Norderstedt
Travel Slam in Norderstedt

Abenteurer erzählen ihre Geschichten

Theresa Pentzien aus Kaltenkirchen berichtete von ihrer Tauch-Tour in der Karibik und davon, dass ihr im Urwald Hühner statt Schlangen begegneten

Theresa Pentzien aus Kaltenkirchen berichtete von ihrer Tauch-Tour in der Karibik und davon, dass ihr im Urwald Hühner statt Schlangen begegneten

Foto: Heike Linde-Lembke

Der erste Travel Slam in der Rathaus-Bücherei war ein voller Erfolg. Am 4. Mai folgt der zweite, Karten zu fünf Euro gibt es schon jetzt.

Norderstedt.  Wer schon einmal versucht hat, in einen Taucheranzug zu steigen, weiß, dass das eine kräftezehrende Angelegenheit sein kann. Vor allem, wenn man ein Leichtgewicht ist und sich noch fünf Kilo Gewicht umschnallen muss, um unter Wasser zu kommen. So wie Theresa Pentzien. Die Kaltenkirchenerin erledigte das alles wahrlich im Handumdrehen, teilweise auf nur einem Fuß stehend, um sich über den anderen die Schwimmflosse zu ziehen. Vor Publikum. Die Verwaltungsangestellte erzählte beim ersten Norderstedter Travel Slam vor rund 120 Zuhörern in der Rathaus-Bücherei von ihren Taucherlebnissen in der Karibik.

Mit ihr standen Uwe Enge aus Ellerau und Guido Steffens aus Hamburg auf dem Podium, um in 15 Minuten ein Reise-Erlebnis zum besten zu geben. Für den Sieger gab es fünf Minuten Erzähl-Nachschlag. Auf Platz 1 wählte das Publikum Guido Steffens, der von seiner Tour nach Nordkorea berichtete. Platz 2 machte Uwe Enge mit seiner Geschichte von schwedischen Stinkefischen, auf Platz 3 kam Theresa Pentzien.

Die Moderation hatte der Journalist Sebastian Koch: „Das hier ist wohl der erste nördlichste Travel Slam weltweit.“ Entstanden sind die Travel Slams als themengebundene Poetry Slams in Köln. Sabine Schröder von der Rathaus-Bücherei und Camilla Vollrath von der Volkshochschule organisieren die Slams und wählten mit ihren Teams die ersten drei Kandidaten unter zirka 30 Bewerbern aus. Der erste Travel Slam war eine vergnügliche Tour in entfernte Winkel dieser Welt.

Ein halbes Jahr tourte Theresa Pentzien durch die Niederländischen Antillen vor Venezuela, jobbte in Bonaire in einem Hotel, ging tauchen und erkundete die Inseln. „In Bonaire wurde ich verwöhnt, da gabes den netten Tauchlehrer zum Tauch-Kursus gratis dazu“, sagte Theresa Pentzien und lächelte verschmitzt. In lockerer, selbstironischer Erzählweise plauderte sie von ihren Erlebnissen auf den ABC-Inseln, auf Aruba, Bonaire und Curacao, von freilaufenden Hühnern, die plötzlich im Dschungel auftauchen, von der gefährlichsten Landebahn der Welt auf dem Flughafen Sint Maarten, zu dem sie mit einer Propeller-Maschine reiste. Das Publikum hörte fasziniert zu.

„Ich bin ein Anti-Traveller“, stellte Uwe Enge klar. Im Slammen ist der Autor vieler Kurzgeschichten dagegen ein Profi. Seine Tour nach Nord-Schweden fand bereits 1958 statt, als er auf einem Schiff als Maschinist anheuerte. Ein halbes Jahr blieb er in Schweden, fand Freunde und lernte eine Spezialität kennen, den Sürströmming. Dort oben mussten die Menschen zum Ende des Winters oft hungern. Als es bei einer Familie aus einer Ecke fürchterlich stank, entdeckten sie ein vergessenes Fass mit verdorbenen Heringen, probierten – und erfanden eine Nationalspeise: den Sürströmming. Der soll sogar Maulwürfe vertreiben!

„Ich war am 15. August 1958 zu einem Sürströmming-Essen in einem Sommerhaus eingeladen. Sürströmming wird entweder im Sommerhaus oder draußen gegessen, aus geschlossenen Räumen bekommt man den Gestank nie wieder raus“, erzählte der 79-Jährige. „Wenn du nicht möchtest, bekommst du etwas anderes“, sagten seine Gastgeber, doch ein Uwe Enge ziert sich nicht. „Alle beobachteten mich gespannt, als ich eine Kartoffel pellte, den Fisch drauflegte und reinbiss. Der Fisch schmeckt wie Anschovis und wird mit Aquavit runtergespült“, erzählte er. Es gab viel Aquavit, zwischendurch wurde gesungen, und wie es anschließend weiterging, weiß er bis heute nicht. Als Uwe Enge dann noch von seiner Freundschaft mit der Schwedin Vivian erzählte, erhielt er sehr viel Beifall.

Ein neues Bild von Nordkorea entwarf Guido Steffens. „Ich wollte mir ein eigenes Bild von dem Land machen“, sagte der Hamburger, der den Fokus seines Travel Slams auf die komischen Erlebnisse im Land des Diktators Kim Jong-un legte und dazu Fotos zeigte, beispielsweise von aufgerichteten und Lachs fangenden Bären, von Paradeplätzen und prunkvollen Metro-Stationen in Pjöngjang, von Landschaften und freundlichen Menschen.

Guido Steffens reiste mit einer Gruppe, erzählte von den 28 Haarschnitten, die Kim Jong-un für seine Bürger kreierte, davon, dass seine koreanische Reiseleiterin seinen Regenschirm als kapitalistisch einstufte und von der berüchtigt-geheimnisvollen fünften Etage in Hotels. „Wenn ich an Nordkorea denke, denke ich an die vielen respektvollen Menschen“, sagte der kaufmännische Angestellte. Wie Theresa Pentzien stand auch Guido Steffens zum ersten Mal auf einem Podium. Alle drei Slammer fanden rasch ihren Reisefaden und unterhielten das Publikum aufs Beste.

Nächster Travel Slam, 4. Mai, 19.15 Uhr, Rathaus-Bücherei, Rathausallee 50. Heide van den Arend, Maxx Bernhardt und Robert Schiller erzählen von Papua Neuguinea, von einer Faltrad-Tour durch die Mongolei und von einer 360-Tage-Weltreise „One way ins Glück“. Eintritt fünf Euro, Karten sollten schnell unter Telefon 040/53 59 59 49 reserviert werden.