Norderstedt
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Bald ziehen die Genossen in den Frederik’s Hof

Sie betreuen die 60 künftigen Bewohner im Frederik’s Hof in Friedrichsgabe, die im Mai einziehen sollen: Jasna Hamidovi-Baumgarten (links) und Susanne Rippel von Ting-Projekte

Sie betreuen die 60 künftigen Bewohner im Frederik’s Hof in Friedrichsgabe, die im Mai einziehen sollen: Jasna Hamidovi-Baumgarten (links) und Susanne Rippel von Ting-Projekte

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Erstes Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Norderstedts nördlichstem Stadtteil ist im Mai fertig. Bewohner haben lebenslanges Wohnrecht.

Norderstedt.  Für Uwe Hollenbach erfüllt sich bald sein Traum vom Wohnen im Alter. Im Mai wollen er und 60 weitere Bewohner in das Mehrgenerationenhaus im Frederiks Park in Fried­richsgabe einziehen, das die Wohngenossenschaft Frederik’s Hof zurzeit für 6,5 Millionen Euro im neuen Hermann-Klingenberg-Ring 2–8 errichtet. Benannt ist die Straße nach dem früheren Bürgermeister und Bürgervorsteher von Friedrichsgabe.

Neben einer Kita entstehen dort auf drei Etagen 32 hochmoderne, barrierefreie Wohnungen, die zwischen 50 und 115 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Alle sind mit Terrassen oder Balkonen und Fußbodenheizung ausgestattet. Jeder der drei Hauseingänge verfügt über einen Fahrstuhl. Die u-förmige Bebauung umschließt einen Innenhof, in dem noch ein Garten und ein Spielplatz angelegt werden. Und den künftigen Bewohnern verspricht dieses Mehrgenerationenhaus, in das Paare, Singles, Senioren und junge Familien mit zusammen sechs Kindern einziehen werden, günstige Mieten und ein lebenslanges Wohnrecht.

Ting-Projekte hat den Bau von 600 Wohnungen betreut

„Das Einfamilienhaus ist zu groß geworden, die Kinder sind aus dem Haus“, beschreibt Uwe Hollenbach die Motivation vieler Mitgenossen. „Ich wollte mir nichts Neues mehr kaufen“, sagt der 55 Jahre alte Harburger, der gerne wieder nördlich der Elbe wohnen wollte. „Mein Boot ist in Kiel an der Ostsee. Da liegt Norderstedt verkehrsgünstig.“

Für das Wohnprojekt hat sich die im Mai 2014 gegründete Genossenschaft das erfahrene Unternehmen Ting-Projekte aus Schwentinental bei Kiel an die Seite geholt. Dies habe bereits mehr als 20 solcher genossenschaftlichen Wohnprojekte begleitet, berichtet deren Geschäftsführerin Jasna Hamidović-Baumgarten. „Wir haben jetzt von Sylt bis Norderstedt 1000 Genossenschaftler betreut, die 600 neue Wohnungen geschaffen haben“, sagt sie.

Solche Wohnprojekte lägen im Trend, weil die Menschen selbstbestimmter im Alter leben möchten, und zwar zusammen mit Nachbarn, die sie kennen und schätzen und mit denen sie auch gemeinschaftlich etwas erleben wollen. „Wir schließen hier eine Marktlücke zwischen Eigentum und Miete.“ In Norderstedt folgten bereits zwei ähnliche Projekte am Garstedter Dreieck und nebenan in Friedrichsgabe (siehe Info-Kasten).

Eines ihrer ersten Projekte war das der Genossenschaft Quick Borns in Norderstedts Nachbarstadt Quickborn, wo die heute 42 Bewohner als eigenverantwortliche Genossen seit fast vier Jahren in einem Mehrfamilienhaus wie in einer Großfamilie zusammenleben. „Besser hätten wir uns das Leben im Alter nicht vorstellen können. Wir haben hier unser Traum-Wohnprojekt verwirklicht“, sagt die Vorsitzende der Genossenschaft, Ingeborg Alsleben (67). Die Hausgemeinschaft, die von drei Monaten bis 91 Jahre alle Generationen abdeckt, unterstütze sich gegenseitig, passe aufeinander und die Kinder auf, kaufe füreinander ein und feiere gemeinsame Feste in einem extra dafür vorgesehenen Gemeinschaftsraum, in dem auch gebastelt, Gymnastik gemacht und wöchentlich zusammen gefrühstückt wird.

Kaltmiete beträgt lediglich 8,45 Euro pro Quadratmeter

Eine solche vertraute Gemeinschaft soll sich auch im Frederik’s Hof entwickeln, ist Projektleiterin Susanne Rippel von Ting-Projekte überzeugt. Jeden Monat treffen sich die 32 Genossen zur Besprechung im Norderstedter Rathaus und beratschlagen, wie groß die Wohnungen oder wie sie geschnitten, wie der Garten angelegt oder der Spielplatz ausgestattet sein sollen. „Die Mischung der Menschen, die sich hier zusammengefunden hat, ist gut“, ist Hollenbach überzeugt. „Die sind alle ganz pflegeleicht.“

Da konnte am Anfang jeder seine individuellen Wünsche einbringen. Für einige war da zum Beispiel wichtig, dass die Küche vom Wohnzimmer abgetrennt bleibt. Andere wollten lieber Fliesen als Parkett, zwei Balkone oder bestimmte Zimmergrößen. „Ich konnte noch ein paar Wände in meiner künftigen Wohnung verschieben“, berichtet Hollenbach. „Wir haben eine Fachgruppe für Finanzen, Garten oder Hausverwaltung. Wir müssen uns um alles selber kümmern, halten aber so auch die Kosten im Griff.“

Voraussetzung für jedes Genossenschaftsmitglied war eine finanzielle Einlage, die je nach Wohnungsgröße zwischen 17.000 und 65.000 Euro lag. Das garantiert jedem Bewohner eine Kaltmiete von 8,45 Euro je Quadratmeter, betont Projektleiterin Susanne Rippel. Die Hälfte der Wohnungen sei sogar öffentlich gefördert und koste lediglich zwischen 5,95 und 7,15 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. „Das ist für Norderstedter Verhältnisse extrem billig“, sagt die Projektleiterin. „Alle Genossenschaftler haben hier lebenslanges Wohnrecht, das sie sogar noch an ihre Kinder vererben können.“

Die Stadt Norderstedt habe das Projekt ähnlich wie seinerzeit die Stadt Quickborn sehr wohlwollend unterstützt und das 3267 Quadratmeter große Grundstück für den Frederik‘s Hof über ihre Entwicklungsgesellschaft EgNo gern zur Verfügung gestellt, freut sich Jasna Hamidović-Baumgarten. „Die Stadt Norderstedt steht voll dahinter.“ Die Wohnungen sind allerdings alle schon vergeben.