Norderstedt
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Die Milchtankstelle wird immer beliebter

Landwirt Sebastian Mecklenburg (24) betreibt seit Februar eine Milchtankstelle. Das Angebot hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass seine Existenz gerettet werden konnte.

Landwirt Sebastian Mecklenburg (24) betreibt seit Februar eine Milchtankstelle. Das Angebot hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass seine Existenz gerettet werden konnte.

Foto: Christopher Herbst / HA

Landwirt Sebastian Mecklenburg aus Norderstedt konnte dank der Direktvermarktung seine Existenz und den Betrieb retten.

Norderstedt.  „Ich war damals richtig unsicher und dachte, das könnte auch nach hinten losgehen.“ So spricht Sebastian Mecklenburg im Rückblick über die ersten Tage seiner Milchtankstelle. Der 24 Jahre alte Landwirt aus Norderstedt hatte den Einstieg in die Direktvermarktung im Frühjahr als seine letzte Chance gesehen.

Rund sieben Monate später steht fest: Es hat sich gelohnt. In der Holzhütte am Rantzauer Forstweg, wenige Meter entfernt vom Kreisel, kann rund um die Uhr Milch gezapft werden – und genau dieses Angebot nehmen immer mehr Menschen aus der Region wahr. „Ab 30 Litern am Tag würde es sich rechnen, 50 wären gut, jetzt sind es 100.“

Es geht ihm darum, mehr übrig zu haben. Denn der Milchpreis, den Meiereien zahlen, hätte nicht mehr allein gereicht, um seine Existenz auf Dauer zu sichern. Mit den letzten Ersparnissen investierte Mecklenburg in die Technik für die Tankstelle, dort gibt es Rohmilch, die nicht pasteurisiert ist, für einen Euro pro Liter. „Jeder, der kommt, hat gesagt, so etwas hat gefehlt. Viele Menschen wollen nicht mehr die Milch aus dem Laden haben. Es gibt einen geschmacklichen Unterschied; und die Leute finden es toll, einen Landwirt zu unterstützen.“

Er ist fast immer vor Ort, füllt Milch nach, das Sortiment wurde um Eier vom Hof Spahr aus Fahrenkrug, Honig aus Kaltenkirchen und Kartoffeln vom Hof Holst-Oldenburg in Nahe erweitert. Bezahlt wird über eine Vertrauenskasse, auch dieses Prinzip funktioniert. Gerne beantwortet Mecklenburg, der auch 20 Pferdeboxen vermietet, Fragen. „Die Menschen interessieren sich, fragen zum Beispiel, wie es mit dem Pflanzenschutz ist.“

Oder ob die Kühe auf der Weide stehen dürfen. Das ist der Fall, solange das Wetter es zulässt, wobei mittlerweile die Böden so tief und nass sind, dass die Tiere im Stall bleiben, da sie sich sonst verletzen oder Klauenkrankheiten bekommen könnten. Mit 45 Kühen ist der Hof ein Kleinbetrieb. Und transparent, denn der Bauer hat kein Problem damit, wenn Besucher nicht nur Milch kaufen, sondern auch nach den Kühen schauen möchten. Auch Kindergärten hat Sebastian Mecklenburg bereits herumgeführt. Gute Werbung ist alles, denn Landwirte haben nicht den besten Leumund. „Wenn man irgendwo ist und sagt, man ist Landwirt, hört man: Du verseuchst die Umwelt.“

Wie viele Menschen das Angebot nutzen, kann er nur schätzen. Allerdings hat er 1800 Flaschen verkauft und bisher rund 20.000 Liter über den Automaten abgesetzt. Das Gros der Tagesproduktion geht allerdings an eine Meierei, wird letztlich industriell verarbeitet. „Jetzt bekommen wir 40 Cent für den Liter, aber ich habe schon Bescheid bekommen, dass ich nicht investieren sollte, weil es sich im Frühjahr deutlich verringern wird.“ Er vermutet: Zeitweise waren die Bestände knapp, weil viele Landwirte aufgegeben hatten. Jetzt sind die Lager wieder voller, und die Discounter haben eine starke Verhandlungsposition. „Wenn der Preis auf 20 Cent runtergeht, dann hat mich die Tankstelle gerettet.“

Denn ein weiteres Problem ist der Klimawandel: Was für Norddeutschland in diesem Zuge prognostiziert wird – mehr Starkregen –, hat er schon längst bemerkt. Eigentlich will er mit Getreide etwas hinzuverdienen. Das Stroh ist für die Kühe, dazu baut er Mais, Roggen und Gerste an. „Der Roggen ist für die Broterzeugung. Aber ich habe in diesem Jahr nur die Futterpreise bekommen, weil es zu nass war. Wenn die Sommer weiter so sind, höre ich damit auf.“

Trotzdem ist sein Ausblick vorsichtig positiv. Er habe zwar noch Schulden, könne aber wieder Rechnungen bezahlen, sagt Sebastian Mecklenburg. „Wenn es so läuft wie jetzt, wird es für immer Bestand haben. Es war kein leichtes Jahr. Ich bin heilfroh, dass ich die Tanke habe, sonst hätte ich zugemacht.“