Norderstedt

Er ist Weihnachtsmann mit Leib und Seele

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Burkhard Fuchs
Detailverliebt: Der gute liebe Weihnachtsmann hat eine Brille von 1920, einen Bart aus den USA, einen maßgeschneiderten Mantel und eine alte Laterne

Detailverliebt: Der gute liebe Weihnachtsmann hat eine Brille von 1920, einen Bart aus den USA, einen maßgeschneiderten Mantel und eine alte Laterne

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Ein Norderstedter Unternehmensberater wird seit 33 Jahren jeden Winter zum Mann in Rot – und das mit sehr viel Liebe zum Detail.

Norderstedt.  In der Vorweihnachtszeit und erst recht zu Heiligabend herrscht Hochkonjunktur für ihn. In Einkaufszentren, bei Firmenfesten und in den Familien mit kleinen Kindern ist er ein gern gesehener Gast und die Hauptattraktion des Abends: der Weihnachtsmann. Er bringt den Kindern in seinem Rucksack tolle Geschenke mit, redet ihnen und ihrem Verhalten zu den Eltern ins Gewissen – und er trägt immer einen roten Mantel und einen weißen Rauschebart.

Das Abendblatt sprach jetzt mit zwei Weihnachtsmann-Profis, die zu Heiligabend zahlreiche Kinder und junge Familien auch in Norderstedt beglücken. Einer ist Werner Killian aus Rellingen, der seit zehn Jahren in Hamburg eine Agentur führt, die jedes Jahr 20 Weihnachtsmänner beschäftigt, die allein zu Heiligabend jeweils rund ein Dutzend Termine und Geschenkübergaben zu absolvieren haben. Der andere nennt sich „der liebe gute Weihnachtsmann“ und ist seit 33 Jahren absoluter Profi im Weihnachtsgeschäft. Keiner nimmt den Weihnachtsmann-Auftritt wohl so ernst wie der Unternehmensberater, der seinen richtigen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Sein Outfit ist gewaltig. Die Brille ist fast 100 Jahre alt, erzählt der liebe gute Weihnachtsmann. Den Anzug habe ihm eine Schneidermeisterin maßgeschneidert. Der Bart sei ein originales Biberfell aus den USA. Und die Laterne hat er sich nach einem Modell aus dem Erzgebirge originalgetreu nachbauen lassen. „Das ist ein Unikat“, sagt der 61-Jährige, der sich in der Region rund um Norderstedt bestens auskennt.

Für seinen Job nimmt der Weihnachtsmann extra Urlaub

„Ich habe mich immer darüber geärgert, wie lieblos manche Weihnachtsmänner ihre Aufgabe nehmen.“ Das ist bei ihm nicht der Fall. Im Gegenteil. Akribisch, fast pedantisch, führt er seine Weihnachtsmannrolle aus. Er komme immer zweimal zu den Familien. Erst zum obligatorischen Vorgespräch mit den Eltern. „Das ist Pflicht und eine richtige Prozedur“, sagt er. Und dann natürlich zu Heiligabend, wo er die Geschenke aus dem verabredeten Versteck abholt.

Dann sei er aber vollständig gebrieft. Er weiß, wie die Kinder heißen, in welche Kitagruppe sie gehen, wer ihre Freunde sind. Über ihre Vorlieben ist er ebenso komplett ins Bild gesetzt wie über das Lieblingskuscheltier, Haustiere, den letzten Urlaub mit den Eltern oder wann das Schwimmabzeichen gemacht wurde. Über alle Probleme in Schule und zu Hause weiß er natürlich auch Bescheid. All das trägt er in sein goldenes Buch ein, das er dann zum Heiligabendtermin mitbringt und daraus vorträgt. Darin ist auch der handgeschriebene Wunschzettel geheftet, den das Kind zuvor an den Weihnachtsmann schreiben sollte. Er habe viele Stammkunden, sagt der liebe gute Weihnachtsmann, der sich extra wochenlang Urlaub nimmt. 75 Euro koste seine Dienstleistung einschließlich der beiden Termine und Fahrtkosten. „Manche nehmen 169 Euro dafür. Das halte ich für Kommerz pur.“

Am Weihnachtsabend komme es darauf an, in einen guten Dialog mit den Kindern zu treten, ein paar ermahnende Worte an sie zu richten. „Aber das Positive muss überwiegen“, sagt der Profi.

Das sagt auch Werner Killian, der mit seinen Weihnachtsmännern auch viele Norderstedter Familien beschenken wird. „Man ermahnt die Kinder, dass sie ihr Zimmer mal wieder aufräumen sollten. Aber man muss sie positiv ansprechen“, sagt der Mann, der nach Weihnachten wieder in seiner Firma für Schiffselektronik arbeiten wird. „Im September geht es mit den ersten Terminen los.“ Ursprünglich sei er aus Geldnot auf die Idee gekommen, Weihnachtsmann zu sein. Dann wurde die Nachfrage immer größer und er gründete die Vermittlungsagentur. Der Besuch seiner Weihnachtsmänner koste die Familien jeweils 68 Euro inklusive. Gute Weihnachtsmänner, die meist Studenten sind, kämen auf 200 bis 250 Euro am Heiligabend.

Vermittelt über die Arbeitsagenturen werden Weihnachtsmänner nur noch in Flensburg und Lübeck, sagt Gerold Melson von der für Norderstedt zuständigen Agentur in Elmshorn. „Das war zwar immer eine schöne Geschichte“, sagt Melson. „Aber es war ja nie eine Dauerbeschäftigung.“

Wer also noch einen Weihnachtsmann braucht, muss ihn im Internet buchen. Und zwar schnell. Viele sind schon ausgebucht. Der liebe gute Weihnachtsmann, der seinen Namen nicht nennen will, hat jetzt gerade in Neumünster etwas erlebt, was ihm in 33 Jahren nicht passiert ist. „Da hat mir ein sechs Jahre altes Mädchen einen Heiratsantrag gemacht“, sagt er gerührt. Er habe ihr dann gesagt: „Wenn du groß bist, kannst du meine Weihnachtsfrau werden. Du musst aber auch Rentiere mögen.“ Das habe die Kleine bejaht.

Informationen: www.der-liebe-gute-weihnachtsmann.de oder unter www.miete-einen-weihnachtsmann.de

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