Kreis Segeberg

Das planen Henstedt-Ulzburg und das Amt Kisdorf

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Christopher Herbst
Das Zentrum von Henstedt-Ulzburg mit Rathaus und CityCenter Ulzburg

Das Zentrum von Henstedt-Ulzburg mit Rathaus und CityCenter Ulzburg

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf

Agenda-Serie: In der Großgemeinde sollen mehrere zentrale, aber in der Bevölkerung umstrittene Zukunftsprojekte vorangebracht werden.

Kreis Segeberg.  Die Gemeindeentwicklung in allen Facetten wird Henstedt-Ulzburg auch 2018 beschäftigen. Intensive Diskussionen inbegriffen. Die Rewe-Ansiedlung, die neue Stromtrasse („Ostküstenleitung“), der Ausbau der Wilstedter Straße, das Wagenhuber-Gelände – diverse Großprojekte könnten und sollen auch in diesem Jahr entscheidend vorangebracht werden. Es ist das größte Gewerbeprojekt aller Zeiten für den Ort – die geplante Ansiedlung von Rewe mit seinem Regionalstandort für den Norden samt Logistik- und Schulungszentrum. Rund 900 Arbeitsplätze sollen entstehen, teils sind es bereits bestehende Jobs, aber mittelfristig wohl auch mehrere Hundert neue. Nachdem das Oberverwaltungsgericht in letzter Instanz einen Einspruch der Bürgerinitiative ablehnte, es also keinen Bürgerentscheid über die Gewerbestruktur geben wird, ist aus Sicht der Verwaltung der Weg frei. Am 8. Januar wird die erneute Auslegung der Änderung des Bebauungsplans 146 beendet sein. Sehr bald könnte dann der Satzungsbeschluss erfolgen und anschließend die Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrages mit Rewe. Der Handelskonzern soll sich darin auch verpflichten, seine Lkw nicht durch den Ort fahren zu lassen. Die Bauarbeiten könnten bereits in diesem Jahr beginnen. Die „Ostküstenleitung“, eine 380-Kilovolt-Stromtrasse, soll den Ortsteil Ulzburg durchqueren – und zwar unterirdisch als Erdkabel-Pilotprojekt unter den Pinnauwiesen. Fast unisono wollen das Politik und Verwaltung zwar verhindern, haben auch eine Klage angekündigt. Nur: Die propagierte Alternativ-Route entlang der A-20-Trasse ist für das Land keine Option, sondern lediglich die Bestandstrasse. Dann würden neue Strommasten im Rantzauer Forst gebaut. Das will ebenso niemand. Die Gemeinde befindet sich in einer Zwickmühle. Der Netzbetreiber Tennet hat derweil immer noch keinen Planfeststellungsantrag gestellt, der genaue Zeitplan ist also sehr vage.


3 Das „Integrierte Gemeinde-Entwicklungskonzept“ ist nicht nur ein Wortungetüm, sondern auch als Vorhaben ein Kraftakt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen sämtliche Bereiche analysiert werden, sodass ein Zukunftsplan aufgestellt werden kann: Wohnen, Sozialstruktur, Wirtschaft und Einzelhandel. Jeder Akteur, ob nun ein Verein oder eine Privatperson, darf sich einbringen. Maximale Öffentlichkeit ist erwünscht. Die Verwaltung wird deswegen die Einrichtung eines Sonderausschusses vorschlagen.


4 Kreisverkehr: CDU und BfB haben im letzten Herbst mit ihrer Mehrheit den Bau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Kisdorfer Straße/Bürgermeister-Steenbock-Straße in der Planung verankert. Allerdings muss das Verfahren mit einer ebenso vorgesehenen Hinterlandbebauung koordiniert werden.


5 Kommunale Kitas: „Es ist die größte Aufgabe, die wir vor uns haben“, so nennt Bürgermeister Stefan Bauer die Neuorganisation der zehn kommunalen Kitas, die gemäß des Bürgerentscheides zum 1. Januar 2019 ein Eigenbetrieb werden sollen. Im Frühjahr sind die Stellenpläne und die Betriebssatzung voraussichtlich Thema in der Politik, es werden dann die Stellen der Werksleitung und der pädagogischen Leitung ausgeschrieben. Parallel sind mehrere Kitas in externer Trägerschaft geplant. Am Schäferkampsweg ist das Verfahren am weitesten, hier wird das Deutsche Rote Kreuz eine Einrichtung mit 90 Plätzen bauen. Für eine Fläche am Dammstücken laufen die Gespräche mit Interessenten, das Rauhe Haus möchte perspektivisch an der Wilstedter Straße bauen – zudem soll auch in das Wohngebiet auf dem ehemaligen Wagenhuber-Gelände eine Kita integriert sein. Investiert wird in ein neues Dach für die Kita am Wöddel (260.000 Euro).


6 Das Alstergymnasium ist, was die Bausubstanz angeht, nicht mehr zeitgemäß. Doch die Frage, ob die Schule, an der mehr als 1000 Kinder und Jugendliche von 90 Lehrern unterrichtet werden, saniert oder gleich abgerissen und neugebaut werden soll, ist knifflig. Es geht um das Geld, eine Investition von vielleicht 30 bis 40 Millionen Euro. Aber auch darum, wo eigentlich der Unterricht während einer mehrjährigen Bauphase ungestört stattfinden könnte. Schließlich hat die Gemeinde nur dieses eine Gymnasium. Zumindest grundsätzlich soll die Zukunft in diesem Jahr geklärt werden. Davon unabhängig müssen die Schultoiletten saniert werden (206.000 Euro), der Rasen- wird in einen Kunstrasenplatz umgewandelt (500.000 Euro).


