Norderstedt
Langenhorn

23 Stolpersteine an der Ochsenzoller Klinik

23 Stolpersteine erinnern an der Asklepios-Klinik an die Euthanasie-Opfer des NS-Regimes

23 Stolpersteine erinnern an der Asklepios-Klinik an die Euthanasie-Opfer des NS-Regimes

Foto: Heike Linde-Lembke

Künstler Gunter Demnig setzt den zwischen 1941 und 1943 ermordeten Kindern an der Langenhorner Chaussee ein Denkmal.

Langenhorn.  „Hier ermordet. ,Kinderfachabteilung’ der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“, steht auf einem großen Stolperstein vor Haus 25 der Asklepios-Klinik Nord Ochsenzoll an der Henry-Schütz-Allee/Ecke Langenhorner Chaussee 560. Es folgen 23 Stolpersteine mit den Namen von 23 Kindern, die vom NS-Regime von 1941 bis 1943 als „unwertes Leben“ ermordet wurden. Diesen Kindern setzt die Stolperstein-Initiative Hamburg jetzt mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig ein Denkmal, um ihnen ihre Namen und damit ihre Identität wiederzugeben.

Maßgebliche Initiatorin ist Margot Löhr, die für die Stolperstein-Initiative für die Bezirke Langenhorn, Fuhlsbüttel und Klein Borstel zuständig ist und seit 2001 mehr als 50 Lebensläufe von Deportierten erforschte. „Von den 23 Kindern wissen wir, dass sie zwischen März 1941 und Juni 1943 unter der Leitung des Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden Berlin und der Hamburger Gesundheitsbehörde in der ,Kinderfachabteilung’ der damaligen Heil-und Pflegeanstalt Langenhorn Opfer der NS-Euthanasie-Verbrechen wurden“, sagt Margot Löhr. Die Namen der Kinder werden in der Stolperstein-Datenbank verzeichnet und in das Buch „Biographische Spurensuche“ über Stolpersteine in Langenhorn aufgenommen, das 2018 erscheinen soll.

Beispielsweise Elke Gosch. Sie wurde am 3. Juni 1940 geboren und durfte nur bis zum 17. Januar 1942 leben. Oder Claus Grimm, geboren 17. August 1941, ermordet 1. Mai 1942. Angela Quast: geboren 30. Juni 1942, ermordet 9. Mai 1943. „In einem Runderlass des Reichsministeriums wurden im August 1943 unter dem Schein der wissenschaftlichen Erforschung Kliniken, Hausärzte, Hebammen und Fürsorgerinnen verpflichtet, Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen und Behinderungen den Gesundheitsämtern zu melden“, sagt Margot Löhr. Zudem schrieb Hitler 1939 in einem Erlass, dass „nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken .... der Gnadentod gewährt werden kann“.

Ärzte erschlichen sich Zustimmung der Eltern

Das war der Auftrag zur Vernichtung „unwerten“ Lebens und bedeutete für viele Menschen den Tod. Beispielsweise für die am 20. Januar 1938 geborene Helga Heuer, die wie viele der Kinder an zerebraler Kinderlähmung litt. Das Protokoll des sie behandelnden Arztes Dr. Friedrich Knigge, der seit Februar 1941 die Kinderfachabteilung in der Langenhorner Heil- und Pflegeanstalt leitete, besagt, so erforschte Margot Löhr: „Die Mutter hat gegen eine erfolgversprechende Behandlung nichts einzuwenden...“ Die Mutter indes sagte vor Gericht aus, sie habe „ernsthaft geglaubt, dass der Krankheitszustand des Kindes durch eine Operation gebessert werden könnte.

Das erste Kind, das Friedrich Knigge tötete, war Werner Hammerich, geboren am 10. April 1940. Er spritzte ihm eine Substanz, die einen schnellen Tod herbeiführte, aber nachweisbar war. Die weiteren Kinder ermordete er mit einem injizierten Schlafmittel, das eine Lungenentzündung hervorrief. Die Kinder starben langsam und qualvoll. Sie wurden zumeist in den Häusern 7 und 10 des Ochsenzoller Krankenhauses ermordet. Zuvor hatte sich Knigge bei den Eltern die Zustimmung zur besonderen Behandlung erschlichen, indem er ihnen Heilerfolge vorgaukelte, aber gleichzeitig auf das Risiko hinwies. Die meisten Eltern durchschauten nicht, dass es die Einwilligung zum Mord an ihren Kindern war.

Nach Kriegsende im Mai 1945 erstatteten drei Medizinstudenten Anzeige gegen die Ärzte, Krankenschwestern und ihre Helfer. Zuerst gestand Knigge elf Morde, kurz vor seinem Tod 16 Tötungen. Doch bereits 1945 soll er Professor Rudolf Degkwitz, damals Präsident der Hamburger Gesundheitsbehörde, 21 Kindermorde gestanden haben. Den Mord an den von der Gestapo eingewiesenen Erwin Sänger, der am Down-Syndrom litt, gestand er nicht. Erwin Sänger war Jude. „Hier ermordet. Für die Kinder, deren Namen nicht bekannt sind“, steht auf dem letzten Stolperstein.

Stolpersteine für 23 Kinder, Haus 25, Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll, Henny-Schütz-
Allee/Ecke Langenhorner Chaussee 560.