Norderstedt
Rettung

Immer mehr Drohnen im Einsatz

Die Kreisfeuerwehr Segeberg hat jetzt die modernste Einsatzdrohne in Schleswig-Holstein. Sie kann helfen bei Flächenbränden, Waldbränden, bei der Personensuche oder um Großveranstaltungen zu überblicken

Die Kreisfeuerwehr Segeberg hat jetzt die modernste Einsatzdrohne in Schleswig-Holstein. Sie kann helfen bei Flächenbränden, Waldbränden, bei der Personensuche oder um Großveranstaltungen zu überblicken

Foto: Irene Burow / LN

Feuerwehr setzt 23.000 Euro teures Gerät ein, um sich bei Einsätzen einen Überblick zu verschaffen.

Kreis Segeberg.  Für viele Privatleute ist die Drohne ein Spielzeug, für die Profis wird sie immer mehr zu einem wichtigen Arbeitsgerät. Auch die Feuerwehren im Kreis Segeberg setzen jetzt auf die unbemannten Flieger mit den Kameras, die unter Fachleuten Multicopter heißen. 23.000 Euro kostet das Gerät, das der Kreis für den Kreisfeuerwehrverband angeschafft hat und das bei einem Einsatz an jeden Ort des Kreisgebiets transportiert werden kann. Das Gerät gilt als das modernste seiner Art bei den Feuerwehren in Schleswig-Holstein.

„Für uns ist wichtig, dass wir jetzt möglichst viele Erfahrungen sammeln und verschiedene Szenarien üben“, sagt der neue Kreiswehrführer Jörg Nero. Die Drohne ermöglicht es den Feuerwehrleuten, sich aus der Höhe einen Überblick bei Wald- und Flächenbränden zu schaffen, vermisste Personen mit der Wärmebildkamera zu suchen und große Menschenmengen, zum Beispiel bei Großveranstaltungen, zu beobachten. „Dank neuester Technik ist es möglich, dass Fotos und Videos in Echtzeit ins Fahrzeug oder an den Führungsstab übermittelt werden“, sagt ein Feuerwehrsprecher.

Die Feuerwehr-Drohnedarf auch nachts fliegen

Das Modell vom Typ „DJI Inspire 1“ arbeitet in bis zu 100 Meter Höhe, ist bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell und liefert Fotos und Videos in professioneller Qualität. Die fünf Mitglieder der neu gegründeten Technischen Einheit (TE) „Drohne“ des Kreisfeuerwehrverbandes sind rund um die Uhr einsatzbereit. Sie dürfen – anders als private Drohnen-Besitzer – auch nachts fliegen.

TE-Leiter Sönke Möller und seine Kollegen haben zwei Tage intensiven Unterricht hinter sich, um die Technik, Wetterkunde und die rechtlichen Grundlagen zu lernen. „Das kommt dem Drohnen-Führerschein gleich“, sagt er. Diese Ausbildung durch professionelle Piloten berechtigt die TE-Mitglieder, andere Feuerwehrleute an dem fliegenden Auge auszubilden. Im Einsatz besteht ein Team aus zwei Feuerwehrleuten: Einer kümmert sich ums Fliegen, der andere um die Kameras und die Bilder. „Wir schließen damit eine Lücke“, sagt Möller.

Bislang konnten die freiwilligen Feuerwehren Einsätze aus der Vogelperspektive nur von einer Drehleiter oder teuer und aufwendig aus einem Hubschrauber beobachten. Gerade mal drei Minuten dauert es, bis die Drohne an der Einsatzstelle die ersten Bilder liefern kann. TE-Chef Sönke Möller geht davon aus, dass sich immer mehr Feuerwehren eigene Drohnen anschaffen wollen. Die freiwilligen Helfer der Feuerwehr in der Gemeinde Tensfeld werden jedoch nicht dazu gehören. Ein Bürger des Dorfes, der anonym bleiben will, wollte der Feuerwehr eine Drohne schenken. Wehrführer Mike Mischker war laut einem Bericht der „Segeberger Zeitung“ begeistert, doch seine Feuerwehrkameraden wollen nicht mitziehen. Sie fürchteten die aufwändige Ausbildung für das Fluggerät und mehr Einsätze, weil Nachbarwehren um Unterstützung durch die Drohne bitten könnten.

Die Jäger denken über die Anschaffung einer Drohne mit Kamera nach. Das Gerät könnte dazu dienen, Rehkitze und andere Tiere vor der Ernte in Felder ausfindig zu machen und sie vor dem Tod durch landwirtschaftliche Maschinen zu bewahren. Die Kreisjägerschaft will mit Landwirten und privaten Drohnen-Besitzern zusammenarbeiten.

Auch Profi-Fotografen und Gutachter nutzen zunehmend die fliegenden Kameras. Bei der Unfallaufnahme setzen Sachverständige des Dekra auf Übersichtsaufnahmen aus der Luft, um den Unfallhergang ermitteln zu können. Nutzer von Drohnen mit einem Gewicht von mehr als zwei Kilo benötigen seit dem 1. Oktober den sogenannten Drohnen-Führerschein, der fünf Jahre gültig ist. Die Geräte müssen ein feuerfestes Kennzeichen tragen.

Die Polizei im Kreis Segeberg verfügt bislang über keine Drohnen. Auf Landesebene plant die Polizei die Anschaffung mehrerer Geräte. Auf welche Dienststellen sie verteilt werden, ist noch offen.