Norderstedt

Wieder ein neuer Rekord bei SE-Kennzeichen

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Michael Schick
Besondere Kennzeichen sind beliebt: Sascha Emmel vom gleichnamigen Schilderhersteller in Norderstedt freut sich

Besondere Kennzeichen sind beliebt: Sascha Emmel vom gleichnamigen Schilderhersteller in Norderstedt freut sich

Foto: Michael Schick

Bestmarke aus dem Vorjahr übertroffen. In Norderstedt stagniert die Zahl, obwohl die Bevölkerung wächst

Norderstedt.  Immer mehr Autos sind im Kreis Segeberg unterwegs. Die Zahl der Zulassungen steigt seit Jahren kontinuierlich, wie aus der Statistik der Zulassungsstelle hervorgeht, und hat nach dem Rekord im Vorjahr eine neue Bestmarke erreicht. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der privaten Stellplätze in Norderstedt. Das zeigt sich aktuell an der Diskussion um das Neubaugebiet Grüne Heyde. Dort will die SPD den Bewohnern überhaupt keine Parkplätze vor ihren Wohnungen und Häusern gewähren. Auch die Verwaltung will das Verhältnis von Stellplätzen zu Wohnungen minimieren – die Stadt will damit die Mobilität verändern, weg vom Auto hin zu Carsharing, Radverkehr und mehr öffentlichem Nahverkehr.

226.164 Fahrzeuge waren zum Jahreswechsel bei der Zulassungsstelle für den Kreis Segeberg registriert, 3652 mehr als ein Jahr zuvor. Pkw stellen mit 160.583 den Löwenanteil, gefolgt von Anhängern (29.501), Lkw (18.208) und Motorrädern (15.045). Der Rest entfällt auf Sonderfahrzeuge und Busse. Die Steigerung von 1,64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt etwas unter dem Bundesschnitt, in den Vorjahren nahm die Zahl der Fahrzeuge jeweils um rund zwei Prozent pro Jahr zu. Ende 2006 lag der Fahrzeugbestand noch bei gut 193.000.

„Der Zuwachs lässt sich dadurch erklären, dass mehr Menschen in den Kreis ziehen und die Einwohnerzahl wächst“, sagt Bernd Gaden, Leiter der Zulassungsstelle. In Norderstedt stagniert die Zahl der Fahrzeuge. 56.886 waren zum Jahreswechsel zugelassen, 222 mehr als vor einem Jahr. Bei den Pkw stieg der Bestand innerhalb des vorigen Jahres von 44.631 auf 44.667 um gerade mal 66 oder 0,15 Prozent, weit unter Bundes- und Kreisschnitt.

In der einstigen Autostadt, in der noch vor mehr als einem Jahrzehnt gleich hinter Rüsselsheim die meisten Autos pro Einwohner in Deutschland gezählt wurden, scheint sich die Situation zu wandeln. Norderstedt erlebt einen Mobilitätswandel, das Auto verliert im Vergleich zu Bus, Bahn und Fahrrad an Dominanz und Attraktivität, denn: Bei steigender Einwohnerzahl stagniert der Fahrzeugbestand und ist im Vergleich zur Hochzeit des Autoverkehrs Anfang des Jahrtausends sogar gesunken: 2001 waren bei der Zulassungsstelle in der Kreisstadt noch 65.000 Fahrzeughalter gemeldet.

„Eine Interpretation der Daten ist natürlich immer ein Stück weit Spekulation. Aber es könnte durchaus sein, dass unsere Offensive für eine Mobilität ohne Auto wirkt“, sagt Nicolai Steinhau-Kühl (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr. Auch sein fachpolitischer Kollege von der CDU, Peter Holle, erklärt das offenbar nachlassende Interesse der Norderstedter mit dem Ausbau der umweltverträglichen Alternativen. Die Radwege wurden und werden ausgebaut, das Radparkhaus am Rathaus bietet Sicherheit und Schutz, Busse fahren häufiger, das Leihrad-System nextbike wird kontinuierlich erweitert, genauso wie das Carsharing-Angebot. Erst im September hat Car2go sein Geschäftsgebiet von Hamburg auf Norderstedt-Mitte erweitert. Wer in Hamburg in eins der Car2go-Modelle steigt, kann es zwischen Friedrichsgaber Weg/Ecke Rathausallee im Westen, Ulzburger Straße im Osten, Buckhörner Moor, Heidbergstraße und Rüsternweg im Süden bis oberhalb des Spectrum-Kinos im Norden wieder abstellen.

Neben dem Ausbau der alternativen Mobilität kann auch die demographische Entwicklung eine Rolle spielen. Die Menschen werden älter, so mancher Senior gibt seinen Führerschein zurück. Die Jungen geben ihr Geld lieber für Smartphones, Wohnen oder Fitness aus. Wer urban wie in Norderstedt wohnt und Bus und Bahn vor der Haustür hat, braucht kein Auto wie im ländlichen Bereich.

„In jedem Fall müssen wir den Verzicht aufs Auto noch attraktiver machen“, sagen Holle und Steinhau-Kühl. Die Busse müssten gerade in den Randbereichen der Stadt häufiger fahren, Holle hält Kleinbusse für attraktiv. Der Anfang ist gemacht: Die Stadtwerke haben angekündigt, die Zahl der Ladestationen für Elektro-Autos in diesem Jahr massiv zu erhöhen.

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