Norderstedt

Endlich wieder freie Fahrt an der Tarpenbek

Durchgang und -fahrt auf eigene Gefahr: Die Bezirksabgeordneten Nizar Müller (CDU) und Martina Schenkewitz (SPD) an der Tarpenbek

Durchgang und -fahrt auf eigene Gefahr: Die Bezirksabgeordneten Nizar Müller (CDU) und Martina Schenkewitz (SPD) an der Tarpenbek

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Es ist das Ende einer Behördenposse: Die Sperrung des beliebten Fuß- und Radweges ist aufgehoben. Betreten auf eigene Gefahr.

Norderstedt.  Es ist vollbracht. Schwarz auf weiß auf einem kleinen Stück Blech. Dort, wo die Tarpenbek aus Norderstedt heraus- und nach Langenhorn hineinfließt, an der Straße Tarpen, da steht das Schild am Beginn des Weges neben dem kleinen Bach. Die Jogger, Spaziergänger, Gassi-Geher, Fahrradfahrer und Mountain-Biker, die den Naturpfad unter Bäumen seit Jahrzehnten als Verbindung über Stock und Stein in Richtung Süden und bis zum Krohnstiegtunnel nutzen, werden das kleine bisschen Behördenhinweis kaum bemerken oder ignorieren. Doch das Schildchen setzt den vorläufigen Schlusspunkt hinter eine schon mehr als zwei Jahre währende, politische Diskussion, es lässt den wiehernden Amtsschimmel verstummen, verhilft der Vernunft zum Durchbruch und holt alle Nutzer des Weges endlich aus der Illegalität.

Und das kam so: 2015 hatte sich auf dem Tarpenbekweg – offiziell lediglich ein Arbeits- und Schauweg zum Unterhalt des Wasserlaufs – eine Frau mit dem Fahrrad langgelegt und daraufhin die Stadt Hamburg auf Schadenersatz verklagt. Schließlich hätte sie dafür sorgen müssen, dass der Weg unfallfrei befahrbar ist. Die Frau gewann vor Gericht, und die Stadt hatte ein Problem. Die Nutzung weiterhin zu dulden, ging nicht. Das Bezirksamt wählte die Nummer sicher und entschloss sich zur Sperrung des Weges. „Kein Durchgang!“-Schilder und schwere Reiterbalken, quer über die Zugänge zum Weg, die 4000 Euro an Investitionen kosteten. Die Nutzer und Anwohner scherte das wenig. Nach wie vor herrschte reger Betrieb an der Tarpenbek.

Initiatoren sammelten mehr als 1300 Unterschriften

Unterdessen organisierten der CDU-Bezirksabgeordnete Nizar Müller und das Langenhorner Urgestein Ursula Bülow den Widerstand: Grenzüberschreitend sammelten sie mehr als 1300 Unterschriften von Langenhornern und Norderstedtern für die Öffnung und gar den Ausbau des Weges. Auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete für Langenhorn, Richard Seelmaecker, schaltete sich ein und sprach vom wiehernden Amtsschimmel. Am Donnerstag schließlich stehen Nizar Müller und seine Kollegin aus der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, Martina Schenkewitz (SPD), vor dem kleinen weißen Schild an der Tarpenbek. Sie haben so etwas wie eine große Koalition für den Tarpenbekweg gebildet. „Wir freuen uns heute, weil das Bezirksamt endlich unserer Argumentation gefolgt ist und der Wille des Bürger gehört wurde“, sagt Nizar Müller.

Es bleibt trotzdem irgendwie absurd, dass nach all den Diskussionen und der Verschwendung von 4000 Euro an Steuergeldern für ein paar wuchtige Sperrbalken am Ende ein kleines „Betreten auf eigene Gefahr“-Schild die Lösung für alle Beteiligten ist. Am Status des Weges hat sich in der Wahrnehmung der Bürger nichts verändert. Aber das Schild schützt jetzt die Stadt Hamburg vor etwaigen Regressforderungen von gestürzten Bürgern. Die Frage bleibt, warum man zunächst den Weg sperrte und erst jetzt auf die Idee kam. „Wir haben uns in ganz Hamburg umgeschaut und herausgefunden, wie andere Bezirke das Problem handhaben“, sagt Martina Schenkewitz. Arbeits- und Schauwege an Wasserwegen gibt es auch in Eimsbüttel und in anderen Bezirken, in denen Bäche fließen und Bürger die Trampelpfade am Ufer für die Naherholung nutzen. Und siehe da: Überall stehen Hinweisschilder mit dem Vermerk: Betreten auf eigene Gefahr! „Was die Kollegen in anderen Bezirken hinbekommen, sollte im Bezirk Nord doch auch möglich sein – war es auch“, sagt Schenekwitz.

Und so können nun alle Langenhorner und Norderstedter, wie eh und je an der Tarpenbek wandeln und radeln. Müller und Schenkewitz legen das Thema noch nicht zu den Akten. Sie wollen weiter die Idee verfolgen, aus dem Schauweg einen hübsch ausgebauten Naturpfad zu machen. Das würde etwa 100.000 Euro und einige Bäume kosten. Gegen die Pläne sind unter anderem die Grünen im Bezirk Nord, die Eingriffe in die Natur für den Ausbau strikt ablehnen.