 2000 Quadratmeter großen Prachtgartens eingerichtet. „Viele der Sorten hier dürfen nur noch von HobbyGärtnern ausgesät werden.“

Dieser Garten ist ein grüner Traum. Meike Heinatz arbeitet seit mehr als 20 Jahren daran, dass er es bleibt. In den 90er-Jahren zog sie mit der Familie in das kleine Haus und machte aus einem brachliegenden Nutzgarten ohne Charme einen mustergültigen Lebensraum für Stauden, Farne, Gräser und Gehölze, dabei unter anderem inspiriert von den Gärten der Gesinnungsgenossen auf der Insel in England.

Seit einem Jahr ist Heinatz im Organisationsteam für die Aktion Offener Garten und sorgt jedes Jahr dafür, dass sich Gartenbegeisterte auf einem „grünen Band durch ganz Schleswig-Holstein“ in Hunderten von Privatgärten an einem Wochenende im Jahr Anschauungsunterricht im Hobby-Gärtnern nehmen können. Im Jahr 2000 wurde die Aktion gegründet und ist seitdem ein bei Gärtnern beliebtes Format zum Austausch von Gartentipps geworden. Heinatz selbst lädt schon seit mehr als zehn Jahren Menschen in ihren Garten am Friedrichsgaber Weg ein, sie bietet Privatführungen an und Workshops für das Anpflanzen und Verarbeiten von alten Gemüsesorten. Und weil Meike Heinatz ohnehin fast nur noch im Garten war, hat sie ihr Faible für das Grün zum Beruf gemacht: Sie berät andere bei der Anlage von Gärten.

Am kommenden Wochenende, 16. und 17. Juni, lassen 254 Gartenbesitzer in Schleswig-Holstein die Gartenpforte offen stehen, allein im Kreis Segeberg machen 115 Gartenbesitzer mit. „Für jeden Gartenbesitzer ist das die Chance, sich neue Eindrücke und Inspirationen zu holen – auch ich lerne immer wieder dazu“, sagt Meike Heinatz. Aber auch für Anfänger, die sich einen Garten anlegen wollen, ist die Aktion wie gemacht. Und es gebe auch Familien, die die Aktion einfach für einen Familienausflug nutzen.

Die Pflege eines ambitionierten Gartens mit 2000 Quadratmetern Fläche ist zeitaufwendig und fordert physisch eine Menge ab. „Ich kenne Gärtner, die ihre Gärten aufgeben mussten, weil sie körperlich nicht mehr in der Lage waren, ihn zu versorgen“, sagt Heinatz. Auch die 57-Jährige macht sich dazu ihre Gedanken. „Die Beete mit den Stauden sind nicht das Problem. Wir haben ein Bewässerungssystem verlegt.“ Die seltenen Gemüsesorten und vor allem das Stückchen mit dem englischen Rasen fordern die Hobby-Gärtnerin.

Doch besonders auf Letzteren will Meike Heinatz nicht ganz verzichten. Auf ihm kann man so schön die Gartenliege aufstellen und mit Blick ins gepflegte Grün ausruhen – zumindest so lange, bis einem wieder irgendein Blatt, ein Ast oder ein Grashalm auffällt, der jetzt unbedingt abgeschnitten oder gezupft werden muss. Der Fluch der Rastlosigkeit beim Gärtnern: Hast du vorne aufgehört, kannst du hinten wieder anfangen.

Maike Heinatz öffnet am Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr ihre Gartenpforte am Friedrichsgaber Weg 264. Der Besuch des Stauden-, Farn- und Gräsergartens ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Wer privat mal vorbeischauen will, meldet sich unter diegartenidee@wtnet.de oder 040/52 11 08 29 bei ihr.

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