Norderstedt
Kreis Segeberg

Kaltenkirchener Bürger haben die Wahl

Renate und Jürgen Schulz haben sich bereits für eine Lampe entschieden und ihre Kreuzchen gemacht

Renate und Jürgen Schulz haben sich bereits für eine Lampe entschieden und ihre Kreuzchen gemacht

Foto: Wolfgang Klietz

Am kommenden Wochenende endet die Abstimmung über die neue Beleuchtung in der Innenstadt. Bisher haben 3200 Bürger teilgenommen.

Kaltenkirchen.  „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ So steht es im Grundgesetz. Das Volk wählt seine Abgeordneten in die Parlamente, und neuerdings stimmt es sogar darüber ab, welche Lampen künftig die Innenstadt erhellen sollen. Jedenfalls in Kaltenkirchen. Dort endet am Wochenende eine vermutlich in Deutschland einmalige Entscheidung des Wahlvolks. Die Kaltenkirchener sind aufgerufen, aus mehreren Lampenmodellen das beste auszuwählen.

Zum Wahlvolk gehören auch die Kaltenkirchener Renate und Jürgen Schulz. Sie wohnen in der Nähe der Kirchenstraße, wo die fünf Modelle ausgestellt sind, die zur Wahl stehen. Über Lampen haben sie noch nie abgestimmt, jetzt haben sie sich viele Gedanken gemacht. „Wir haben uns entschlossen“, sagt die 72-jährige Renate Schulz. Das Modell vom Typ SLF Erika soll es sein, möglichst in Moosgrün. „Die gibt das beste Licht“, haben die Schulzes bei abendlichen Spaziergängen an der Lampengalerie festgestellt. Auch die elegante Form gefällt ihnen. Oft haben sie Menschen an der Kirchenstraße beobachtet, die sich die Modelle ganz genau ansehen.

Der Abstimmungssieger soll am Montag feststehen. Das Modell mit den meisten Stimmen wird die gelben Lampen ersetzen, die seit Jahrzehnten die Innenstadt beleuchten. Ihr Stromverbrauch ist nicht mehr zeitgemäß, für Reparaturen sind kaum noch Ersatzteile erhältlich.

Die gelben Leuchten haben die Kaltenkirchener einst in zwei Lager geteilt. Als sie aufgestellt wurden, bildete sich eine Bürgerinitiative, die erfolglos gegen die „Verschandelung“ der Innenstadt kämpfte. Als ihre Abschaffung diskutiert wurde, stimmten Hunderte auf einer Unterschriftenliste dagegen. Doch jetzt ist ihr Ende nahe.

Renate und Jürgen Schulz sind froh darüber. Als sie 2010 von Hamburg nach Kaltenkirchen zogen, haben sie sich gewundert, womit die Bewohner der kleinen Stadt im Holsteinischen ihr Straßenlicht erzeugen.

Jürgen Schulz war bei seinem ersten Besuch der neuen Modelle erstaunt, dass kaum Informationen zu finden sind. Auf den Tafeln am Mast sind die Farben zu sehen, die zur Auswahl stehen. Doch was ist mit dem Preis? Und mit dem Energieverbrauch? Die Antworten auf diese Fragen kennt Schulz genauso wenig wie Abendblatt-Leserin Gabi Jacobs. „Man darf als Bürger der Stadt abstimmen, erhält aber keine genaueren Infos“, schrieb sie der Redaktion. „Auch per Telefon kann man im Rathaus nicht erfahren, was die einzelnen Modelle kosten, wie weit sie strahlen, wie oft sie gewartet werden müssen und so weiter.“

Offiziell dauere die Abstimmung bis zum 2. März, sagt Meike Wölfel von der Stadtverwaltung. Wahlzettel, die am Wochenende im Rathaus abgegeben werden, könnten aber noch berücksichtigt werden. „Die endgültige Entscheidung fällt dann in der Stadtvertretung“, sagt Wölfel. „Die Stadtvertreter können dem Votum folgen, müssen es aber nicht.“

Bisher haben sich etwa 3200 Bürger an der Umfrage beteiligt. Mit einem Ergebnis wird im Rathaus erst am 7. März gerechnet. Der Energiebedarf sei bei allen Leuchten gleich. Auch der Preis unterscheide sich kaum und liege im mittleren Bereich. „Die Kosten der einzelnen Leuchten wurden nicht benannt, da die Leuchten nicht nach den Kosten, sondern nach Form und Farbe ausgesucht werden sollen“, sagte Wölfel.

Eine Übersicht der Modelle, die zur Auswahl stehen, finden Sie in der aktuellen Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.