Norderstedt
Prozess

Behördenmitarbeiter wegen Drogenhandels verurteilt

Nach der Urteilsverkündung hob das Gericht die Haftbefehle gegen die nicht vorbestraften Männer auf. Seit Mai 2017 saßen sie in U-Haft

Nach der Urteilsverkündung hob das Gericht die Haftbefehle gegen die nicht vorbestraften Männer auf. Seit Mai 2017 saßen sie in U-Haft

Foto: Michael Rauhe

Hasch und Kokain aus der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft: Angeklagte legen für Haftstrafen unter vier Jahren Geständnisse ab.

Kiel/Norderstedt.  Der im November eröffnete Prozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Kieler Staatsanwaltschaft, die über drei Jahre hinweg mit Drogen aus der Asservatenkammer gehandelt hatten, endete schneller als geplant: Wie ein Sprecher des Kieler Landgerichts auf Nachfrage bestätigte, gestanden die Angeklagten in der vergangenen Woche die Unterschlagung der teilweise aus Norderstedt stammenden Drogen. Sie wurden im Rahmen einer Verständigung zu Freiheitsstrafen unter vier Jahren verurteilt.

Das mildere Strafmaß von drei Jahren und vier Monaten trifft einen 61-jährigen Beamten, der im Lauf der Ermittlungen schon früh den Handel mit amtlich verwahrten Drogen in größerem Umfang eingeräumt hatte. Ohne sein Geständnis wären viele der 20 ursprünglich angeklagten Fälle kaum nachzuweisen gewesen. Beide Männer wurden wegen Drogenhandels in 16 Fällen und Bestechlichkeit in zehn Fällen verurteilt.

Einen Teil des Stoffes hatte wie berichtet im April 2016 ein Baggerführer bei Bauarbeiten in Alveslohe entdeckt. Die Norderstedter Kripo übersandte den brisanten Zufallsfund – 8,5 Kilogramm Haschisch in 34 Platten á 250 Gramm – nach Abschluss ihrer Ermittlungen an die Kieler Staatsanwaltschaft. Hier wurden die versiegelten, zur Verbrennung bestimmten Drogen von den Angeklagten in größere Portionen umgepackt.

Auf beide wartet ein Leben am Rande des Existenzminimums

Seine Kooperationsbereitschaft bescherte dem verbeamteten Dealer einen Vorteil gegenüber seinem angestellten Kollegen, der sich erst später zu den Taten bekannt hatte. Der 63-Jährige wurde zu drei Jahren und elf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil folgte einem „Deal“, auf den sich die Verteidiger mit dem Ankläger der Staatsanwaltschaft Itzehoe verständigt hatten. Nach der Urteilsverkündung hob das Gericht die Haftbefehle gegen die nicht vorbestraften Männer auf. Seit Mai 2017 saßen sie in Untersuchungshaft, jetzt dürfen sie die Weihnachtsfeiertage im Kreis ihrer Familien verbringen. Ihre Strafe müssen die Angeklagten voraussichtlich frühestens Ende Januar 2018 antreten. Wenn sie wieder entlassen werden, dürfte ein bescheidenes Leben am Rande des Existenzminimums auf sie warten.

Ohne das ungewöhnliche Strafverfahren hätten sich die langjährigen Amtsträger auf einen entspannten Lebensabend mit sicherer Pension oder Rente freuen dürfen. So aber verliert der 61-Jährige Beamtenstatus und Pension, seine Ruhestandsbezüge werden auf Rentenniveau zurückgestuft. Dazu kommt die vom Gericht angeordnete Vermögensabschöpfung in Höhe des Gewinns, den die Angeklagten als Dealer mit amtlich verwahrten Drogen mindestens erzielten.

Laut Urteil muss der seit 1986 bei der Anklagebehörde beschäftigte Beamte 104.000 Euro an den Staat abführen, sein angestellter Kollege 22.600 Euro. Sollten die Männer kein Geld haben, darf der Staat Vermögenswerte beschlagnahmen oder ihr Einkommen bis zur Pfändungsgrenze einziehen.