Norderstedt
Brandschutz

Norderstedt: Absage an eine Berufsfeuerwehr

Gemeindewehrführer Fabian Wachtel ist mit 33 Jahren ein „Youngster“ unter den Kollegen im Kreis Segeberg

Gemeindewehrführer Fabian Wachtel ist mit 33 Jahren ein „Youngster“ unter den Kollegen im Kreis Segeberg

Foto: Michael Schick / HA

Ab 80.000 Einwohnern müssen eigentlich Profis ran. Doch das jetzige Modell garantiert bereits besten Brandschutz.

Norderstedt.  Die Stadt braucht keine Berufsfeuerwehr. Die freiwillige Feuerwehr kann den Brandschutz für die Norderstedter optimal gewährleisten. Da ist sich Fabian Wachtel ganz sicher – der Gemeindewehrführer bezieht Position, denn schon in absehbarer Zeit dürfte Norderstedt eine Marke knacken, die die Diskussionen über die Frage hauptamtliche oder ehrenamtliche Feuerwehr wieder entfachen dürfte: Ab 80.000 Einwohner sieht die Gesetzeslage in Schleswig-Holstein professionelle Brandlöscher und Unfallretter vor. Am 1. Juli waren bei der Stadt 79.798 Norderstedter gemeldet, 202 fehlen noch, bis zur magischen Marke.

„Das ist letztlich eine willkürlich gegriffene Marke. Für uns ist es unerheblich, ob Norderstedt nun 78.500 oder 83.000 Einwohner hat. Das verändert die Zahl der Einsätze nur minimal“, sagt Wachtel. Allerdings sei es auch kein unumstößliches Gesetz, dass jede Stadt mit 80.000 und mehr Einwohnern eine Berufsfeuerwehr haben müsse. Städte könnten sich von dieser Vorgabe befreien lassen. Das sei in anderen Bundesändern durchaus üblich.

Voraussetzung sei, dass die vorgeschriebenen Einsatzzeiten eingehalten werden. Auch hier gibt es eine magische Marke: Die Einsatzkräfte müssten in neun Minuten von der Wache zum Brand- oder Unfallort ausgerückt sein. Diese Zeitvorgabe könnten die Feuerwehrleute, die sich freiwillig für die Sicherheit der Bürger engagieren, einhalten. Da profitiere Norderstedt von seiner Geschichte: Jede der vier Ursprungsgemeinden hatte eine Wache, als die Stadt 1970 entstand.

Mit den dezentralen Standorten sei die Stadt im Vorteil gegenüber einer Berufsfeuerwehr mit einer zentralen Wache. „Wenn wir beispielsweise von der Einsatzleitstelle an der Stormarnstraße zum Herold-Center ausrücken und im Berufsverkehr über die Ulzburger Straße fahren müssten, hätten wir Probleme, die Zeitregel einzuhalten. Das gelingt aber den Garstedtern, die dichter dran sind“, sagt der Gemeindewehrführer.

Würde die Stadt auf eine hauptberufliche Wehr umstellen, seien zwei Wachen nötig. Das bedeute wiederum hohen Personalaufwand, um den Betrieb in drei Schichten zu gewährleisten. Wachtel geht davon aus, dass 100 bis 120 hauptberufliche Feuerwehrleute nötig wären. Bei einem Jahresgehalt von rund 50.000 Euro summierten sich die Kosten auf jährlich fünf bis sechs Millionen Euro. „Und um umfassenden Brandschutz zu gewährleisten, bräuchten wir trotzdem noch freiwillige Wehren“, sagt der Gemeindewehrführer. Das zeige der Blick nach Hamburg, wo den Profis noch 86 Wehren auf freiwilliger Basis zur Seite stehen. Die vier Norderstedter Ortswehren könnten aus einem Reservoir von rund 300 Aktiven schöpfen, die nötige Einsatzstärke sei jederzeit gewährleistet.

Auch in Norderstedt gibt es einen hauptamtlichen Teil der Wehr. 13 städtische Mitarbeiter stellen die schnelle Eingreiftruppe. „Das hilft uns vor allem bei Bagatelleinsätzen“, sagt Wachtel, also dann, wenn Menschen im Fahrstuhl eingeklemmt sind, Wasser in den Keller gelaufen ist, die Katze nicht mehr vom Baum kommt oder sich jemand ausgesperrt hat. „Damit belasten wir die Arbeitgeber nicht unnötig, die ihre Mitarbeiter für die Einsätze freistellen müssen“, sagt Wachtel.

Der Gemeindewehrführer sieht Vorteile des Norderstedter Modells: Zum einen profitiere die Wehr vom Fachwissen ihrer Mitglieder. „Wenn wir eine eingeklemmte Person befreien müssen, weiß der Kfz-Meister, der berufsbedingt immer auf dem aktuellen Stand ist, wo bei den neueren Fahrzeugen Carbon eingebaut ist – ein extrem widerstandsfähiges Material, das sich nicht so einfach zerschneiden lässt“, sagt Wachtel. Zum anderen sei die Motivation der Ehrenamtler hoch.

Die Zahl der Einsätze steige, von rund 650 pro Jahr vor sieben Jahren auf aktuell 800, aber: „Wir können den Brandschutz auch bei 90.000 Einwohnern mit einer freiwilligen Feuerwehr sicherstellen“, sagt Wachtel. Bei Bedarf müsse der hauptamtliche Teil aufgestockt werden. Er stehe mit dem Kieler Innenministerium in Kontakt und sei sicher, dass das Land das bewährte Modell genehmige.

Diese Auffassung wird der Gemeindewehrführer auch vertreten, wenn er am heutigen Dienstag von 19.30 Uhr an im Clubhaus von Eintracht Norderstedt, Ochsenzoller Straße 58, in der öffentlichen Vorstandssitzung der FDP über das Thema informiert und mit den Gästen diskutiert.