7 Das geplante Wohnquartier auf dem Wagenhuber-Gelände im südlichen Rhen ist noch in einem frühen Stadium, doch die zentralen Parameter müssen 2018 beschlossen sein. Es geht um eine Abgrenzung zur Friedrich-Hebbel-Straße, um die Anbindung an die Norderstedter Straße, um eine Lärmschutzwand, eine Kita und um Pkw-Stellplätze. Nicht ausgeschlossen ist, dass aus der Nachbarschaft ein Bürgerbegehren initiiert wird, um das Projekt zu verhindern.


8 Die überarbeitete Planung für den Ausbau der Wilstedter Straße dürfte vom Wege-Zweckverband – dem Baulastträger – im Januar vorgelegt werden. Der endgültige Beschluss wird nach der Sommerpause erwartet. „Die Bürgerinitiative soll einbezogen werden“, verspricht Bürgermeister Bauer. Vor der Paracelsus-Klinik wird es eine 300 Meter lange 30km/h-Zone geben. Dazu hat die Gemeinde beim Kreis die Installation eines festen Blitzers beantragt.


9 Die Soka-Bau als Eigentümerin der Immobilien will die Reihenhausbebauung am Beckersbergring durch Geschosswohnungsbau ersetzen. Die größte Frage ist, was das für die Mieter bedeutet. Deren soziale Sicherheit soll garantiert sein, darauf pochen Politik und Verwaltung. Auch hier ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Bürgerbegehren kommt, um gegebenenfalls eine reduzierte Bebauung zu erreichen.


10 An der Lindenstraße (86.000 Euro) und am Kirchweg (97.000 Euro) sind neue Flüchtlingsunterkünfte geplant mit „höherer Qualität als reine Schlichtwohnungen“, heißt es – gerade an der Lindenstraße vorrangig für Familien.


11 Kanalisation: Der Rohrbruch an der Edisonstraße hat es gezeigt: Sukzessive muss die Kanalisation erneuert werden. Hierfür wird für die nächsten Jahre mit Kosten von 6,5 Millionen kalkuliert. Um das zu koordinieren, soll möglichst ein Kanalkataster mit Sanierungsplan erstellt werden. Dazu könnten die Maßnahmen auch mit Straßenausbauarbeiten kombiniert werden.


12 Die Feuerwehr erhält ein neues Löschfahrzeug (346.000 Euro) und eine Drehleiter (690.000 Euro).


13 Die Sportanlage an der Bürgermeister-Steenbock-Straße bekommt eine Lärmschutzwand (150.000 Euro), der Kunstrasen (80.000 Euro) wurde auf 2019 geschoben.


14 107 Stellplätze für Autos, 145 für Fahrräder – das wird am AKN-Bahnhof Meeschensee entstehen. Hierfür wird ein 1,5 Hektar großes Wäldchen abgeholzt. Die Kosten (723.000 Euro) werden weitgehend über Fördermittel getragen, dazu beteiligen sich Henstedt-Ulzburg, Quickborn und Norderstedt mit jeweils 65.000 bis 68.000 Euro.

PROJEKTE IM AMT KISDORF

15 Kisdorf
Der Etzberg wird in zwei Abschnitten auf 400 Meter Länge ausgebaut (600.000 Euro). Erstmals werden die Kosten über wiederkehrende Beiträge von Grundstückseigentümern im ganzen Ort getragen.
16 Südlich des Stocksbergs und westlich der Winsener Straße will die Gemeinde ein neues Feuerwehrhaus und einen neuen Bauhof bauen für zusammen 2,4 Millionen Euro. Die bisher genutzten Flächen im Ort stehen dann mittelfristig für Wohnbebauung zur Verfügung. Auch die Ole School könnte perspektivisch für diesen Zweck abgerissen werden. „Uns fehlen Unterkünfte für Kita-Mitarbeiter und Pflegekräfte. Die können hier nicht preiswert wohnen“, sagt Bürgermeister Reimer Wisch.


17 Wakendorf II
Die Gemeinde erschließt ein neues Baugebiet nördlich der Straße An den Linden und östlich der Kisdorfer Straße. Vermarktet werden die 20 Bauplätze in Eigenregie, das Interesse ist groß. Die Sanierung der Kanalisation wird fortgeführt (120.000 Euro).


18 Stuvenborn
Ein neues Baugebiet für bis zu 15 Häuser wird ausgewiesen, die Fläche aber erst nach Abschluss der Kaufverhandlungen bekannt gegeben. Dazu wird die Gemeinde ein Grundstück für ein neues Feuerwehrhaus erwerben.


19 Sievershütten
Die neue, im Verbund mit Hüttblek und Stuvenborn realisierte Sporthalle soll zum Schuljahr 2018/2019 eröffnet werden. Das 2,4 Millionen Euro teure Projekt wurde vom Land mit einem zinsgünstigen Darlehen (1,17 Millionen Euro) unterstützt. Ein Teil der Rendsbek, die bisher durch Rohre läuft, wird renaturiert (160.000 Euro). Ein neues Baugebiet für bis zu 30 Einzelhäuser ist in Planung, die Realisierung übernimmt dann die Landgesellschaft.


20 Hüttblek
Am Hüttmannsweg entsteht ein Baugebiet mit acht Grundstücken à 1000 Quadratmeter. Dazu will sich Bürgermeister Frank Timmermann für einen durchgehenden Radweg von Kattendorf bis Sievershütten einsetzen. Das Problem: Einige Landwirte müssten hierfür einen Teil ihrer Flächen freigeben.


21 Oersdorf
Die Feuerwehr bekommt ein neues Mehrzweckfahrzeug (80.000 Euro). In der Straße Am Sandberg werden der Gehweg und die Fahrbahn sowie der Regenwasserkanal erneuert.

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