Norderstedt
Quickborn

Bonhoeffer-Gymnasium schafft Klassenzimmer ab

Schulleiter Manfred Brandt mit Mittelstufenleiterin Kerstin Thomsen im neuen abgetrennten Aufenthaltsbereich für die siebten bis neunten Klassenstufen

Schulleiter Manfred Brandt mit Mittelstufenleiterin Kerstin Thomsen im neuen abgetrennten Aufenthaltsbereich für die siebten bis neunten Klassenstufen

Foto: Burkhard Fuchs

Schule stellt aufs Kabinettsystem um: Alle Räume werden Lehrern zugeordnet, Schüler haben jede Stunde an einem anderen Ort Unterricht.

Quickborn.  Großes Stühlerücken im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Quickborn. Den ganzen Vormittag wuselten am Montag die 630 Schüler und 51 Lehrer durch die Schule, schleppten Kartons mit Büchern hin und her, bemalten und dekorierten die Räume und bohrten und schraubten Bücherborde an die Wand. Grund für diese handwerklichen Arbeiten an der Oberschule war das neue Raumprogramm, das jetzt für zunächst zweieinhalb Jahre getestet wird. Danach gibt es an der Schule keine Klassenräume mehr. Die Schüler wechseln für jede Unterrichtsstunde in den Raum, der jetzt jedem einzelnen Lehrer für sein Fachgebiet zugeteilt worden ist.

„Dieses neue Kabinettsystem“, wie es Schulleiter Manfred Brandt bezeichnet, „bietet jedem Lehrer die Möglichkeit, seinen Fachraum individuell zu gestalten.“ Jeder Lehrer habe für seinen Raum die volle Verantwortung, wie er aussehen soll, welche Hilfsmittel, Karten oder Plakate er an die Wand hängen möchte oder wie die Sitzordnung sein soll, erklärt der Schulleiter. Die Schüler seien aktiv an der Gestaltung beteiligt. „Der Raum wird so zu einem eigenen pädagogischen Hilfsmittel“, sagt Brandt.

Die meisten Schulbücher bleiben in den Fachräumen

So malten Lina Rolfes, Lena Bartöck und Annika Sieling aus der 7c feinsäuberlich eine große Weltkarte an die Wand des neuen Geologieraumes, während Lion Bogen aus der Oberstufe mit anderen Schülern die Borde für die Atlanten an die Wand schraubte. Denn ein weiterer großer Vorteil dieses neuen Fachraum-Systems sei es, dass künftig die meisten Bücher in der Schule, in den jeweiligen Fachräumen, bleiben könnten. „Das entlastet vor allem die jüngeren Schüler, die nun viel weniger Gepäck in ihren Schulranzen haben werden“, erklärt Matthias Junge, der das Kabinett-Projekt an der Schule leitet. Dafür wurden auch mehr als 1000 Bücher neu angeschafft, die nun als Präsenzbibliothek in der Schule bleiben. Engagierte Mütter wie Angelika Csenteri und Dagmar Tittel halfen eifrig dabei mit, die neuen Bücher in Folien einzuschlagen.

Richtig gemütlich machte es sich in ihrem neuen Englisch-Raum Lehrerin Annette Berg. Sie hängte eine große US-Fahne an die Wand und ließ die Schüler lustige Sprüche auf Englisch formulieren. „Jetzt fehlen nur noch Ohrensessel und Teppich, wenn ich den Schülern etwas vorlese,“ sagte die Lehrerin.

Voll auf das neue System hat sich auch Lehrerkollege Ulf Brekenfelder eingestellt. An die Wände hat der große Fan der britischen Insel die Flaggen von England, Irland und Schottland und sogar den Windsors gehängt. In einer Ecke lacht Harry Potter vom Plakat, und ein paar Plastikschwerter laden zum Spaßduell. In der anderen Ecke hat er eine kleine Sitzecke aufgebaut, mit dem Union-Jack an der Wand und einer Maggie-Thatcher-Puppe auf dem Tisch. „Hier kann ich jetzt ganz individuell auf meine sieben Klassen mit ihren zwölf bis 26 Teilnehmern eingehen“, sagt der Englisch- und Geschichtslehrer.

Die Schüler halfen überall eifrig mit, obwohl sie nicht alle sofort vom neuen System überzeugt waren wie Oberstufenschüler Lion Bogen. „Ich war anfangs etwas skeptisch, weil wir ja jetzt Pausenzeit verlieren.“ So müssten die Schüler ja nun ständig in den Pausen zum nächsten Unterrichtsraum laufen. Mit einer Verstärkung des 90-Minuten-Block-Unterrichts soll dieses Hin- und Herlaufen bald auf ein Minimum beschränkt werden, kündigt Schuldirektor Brandt an.

Auch der alte Medienraum wurde aufgeräumt und mit einem großen Tisch versehen, damit die Schülerzeitungsgruppe hier nun ihre Konferenzen abhalten kann. Im PC-Arbeitsraum gibt es eine Ecke mit Fachzeitungen und wichtigen Infos. Der Mittelstufentrakt im Flur ist nun nach Jahrgangsstufen aufgeteilt, damit sich die Schüler hier wie zu Hause fühlen können. Mittelstufenleiterin Kerstin Thomsen; „Die bauen sich hier richtige kleine Höhlen.“