Norderstedt
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Diese Frau strickt für krebskranke Kinder

Inge Hellwege strickt und schreibt Geschichten von damals, als es Norderstedt noch nicht gab

Inge Hellwege strickt und schreibt Geschichten von damals, als es Norderstedt noch nicht gab

Foto: Heike Linde-Lembke

Mit Strümpfen, Socken und Kinderjäckchen will Inge Hellwege helfen. Zudem schreibt sie Bücher mit Geschichten aus Alt-Garstedt.

Norderstedt.  Sie gehört zu Garstedt wie die Reetdachhäuser, und genau dort wohnt sie auch. An der Straße Am Spann wurde Inge Hellwege 1931 geboren, in dem Haus, das ihr Vater 1929 baute. Dort lebt sie heute noch. Dort schreibt sie Geschichten von damals, als es noch kein Norderstedt gab.

Es sind Geschichten vom Pützbüdel, von Tarpen-Tina, Bäcker Hermann, vom Schmied Hinnerk Smitt, vom Seifekochen und Torfmachen, von der Räucherkate und den Wirtshäusern.

Heute sitzt sie in ihrem Ohrensessel und strickt Strümpfe, Socken und Kinderjäckchen, Mützen und Schals. Inge Hellwege strickt für die Kinder auf der Kinderkrebs-Station der Universitätsklinik Eppendorf. „Die Kinder haben oft kalte Füße und frieren am Kopf, und ich muss was mit den Händen tun, das geht also gut zusammen“, sagt Inge Hellwege. Sie freut sich, dass ihre Strick-Arbeiten den krebskranken Kindern ein wenig Wärme geben und zeigt Fotos, die ihr die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Freundeskreises der Kinderklinik schickten, Fotos von Kindern, die ihre bunten Socken tragen, Mützen und Stirnbänder, um die Verbände am Kopf zu kaschieren. Mützen für Kinder, denen die Haare durch die Chemo-Therapie ausgegangen sind.

„Ich habe mehr als 200 Sockenpaare gestrickt, erst habe ich sie noch gezählt, aber bei 150 Stück habe ich aufgehört“, sagt Inge Hellwege. Es sind Socken und Strümpfe in allen Größen, denn sie strickt auch für die Krankenschwestern und Pfleger. Inge Hellwege sitzt nach einer Krankheit im Rollstuhl, aber ansonsten ist sie fit und kann sich mit ihrem Rollstuhl in ihrem Haus ohne Hilfe bewegen. Das Schreiben von Geschichten geht nicht mehr so gut. „Ein Auge ist blind, auf dem anderen habe ich nur noch 50 Prozent Sehkraft“, sagt sie.

Auf die Idee, für kranke Kinder zu stricken, kam sie, als der Golfclub Wendloh sie um Socken für die Tombola zugunsten des Freundeskreises für krebskranke Kinder bat. „Seitdem stricke ich weiter“, sagt sie, und schon klappern wieder vier Nadeln, um die Ferse bei einer Socke zu formen.

Inge Hellweges zweisprachige Erzählungen aus Alt-Garstedt, darunter „Garstedter Geschichten in Hoch & Platt“ und „Nachbarschaftsgeschichten in Hoch & Platt“, sind im Kadera-Verlag erschienen und kosten je zwölf Euro.