Norderstedt
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Erlebnisbad Arriba will Eintrittspreise erhöhen

Nur noch 600.000 bis 650.000 Badegäste kommen jährlich ins Arriba. Es waren einmal knapp 800.000 Menschen pro Jahr

Nur noch 600.000 bis 650.000 Badegäste kommen jährlich ins Arriba. Es waren einmal knapp 800.000 Menschen pro Jahr

Foto: Wolfgang Klietz

Obwohl die Besucherzahlen im Norderstedter Erlebnisbad rückläufig sind, müssen Badegäste vermutlich bald mehr Eintritt zahlen.

Norderstedt.  Im vergangenen Sommer hatte Arriba-Chef Ruud Swaen sich schon bitterlich über die Besucherzahlen im Strandbad des Norderstedter Erlebnisbades beschwert. Von einer „Katastrophe“ sprach er und davon, nun schon seit drei Jahren dem Sommer hinterherzulaufen.

Doch zum allgemeinen Besucherrückgang kam es offenbar nicht nur durch verhagelte Sommer im Strandbad. Auch im Erlebnisbad mit seinem Wellenbad, den vielen Spaßrutschen und seinem Saunabereich kamen in den vergangenen Jahren insgesamt weniger Besucher. Und das bekommen jetzt wahrscheinlich die Besucher über ihren Geldbeutel zu spüren: Die Stadtwerke, Betreiber des städtischen Spaßbades, haben im Stadtwerkeausschuss die Erhöhung der Eintrittspreise für das Arriba beantragt – sowohl im Hallen- als auch im Strandbad.

Kommt die Werkleitung mit ihrem Anliegen bei der Kommunalpolitik durch, dann müssen die Badegäste des Arriba vom 1. Mai an für jede Einzelkarte 50 Cent mehr bezahlen und für Vorteils- und Saunakarten 1,50 Euro mehr pro Person (siehe rechts).

Die letzte Preiserhöhung im Arriba ist noch gar nicht so lange her. Im Oktober 2015 wurden die Einzelkarten für Erwachsene um 1,50 Euro angehoben, die Familienkarten um 2 Euro und die Sauna-Tageskarten sogar um 4 Euro. Zahlte man bis Oktober 2015 für eine Familienkarte (zwei Erwachsene, zwei Kinder) am Wochenende noch 18,50 Euro, so könnten ab Mai 2018 also nun 23 Euro fällig werden. Über knapp zweieinhalb Jahre gesehen eine Erhöhung von gut 24 Prozent.

Die Erhöhung 2015 wurde von der Politik abgesegnet. Das Ziel war es, 2016 etwa 500.000 Euro mehr einzunehmen, um so das ständige Defizit des Bades von jährlich etwa zwei Millionen Euro zu dezimieren. Doch das gelang nicht. Laut Jahresabschluss sanken die Umsatzerlöse des Arriba 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 37.000 Euro auf 4.091.000 Millionen Euro.

Erheblicher Imageschaden durch sexuelle Belästigungen

Auch die Besucherzahlen haben eine Abwärts-Tendenz. 2013 zählten die Stadtwerke im Erlebnisbad noch knapp 790.000 Besucher, zwischen 2014 und 2016 aber nur noch um die 730.000 Badende. Und nun spricht Stadtwerke-Chef Jens Seedorff von nur mehr 600.000 bis 650.000 Besuchern im Erlebnisbad. Auf die in früheren Jahren häufig genannten mehr als 800.000 Besucher des Arriba sei man nur gekommen, wenn man die Besucher des Strandbades und des Schulschwimmens dazu gezählt habe (etwa 80.000 im Jahr).

Über die Gründe für den Rückgang der Besuchergunst im Arriba kann man nur spekulieren. „Das Wetter war nicht unser Freund“, sagt Jens Seedorf. „Da ging es uns nicht anders als vielen vergleichbaren Bädern in ganz Deutschland.“ Doch eine Rolle beim Besucherrückgang dürfte auch ein Ereignis gespielt haben, das im März 2016 das Arriba bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hatte. Mit Beschreibungen wie „Sex-Attacken“ und „Sexgangster“ berichtete etwa „Bild“ über die Anschuldigungen gegen zwei Afghanen (14 und 34 Jahre) die zwei Schülerinnen (14 und 18 Jahre) im Arriba sexuell belästigt haben sollten. Immer wieder hatte es solche Berichte im Arriba gegeben. Sexuelle Belästigung im „Wildwasserkanal“ des Bades waren bis dahin keine Seltenheit. Doch dieser den beiden Flüchtlingen aus Afghanistan angelastete Übergriff sorgte für die breiteste Aufmerksamkeit. Auch wenn sich später vor Gericht herausstellte, dass eine der Schülerinnen eine Vergewaltigung erfunden hatte und schließlich nur der 34-jährige für einen Kuss auf die Hüfte der 18-Jährigen wegen sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt wurde, blieb dem Arriba offenbar doch ein erheblicher Imageschaden.

In seinem Antrag an den Ausschuss formuliert Werkleiter Seedorff vorsichtig, dass dieses „Ereignis“ nicht nur die gewünschten wirtschaftlichen Auswirkungen der Preisanpassung 2015 und die Besucherzahlen gehemmt habe, sondern auch für erhöhte Ausgaben im Sicherheitsdienst und bei der Sicherheitstechnik sorgte. „Doch letztlich kann man nicht seriös herausarbeiten, wie viele Leute tatsächlich wegen der Vorfälle nicht mehr das Bad besuchten“, sagt Seedorf.

Aus seiner Sicht ist die Erhöhung der Preise mit 50 Cent bis 1,50 Euro eher geringfügig für den einzelnen Gast. Man begegne damit auch den gestiegenen Personalkosten. Grundsätzlich betreibe man das Arriba nach wie vor als eine Art „Volksbad“, in dem die Preise im Vergleich zu anderen Bädern mit einem derart umfassenden Angebot eher bezahlbar seien. Das jährliche Defizit werde dabei in Kauf genommen und durch die guten Erlöse aus anderen Sparten der Stadtwerke aufgefangen. Seedorff: „Es war die bewusste Entscheidung der Stadt Norderstedt, dieses Bad auch als Standortfaktor und Marketing-Objekt zu betreiben und für so viele Menschen wie möglich bezahlbar zu halten. Diesen Charakter des Bades wollen wir als Betreiber beibehalten und nicht etwa durch die noch stärkere Erhöhung der Preise eine Wirtschaftlichkeit des Betriebes erzielen.“