Norderstedt
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17-Jährige betrinkt sich und beginnt Rangelei

Auf Vorschlag der Staatsanwaltschaft entschied Jugendrichterin, das Verfahren gegen die Angeklagte einzustellen

Auf Vorschlag der Staatsanwaltschaft entschied Jugendrichterin, das Verfahren gegen die Angeklagte einzustellen

Foto: Michael Rauhe

Jetzt stand die zierliche und junge Frau vor dem Jugendgericht Norderstedt. Angeklagte muss Entschuldigungsbrief schreiben.

Norderstedt.  Kann der erste Eindruck so täuschen? Alina S. (Name von der Redaktion geändert) hat ein nettes, hübsches Gesicht, ist zierlich und 17 Jahre jung. Freundlich und höflich erschien die Heranwachsende mit dem Pferdeschwanz jetzt vor dem Jugendgericht Norderstedt. Die Anklage: Körperverletzung. Diese junge Frau hat ohne Vorankündigung eine Gleichaltrige attackiert? Schwer zu glauben.

„Die Anklage stimmt so. Es ist mir ziemlich peinlich, und es tut mir alles leid“, flüsterte die Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, zu später Stunde in einer langen Diskotheken-Nacht in Henstedt-Ulzburg eine Bekannte mehrmals am Hals gepackt zu haben. Bei der folgenden Rangelei soll sie dann das Armband ihrer Kontrahentin verbogen haben.

Die Angeklagte kann sich an die Tat kaum noch erinnern

Sie könne sich an diese Auseinandersetzung im vergangenen April kaum noch erinnern, gestand Alina S. Mehrere Mischgetränke, denen Wodka den Geschmack gab, waren der Grund. „Ich habe vorher und seitdem nie mehr so viel getrunken“, räumte sie ein. Die Polizei stellte damals 0,7 Promille Alkohol im Blut fest.

Sie habe sich damals Mut angetrunken, denn die Gleichaltrige, bei der Alina S. handgreiflich wurde, habe sie im Lauf des feucht-fröhlichen Abends mehrmals grundlos beleidigt. „Irgendwann“, erinnerte sich die junge Frau, „sei dann der Punkt gekommen, wo bei mir der Kragen geplatzt ist.“ Ein ärztliches Attest bescheinigte dem Opfer Schürfwunden am Hals und am Arm. Alkoholgehalt zur Tatzeit bei ihr: 1,6 Promille. Bei den Ermittlungen zuvor kam heraus, dass das Opfer psychisch angeschlagen ist. Dass sie die Angeklagte an diesem Abend zuvor mehrfach beleidigt habe, stritt sie in den Vernehmungen ab. Im Übrigen habe sie Angst vor Alina S. und lehne deshalb jedes Vermittlungsgespräch seitens der Gerichtshilfe Kiel mit ihr ab.

Auf Vorschlag der Staatsanwaltschaft entschied Jugendrichterin Claudia Naumann, das Verfahren gegen Alina S. einzustellen. Allerdings muss die Heranwachsende einen Entschuldigungsbrief an ihr Opfer schreiben. Diesen Brief möchte die Richterin aber vorher „absegnen“. Außerdem hat Alina S. 50 Euro an ihr Opfer zu zahlen. So viel kostet ein neues Armband.