Norderstedt
Bildung

Fachhochschule für die Stadt Norderstedt?

Wenn die Idee einer Fachhochschule umgesetzt werden kann, könnte es in Norderstedt schon bald so aussehen wie an der Universität Leipzig

Wenn die Idee einer Fachhochschule umgesetzt werden kann, könnte es in Norderstedt schon bald so aussehen wie an der Universität Leipzig

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Die Stadt und auch der Kreis Segeberg wollen die Ausbildung von sozialen Berufen deutlich aufwerten und selbst übernehmen.

Norderstedt.  Kürzlich hat es Norderstedt wieder probiert. Zweimal sogar suchte die Verwaltung per Ausschreibung nach Erzieherinnen für die Kita Sternschnuppe in Glashütte. Das Ergebnis: ernüchternd. Nicht eine Bewerbung ging ein. Kein Wunder, dass die Stadt die Ausbildung der so dringend benötigten Fachkräfte so schnell wie möglich selbst übernehmen möchte. Der praktische Teil in einer kommunalen Kita, die Theorie im örtlichen Berufsbildungszentrum, dieses Pilotprojekt wurde im vergangenen Sommer politisch beschlossen.

Umland müsste sich an einer Erzieherschule beteiligen

Sozialdezernentin Anette Reinders klingt bewusst zurückhaltend, als sie auf den Stand der Dinge angesprochen wird. „Wir sind dabei, uns die praxisorientierte Ausbildung konzeptionell anzugucken.“ Der ursprünglich anvisierte Beginn im Kitajahr 2018/2019 wurde aber verschoben. Das Problem: „Pro Jahrgang bräuchten wir mindestens 20 Schüler. Wir haben 36 Einrichtungen in Norderstedt, aber die ganz kleinen werden nicht mitmachen.“ Das heißt: „Wir müssen uns mit den Umlandgemeinden in Verbindung setzen.“

Denn damit eine dreijährige Ausbildung etabliert werden kann, sollten Orte wie Henstedt-Ulzburg, Quickborn oder Tangstedt sich beteiligen, findet Norderstedt. Die Kosten könnten dann zudem geteilt werden – denn das geplante Modell würde bedeuten, dass die Fachkräfte eine Vergütung erhalten. Im Umland ist oft zu hören, dass es keinen Sinn mache, Stellen auszuschreiben, wenn parallel auch Norderstedt Bedarf hat. Die größte Stadt des Kreises wiederum hat ihren eigenen Standortnachteil. „Hamburg nimmt uns die Mitarbeiter weg, weil dort besser gezahlt wird“, sagt Anette Reinders. „Aber es gibt auch Erzieher, die in den ländlichen Bereich gehen, weil dort die Mieten günstiger sind.“

Irgendwie gibt es also nur Verlierer. 100 Kinder mehr als prognostiziert, das müssen die Norderstedter Kindertagesstätten irgendwie in diesem Jahrgang bewältigen. Langfristig wird es nicht einfacher, dafür genügt ein Blick auf die Neubaugebiete.

Zeit also, eine große Lösung zu wagen. Und wo Norderstedt eine Erzieherschule vorbereitet, geht die Kreispolitik deutlich weiter. Vor Weihnachten fasste der Kreistag einen Beschluss, wonach die Machbarkeit einer Fachhochschule geprüft werden soll. Den Antrag hatte die „Wi-Se“ (Wählerinitiative Segeberg) eingebracht, eine junge Wählergemeinschaft aus ehemaligen Mitgliedern von CDU, Grünen und Piraten. Maren Berger, die bildungspolitische Sprecherin – übrigens eine Norderstedterin – und bis kürzlich bei den Grünen, erklärt die Beweggründe. „Die Gesellschaft wird immer mehr durch die Gesellschaft getragen werden.“ Deswegen seien soziale Berufe die Zukunft. „Wir haben landesweit im Kreis Segeberg den größten Altenheimanteil. Schleswig-Holstein ist aber das einzige Bundesland, das keine Fachhochschule für Pflege hat.“

Fachhochschule könnte zwei Standorte haben im Kreis

Und eine solche FH könnte zwei Züge beinhalten. Pflege und Erziehung. Niederlassungen möglicherweise in Bad Segeberg – dem Gesundheitsstandort – und Norderstedt als Kommune mit der umfangreichsten Kinderbetreuung. Ein weiteres Argument nennt Berger: Über die Flüchtlingsbetreuung gebe es immer mehr Quereinsteiger in pädagogische Berufe, die ebenso fortgebildet werden könnten mit Studiengängen, die der Klientel angepasst wären.

Landrat Jan Peter Schröder zeigte sich der Idee gegenüber aufgeschlossen, die Verwaltung wird nun so schnell wie möglich Rahmenbedingungen prüfen. Dazu gehören dann mögliche Studiengänge, der finanzielle Bedarf, die Standortfrage und ein Gespräch mit dem Bildungsministerium, ob es überhaupt eine Chance auf Genehmigung gibt. Norderstedt blitzte in Kiel bereits einmal ab. „Das Land hat gesagt: Wir lassen keine weitere Fachhochschule zu, wollen keinen weiteren Hochschulstandort. Da müsste Bewegung reinkommen“, sagt Anette Reinders. „In Norderstedt wäre auf jeden Fall Potenzial für eine FH.“