Norderstedt
Norderstedt

Schwarzfahrer muss fünf Monate ins Gefängnis

Norderstedt.  Viermal ist der 33-Jährige in der AKN beim Schwarzfahren erwischt worden. Dafür verurteilte ihn der Norderstedter Amtsrichter Matthias Lohmann zu einer Haftstrafe. Fünf Monate muss der Mann hinter Gitter. Ein überzogenes und damit viel zu hartes Urteil? Der Fall hat eine Vorgeschichte, und die rückt den Urteilsspruch in ein anderes Licht.

Der Mann kam vor 20 Jahren mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland. Angekommen ist er in seiner neuen Heimat jedoch nie. Er absolvierte die Hauptschule und versuchte sich mehrmals an einer Berufsausbildung – vergeblich. Erst kam der Alkohol, dann die harten Drogen. Beständig in seinem Leben wurden nur die zahlreichen Verurteilungen vor dem Amtsgericht. Ein knappes Dutzend listete Amtsrichter Matthis Lohmann auf. Auch wegen „Erschleichen von Leistungen“, wie Juristen das Schwarzfahren nennen, kassierte der 33-Jährige mehrere Bewährungsstrafen.

„Es tut mir leid“, sagte der Angeklagte. An die Schwarzfahrten im vorigen Februar hat er wegen seines damaligen Alkoholpegels keinerlei Erinnerungen. Er ist geschieden und hat zwei Kinder, aber auch dazu konnte der Angeklagte wenig sagen. Die Mutter lehne jeden Kontakt des Vaters zu den Kindern ab, sagte die Bewährungshelferin.

Für den Angeklagten blieb der Raubbau an seinem Körper nicht ohne Folgen: Er hat eine Leberzirrhose und Hepatitis C. Mehrere Entgiftungsaufenthalte in Fachkliniken blieben erfolglos. Alle Strafen ließen den Angeklagten unbeeindruckt, betonte die Staatsanwältin. „Es ist hier nicht fünf Minuten vor zwölf, sondern bereits fünf Minuten nach zwölf“, sagte sie. Selbst der Pflichtverteidiger wollte für seinen Mandanten keine positive Sozialprognose abgeben. Das Urteil des Amtsgerichts: fünf Monate Haft. „Ich wünsche Ihnen, dass sie Ihr Leben, Ihre Gesundheit und Ihre Drogenprobleme endlich in den Griff bekommen“, sagte der Richter zum Angeklagten. Ob der allerdings haftfähig ist, bezweifelte er.