Norderstedt
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Hier lernen die Ingenieurinnen der Zukunft

Im vorigen Jahr haben Mint-Schülerinnen begeistert bei Tesa in Norderstedt geforscht und experimentiert

Im vorigen Jahr haben Mint-Schülerinnen begeistert bei Tesa in Norderstedt geforscht und experimentiert

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Das Projekt Mint:pink will Mädchen den Zugang zu Naturwissenschaften und Technik erleichtern und startet in Norderstedt.

Norderstedt.  „Ich wusste gar nicht, dass Technik und Naturwissenschaften so spannend sein können“, sagt Eileen Röske. Die Schülerin stand im Nebellabor des weltweit renommierten Hamburger Forschungszentrums Desy mitten in herumfliegenden Elementarteilchen, hat gesehen, was der Quantensprung bedeutet, in der Technischen Universität Hamburg-Harburg Roboter programmiert und im Geesthachter Helmholtz-Zentrum mit Ingenieurinnen gesprochen, die begeistert von ihrem Berufsalltag erzählt haben. „Mint:pink“ heißt die Initiative, die diese Erlebnisse möglich gemacht und der 16-Jährigen eine Welt aufgeschlossen hat, die sie bis dahin nicht interessierte: Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Bereiche, vor denen Mädchen und junge Frauen zurückscheuen.

Das will Mint:pink ändern, das Programm ist aus der Initiative NAT erwachsen, die sich seit 2007 gemeinsam mit Unternehmen und Hochschulen in Hamburg dafür einsetzt, Schüler für naturwissenschaftliche Fächer zu gewinnen. „Dabei hat sich herausgestellt, dass Mädchen besondere Förderung brauchen“, sagt NAT-Geschäftsführerin Sabine Fernau, die darauf hin Mint:pink ins Leben gerufen hat.

Bisher waren alle Versuche gescheitert, das Förder-Programm auch in Schleswig-Holstein zu etablieren. Doch jetzt ist der Sprung über die Landesgrenze gelungen, erstmals können auch Norderstedter Schülerinnen mitmachen. Dabei waren aber bisher schon Unternehmen aus Norderstedt.

Dazu gehört Waldemar Link. „Jeder kennt zwar künstliche Hüft- und Kniegelenke, aber kaum jemand verbindet die mit dem Namen Waldemar Link und weiß, dass wir sie herstellen“, sagte Susanne Küchen vom Unternehmen, das etwa 700 Mitarbeiter beschäftigt, darunter auch viele junge Entwicklungs-Ingenieurinnen. Und die berichteten den Schülerinnen begeistert von ihrer Arbeit – zeigten, wie Operations-Werkzeuge entwickelt, in Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut werden. „Bei uns wird per Hand geschliffen, aber es gibt auch viele automatisierte Arbeitsabläufe“, sagte Susanne Küchen. Maschinenbau, Medizintechnik, Qualitätskontrolle – das Unternehmen biete einen breit gefächerten Einblick in die Arbeitswelt.

Waldemar Link ist eins von acht Norderstedter Unternehmen, das bei Mint:pink mitmacht. Dabei sind auch Akquinet, Drytec, Engineering office, Matzen & Timm, Rudolf Dankwardt, Tesa und die Stadtwerke. „Als Wirtschaftsförderer sehen wir es auch als unsere Aufgabe an, jungen Menschen bei der Berufswahl zu helfen“, sagte Marc-Mario Bertermann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo). Wenn mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, helfe das auch gegen den Fachkräftemangel und eröffne die Chance auf gut bezahlte Arbeit. Er habe selbst zwei Töchter im Alter von 13 und 16, für beide seien Mathe und Co. „dröges Zeug“. Umso nötiger seien Initiativen wie Mint:pink.

„Mädchen gehen anders an Dinge ran. Jungen machen einfach, Mädchen suchen den Sinn, wollen genau wissen, worum es geht. Und mit 13 oder 14 stupsen sie die Jungen bei Versuchen in der Physik auch nicht einfach beiseite, was sie vielleicht machen würden, wenn sie älter sind“, sagte Heike Schlesselmann, Leiterin des Coppernicus-Gymnasiums in Norderstedt, das genauso Schülerinnen für das Mint-Projekt entsendet wie die drei anderen. Insgesamt nehmen 50 Mädchen an dem Programm teil (s. Info-Kasten).

„90 bis 95 Prozent der Schülerinnen haben nach der Mittelstufe mit den Mint-Fächern nichts mehr zu tun“, sagt Projekt-Chefin Sabine Fernau. Es gebe Physik-Kurse in der Oberstufe, in denen unter 20 Schülern ein Mädchen ist. Mit Blick auf die hohen Zugangsschranken durch den Numerus Clausus für bestimmte Fächer würden sich gerade Mädchen lieber für Fächer entscheiden, in denen sie vermeintlich leichter gute Noten erreichen können.

„Ich war nicht schlecht in Mathe. Aber ich habe mich gefragt: Wozu ist das eigentlich gut? Es fehlte die Verknüpfung mit dem realen Leben“, sagte Anette Reinders. Norderstedts Schul- und Sozialdezernentin ist begeistert von Mint:pink. Die Stadt fördert das Mädchen-Programm ebenso finanziell wie der Verein Norderstedt Marketing und die Stadtwerke.

Wie erfolgreich die Initiative sein kann, zeigt sich an Eileen Röske: Sie hat in der Oberstufe das naturwissenschaftliche Profil mit Chemie und Biologie gewählt. „Mint:pink hat mir die Angst genommen und gezeigt, dass wir Mädchen in diesen Bereichen bestehen können.“