Norderstedt
Interview

Nach OB-Wahl: Was nun, Frau Rathje-Hoffmann?

Katja Rathje-Hoffmann, Ortsvorsitzende der CDU Norderstedt, hier als Abgeordnete im Schleswig-Holsteinischen Landtag

Katja Rathje-Hoffmann, Ortsvorsitzende der CDU Norderstedt, hier als Abgeordnete im Schleswig-Holsteinischen Landtag

Foto: CDU / HA

Die CDU-Ortschefin nimmt Stellung zur verlorenen Oberbürgermeisterwahl und zur Lage in der Partei vor der Kommunalwahl.

Norderstedt.  Die SPD hat die OB-Wahl mit ihrer Kandidatin Elke Christina Roeder klar gewonnen. CDU-Konkurrent David Hirsch musste sich geschlagen geben. Hat die Partei ihn zu wenig unterstützt? Warum haben die Christdemokraten es nicht geschafft, ihre Wähler zu mobilisieren? Das haben wir die Ortsvorsitzende und Norderstedter Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann gefragt.

Wo sehen Sie die Ursachen für die Niederlage?

Rathje-Hoffmann: Wir haben einen engagierten und guten Wahlkampf geführt und müssen uns da nicht hinter der SPD verstecken. Wir haben Spenden gesammelt und unseren Kandidaten professionell unterstützt. Es war ja auch nicht unser erster Wahlkampf. Dennoch ist es uns nicht gelungen, unsere Wähler ausreichend zu mobilisieren.

Die interne Stichwahl zwischen Peter Holle und David Hirsch, bei der Hirsch knapp gewonnen hat, hat die CDU gespalten. Fehlte dadurch die breite Unterstützung für Hirsch?

In der ersten Zeit nach diesem Duell gab es sicher einige, die mit dem Ergebnis dieser demokratischen Wahl nicht einverstanden waren. Aber im Laufe des Wahlkampfes hat sich die Situation verändert, in den letzten Wochen standen die gesamte Partei und Fraktion geschlossen hinter unserem Kandidaten.

Wie weit sehen Sie sich als Vorsitzende der Norderstedter CDU in der Verantwortung für die Niederlage?

Ich habe mir nichts vorzuwerfen und den Wahlkampf zusammen mit dem Team professionell organisiert und über die Bühne gebracht. Es ist uns ja auch noch gelungen, mit Ministerpräsident Daniel Günther einen prominenten Unterstützer zu gewinnen.

Da der Name fällt: Hat er schon angerufen – und müssen Sie sich gegenüber dem Vorstand der Nord-CDU rechtfertigen?

Ich habe gestern mit ihm gesprochen, und wir sind beide sehr enttäuscht. Natürlich werden wir auch noch im Vorstand über die Wahl sprechen, aber dem Gespräch sehe ich gelassen entgegen. Wahlen zu verlieren, ist natürlich enttäuschend, gehört aber auch zum Politiker-Leben in einer Demokratie. Und schließlich geht ja nun auch die Welt nicht unter, nur weil es einen Wechsel in der Führungsetage im Rathaus gegeben hat.

Wenn es nicht an fehlender Unterstützung lag, lag es am Kandidaten?

Nein, überhaupt nicht. David Hirsch hat einen fundierten und kompetenten Wahlkampf gemacht und viele überzeugt. Das zeigt sich ja schon daran, dass die FDP eine offizielle Wahlempfehlung für unseren Bewerber ausgesprochen hat. Wir werden die Ursachen der Niederlage noch erforschen müssen, so weit das überhaupt geht. Zum Schluss war es weniger eine inhaltliche als vielmehr eine personelle Auseinandersetzung, eine Personenwahl. Und da könnte es sein, dass viele lieber eine Frau an der Verwaltungsspitze haben wollen.

Nun muss die CDU als stärkste Fraktion in der Stadtvertretung mit einer SPD-Oberbürgermeisterin klarkommen. Was bedeutet das für die künftige politische Arbeit?

Wir werden die Arbeit der neuen Verwaltungschefin kritisch begleiten und sehr genau beobachten, ob und was sie von ihren Wahlversprechen auch wirklich umsetzt. Und wir werden uns jetzt auf die Kommunalwahl im Frühjahr konzentrieren, um mit einem schlagkräftigen Team wieder die Mehrheit zu holen.

Da müssen wir nochmal auf den Riss zurückkommen, der durch die Partei geht...

Diesen Riss gibt es nicht. Wir werden am Freitag die Listenkandidaten für die Kommunalwahl wählen und haben dazu einstimmig einen Entwurf im Ortsvorstand beschlossen, der auch von der Fraktion mitgetragen wird. Unser Vorschlag sieht ein deutlich verjüngtes Team mit einem ausgewogenen Anteil an Männern und Frauen vor. Folgen die Mitglieder unserer Liste, können wir sehr optimistisch in den nächsten Wahlkampf ziehen.

Mit der Ortsvorsitzenden Katja Rathje-Hoffmann?

Aber natürlich. Die Arbeit macht mir trotz des Wahlergebnisses noch immer viel Spaß, und ich sehe den Herausforderungen der nächsten Zeit mit Freude entgegen.