Norderstedt
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Die Energiewende zum Anfassen und Mitmachen

Professor Werner Beba (l.) und Erster Werkleiter Jens Seedorff erklären Norderstedts Stadträtin Anette Reinders, wie sie zu Hause Strom sparen könnte

Professor Werner Beba (l.) und Erster Werkleiter Jens Seedorff erklären Norderstedts Stadträtin Anette Reinders, wie sie zu Hause Strom sparen könnte

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Stadtwerke Norderstedt zeigen in ihrem neuen Technik-Center an der Heidbergstraße, wie Haushalte Strom sparen können.

Norderstedt.  Energieversorgung zum Anfassen bietet jetzt das neue Technik-Center der Stadtwerke Norderstedt an der Heidbergstraße. Auf 450 Quadratmetern können sich im früheren und umgestalteten Service-Center von wilhelm.tel die Norderstedter über alle Fragen rund ums Stromsparen und die moderne Energieversorgung der Zukunft informieren.

Ein Großteil der ausgestellten Geräte, Produkte und digitalen Programme befasst sich mit dem Thema der Energiewende, warb Erster Werkleiter Jens Seedorff für diesen für jedermann zugänglichen neuen Schauplatz des städtischen Unternehmens. Denn mit 60 anderen Partnern aus der Energiewirtschaft in Hamburg und Schleswig-Holstein seien die Norderstedter Stadtwerke an einem vom Bund geförderten Forschungsprojekt beteiligt, das für 130 Millionen Euro wissenschaftlich untersuchen soll, wie Deutschland seine Energieversorgung aufrechterhalten kann, wenn demnächst alle Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

Vor allem gehe es darum, den in Schleswig-Holstein erzeugten Windstrom von der Nordseeküste so zu den Industriezentren nach Hamburg zu leiten, dass möglichst wenig Energie verloren geht, erklärte Professor Werner Beba vom Kompetenz-Zentrum für Erneuerbare Energien der Uni Hamburg, der das Forschungsprojekt leitet. „Zurzeit verpufft so viel erzeugter Windstrom, womit drei Millionen Haushalte im Jahr versorgt werden könnten.“

Spätestens wenn im Jahr 2050 etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebt, müsste diese Arbeitsteilung der Energieerzeugung auf dem Land mit dem Verbrauch in der Stadt synchronisiert sein, forderte Beba. Sonst sei das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, den Temperaturanstieg auf der Erde bis dahin auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, nicht mehr zu halten – die Klimaveränderungen und Naturkatastrophen würden für den Menschen fatale Folgen haben. Dafür werde jetzt zum Beispiel insbesondere mit dem technischen Know-how des Norderstedter Glasfaser-Pioniers wilhelm.tel untersucht, wie sich in Sekundenschnelle anbahnende Schwankungen im Stromnetz innerhalb weniger Stunden beheben ließen.

Auch der Konsument könnte durch einfache Maßnahmen dazu erzogen werden, dass er zu bestimmten Zeiten seine Waschmaschine anstellt. In Norwegen werde dies über den Preis geregelt, führte Beba aus. „Da kostet der Strom am Sonntag fast nichts – alle laden ihre E-Autos auf.“

Aber auch ganz konkrete Ansatzpunkte für den Verbraucher ließen sich in dem Technik-Center finden, führte Werkleiter Seedorff aus. Eine Ausstellung mit konkreten Vorschlägen zeige auf, wie jeder Privathaushalt mit einfachen Mitteln 30 Prozent seines Energieverbrauchs einsparen könnte. Auch kleine Blockheizkraftwerke sind ausgestellt, die heute Platz in jedem Keller fänden. Die Stadtwerke selbst seien hier mit gutem Beispiel vorangegangen, indem sie seit 2008 16 Blockheizkraftwerke gebaut hätten, die inzwischen ein Drittel des Norderstedter Strombedarfs abdeckten, sagte Seedorff.

Auch die voll digitalisierte Küche der Zukunft ist hier mit all ihren neuen Facetten und wunderbaren Möglichkeiten ausgestellt. So kann der vollkommen vernetzte Verbraucher überall und ständig mit seinen elektronischen Geräten kommunizieren, die über den neuen Industriestandard 4.0 verfügen. „Das hat den Vorteil, wenn ich beim Einkaufen bin, dass ich mit meinem Smartphone in der Hand über die installierte Kamera noch vom Supermarkt aus sehen kann, ob noch Milch in meinem Kühlschrank ist“, zeigte sich Norderstedts Stadträtin Anette Reinders von dieser Aussicht besonders angetan.

Zudem sollen im neuen Technik-Center künftig alle Sitzungen des Werkausschusses der Stadtvertretung tagen, damit hier offen für jedermann in einer Art Schaufenster transparent und offen darüber diskutiert werden kann, wie Norderstedts Energieversorgung der Zukunft aussehen soll, kündigte Werkleiter Seedorff an.